Morgensonne. Ich gehe – mitten durch den großen grünen Wiesen-Teppich – den Weg im Tannheimer Tal – ohne Plan, aber mit leichtem Rucksack für den Tag. Noch sind keine anderen Wanderer unterwegs. Allein in dieser wunderschönen Welt! Farbig von allen Seiten. Und alles das hat keiner „gemacht“; es ist „geworden“. Für mich als Frankfurter geradezu eine andere Welt!
Hier erlebe ich mich zugehörig zu dieser lebendigen Landschaft – aus vielen Kunstwerken ein lebendig-dynamisches Gesamtkunstwerk – und ich ein Teil davon, in vielerlei Hinsicht von „daseiend“ und „lebend“ nach den gleichen „Mustern“ wie alle anderen Teile – und zugleich „individuell“ wie dieses Schottersteinchen am Wegrand, wie diese wunderschöne, kurzzeitig blühende Pflanze, wie dieser kleine braune Schmetterling, der hier umherflattert … und mit der „Ahnung“, eine Art von Teil des Ganzen zu sein, wenn auch vielleicht etwas „Besonderes“ noch anderer Art – ist es das „Bewusstsein“, das Selbstbewusstsein? Aber ist sich nicht auch dieses Blümchen in gewisser Weise der eigenen Befindlichkeit „bewusst“, dass sie, um günstiger zu gedeihen, ihren Stängel etwas höher und mehr nach „links“ zur Sonne hin ausstrecken sollte? Und falls sie selber sich dessen in keiner Weise „bewusst“ sein mag, ist es doch aber gewiss eine durch „Evolution“ gewordene oder sonstwie durch eine gestaltende Instanz geschaffene „Ordnung“ oder „Daseinsweise“, die sie so gezielt, sinnvoll, also doch in gewissem Sinne „bewusst“ (wissend, erfahren, …) gestaltet?!
Mitten darinnen sehe ich mich jetzt hier also als ein Teil dieses Ganzen und genieße es, „dazuzugehören“, meiner lebendigen, dynamischen Beziehung zu all dem innezuwerden.
Was für ein Kontrast zum Gesamtbild der Wirklichkeit, die auf mich einwirkt, wenn ich in der Großstadt unterwegs bin! Ein Teil davon? Dort erlebe ich mich eher als Objekt der mächtigen Dynamiken, die auf mich einwirken und auf die ich halt achten muss, um da nicht unter die Räder zu kommen. „Lebensraum“???
Der Großstadt in jedem Augenblick und dieser „Natur“ auf Dauer gemeinsam ist wahrscheinlich, dass sie für Menschen ein Lebensraum nur dann sein können, wenn „die einzelnen Teile“ und die anderen „Teile“ des jeweiligen Ganzen die Beziehung zueinander pflegen, in der der „Respekt“ zueinander – je nach den eigenen, dauerhaft „lernenden“ Fähigkeiten der beteiligten „Teile“ – zur dynamisch herrschenden Kraft des „Ganzen“ wird.
Und wie kannst du und ich für diesen Respekt sorgen und ihn selber genießen?
Mir scheint, eine solche „heilsame“ Haltung wird den Menschen möglich, die nicht unbedingt und unbegrenzt das als letztlich alles beherrschende Kraft anstreben, was ihnen ihr individuelles Interesse zu sein scheint. Ich habe Menschen kennengelernt, deren Haltung solcher Art sehr unterschiedlich verwurzelt ist: Die einen nennen das „humanistisch“, andere „sozial-ökologisch“ oder „grün“ und für wieder andere liegt die Motivation dazu in einer Sichtweise vom Dasein, die sie „transzendenzbezogen“ nennen oder „religiös“. Das umfasst auch die selbstverständliche, nicht hinterfragte „animistische“ Haltung sogenannter Naturvölker ebenso wie den uralten chinesischen Taoismus, den Hinduismus und andere asiatische Religionen wie auch die Traditionen der abrahamitischen Religionen. Ich persönlich sehe meine Lebenseinstellung dazu geprägt durch die Sichtweisen der Bibel und ermutigt durch den Geist von Jesus, der mir zunehmend zum Lebensatem geworden ist.
Also – fürs bevorstehende gemeinsame „Respekt-Dinner“: Guten Appetit!