Ich neige dazu, mein eigener Gott sein zu wollen.

Warum lässt Gott es zu, dass diese Kriege auch heute massives Elend über die Menschen bringen; dass die Menschheit mit ihren kurzsichtigen Schädigungen des Erd-Klimas vielleicht in ihr Verderben läuft; …!

Wenn ich Gott wäre, …

Jaja, solche Gedanken ließen mich dieser Tage nicht los, als ich nachts wach im Bett lag.

Diese uralte Frage nach Gottes Rechtfertigung! Und diese uralte eigene Antwort darauf: „Ich“ wäre da ein besserer Gott …

Immerhin die Bibel selber hat den Vergleich auf dem Schirm: „Gott erschuf den Menschen als sein Bild, als Bild Gottes erschuf er ihn.“ (Genesis 1,27) Und der Psalm erinnert staunend: „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst, des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst? Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, …“ (Psalm 8,5-6)

Sich selber zum Gott machen, das gilt bei Glaubenden als „Sünde“ schlechthin. Zugleich aber gilt es als ein Grund-Element des „Glaubens“, dass der Mensch – in seiner „Gottebenbildlichkeit“ – „fast“ so etwas wie Gott ist! Der Unterschied zwischen diesen beiden Sichtweisen ist da doch sehr gering! Wahrscheinlich kommt es auf die „Haltung“ an, mit der ich – immer wieder neu in jeder konkreten Situation – mich zur betreffenden Wirklichkeit in Beziehung setze.

Gehört nicht zum Menschsein die verantwortliche, freie und kreative Mündigkeit, zu der ich geschaffen bin? Sie eröffnet die (emanzipative) Möglichkeit und verlangt von mir auch, dass ich mir so etwas Ähnliches werde wie mein Gott. Oder? Wenn ja, gehört dazu allerdings auch, dass ich die ungewollten mir schädlichen Folgen meiner „Irrtümer“ (durch die ich lerne) ertragen muss. Da kann der Schöpfer mich doch nicht durch vorschnelle Entlastung bei diesem Lernprozess behindern! Und das gilt wahrscheinlich nicht nur für mich als Individuum, sondern auch für kollektiv zu verantwortende Wegstrecken im Sinn von „trial and error“?!

Eine andere Frage: Wo wird eine Missachtung des Verhältnisses zwischen beiden Perspektiven zur sozialen Gefahr, womöglich gar zur Gefahr für die ganze Menschheit und ihren Lebensraum Erde? Vielleicht da, wo ich oder wir vernachlässigen, dass auch alle anderen Menschen – mit unantastbarer Würde – „fast wie Gott“ sind? Jedenfalls sollte ich und sollten wir immer uns des Unterschiedes zwischen „Gott“ und „Mensch“ bewusst bleiben, wann immer wir „sein wollen wie Gott“. Dann werden wir uns als Lernende begreifen und das Riskante in unserer Verantwortung nicht aus dem Blick verlieren!

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