Blogbeitrag

Kissenschlacht

Die Alten spielen verrückt

23. November 2020

Alte Menschen. 65 bis 85. Im Lauf der Woche, die sie beisammen gewesen sind, haben sie „Gottes“ Zusage verstanden: Ihr müsst euch nicht weiterhin durch die Zwänge festlegen lassen, die Rolle eines alten Menschen zu spielen, so wie man das von euch erwartet. Ihr dürft auf die Freiheit hoffen, ihr selbst zu sein.

Was hat das zur Folge gehabt?

Nach einer Pause war ich als erster wieder da. Ich spielte mit einem Ball. Als 2 oder 3 weitere Personen dazu kamen, warfen wir ihn uns gegenseitig zu. Sobald einige mehr da waren, brachte ich einen zweiten Ball ins Spiel. Da der zweite Ball verwirrend wirkte, fing ich an, die angezielten Personen mit Vornamen zu rufen, was von den anderen gleich aufgegriffen wurde. Nach einer Weile nahm ich ein Kissen und warf es: „Hermann!“ Lachend nahm die Gruppe das Kissen ins Spiel auf. Man musste mit viel mehr Wucht werfen als beim Ball. Dann ein zweites dazu und ein drittes, etwa zehn Kissen. „Anneliese!“ „Rainer!“ Es ging wild durcheinander und mit viel Lachen und mit Stimmen, die befreit losgelassene „Aggressivität“ ahnen ließen. Ich hatte gedacht, nach 5 Minuten wäre die „Kissenschlacht“ beendet. Aber erst nach einer halben Stunde hörten die ersten und dann schnell auch alle anderen auf und ließen sich erschöpft lachend auf die bereit stehenden Stühle fallen.

„Sie haben doch alle zu Hause irgendwelche Nachbarn. Denken Sie an eine bestimmte dieser Personen. Und stellen sich vor, die wäre eben hier vorbeigegangen und hätte das alles gesehen und Sie dabei erkannt.“ Ich konnte den Satz kaum fertig aussprechen. Hände wurden über dem Kopf zusammengeschlagen. „Die sind vielleicht verrückt!“ „Diese doofen Alten!“ „Die Alten werden wieder kindisch!“ … Aufgestaute Wut bahnte sich einen Weg. Wut über die Zwänge der gesellschaftlich verordneten Rolle, wie ein alter Mensch sich zu verhalten hat und wie nicht.

Schließlich haben wir gemeinsam nachgedacht und uns ausgetauscht, was das den Beteiligten für ihr Lebensgefühl bedeutet, für ihren Wunsch nach Selbstbestimmung und Individualität. Es war allgemein zu spüren und einige sprachen es aus, dass die „Kissenschlacht“ und das anschließende Gespräch Mut gemacht haben, sich weniger durch Rollenerwartungen bevormunden zu lassen und sich mehr Freiheit zu gönnen.

Ein Augenblick der Hoffnung. Das Zutrauen gegenüber dem kommenden „Reich Gottes“ hatte die Oberhand gewonnen.

(Aus dem Buch „Den Retter-Gott ranlassen. Damit Leben gelingt“ Kapitel 3 „Reich Gottes – darauf kannst du dich verlassen!“)

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