Sonntagsbotschaft zum 8. November 2026,
dem 32. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).
Wenn Gefahren drohen oder wenn die beglückende Erfüllung einer Sehnsucht auf sich warten lässt, vertrauen Sie dann den Verheißungen des Evangeliums? Vielleicht möchten Sie ja jedenfalls mit dieser Haltung durchs Leben gehen? Und machen Sie damit gute Erfahrungen?
Der Inbegriff dessen, was Menschen von Gott ersehnen, heißt in der Bibel „das Reich Gottes“, im Matthäus-Evangelium „das Himmelreich“. Christen beten: „Dein Reich komme!“
Allerdings sind schon zur Zeit von Jesus viele Menschen mit dieser Hoffnung auf den Bauch gefallen. Von je her steht die Frage im Raum, ob es sinnvoll ist, Vertrauen und Sehnsucht auf Gott zu richten.
Akut wurde diese Frage, als Jesus zu scheitern drohte, mit dem „Himmelreich“ ganz konkret anzufangen. Die Gegner, die ihn ausschalten wollten, waren zu mächtig. Anscheinend waren doch sie die herrschende Kraft? „Reich Gottes“ – das war für viele ein Flop. Für sich selber sahen sie jedenfalls keinen Zugang dazu.
Da hilft Jesus den skeptisch Zweifelnden, ihren Blick zu weiten. Damit sie sich von der gewohnten deprimierenden Sichtweise lösen und ihnen neue Zusammenhänge einleuchten. Er erzählt ihnen wieder einmal ein Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es
wie mit zehn Jungfrauen,
die ihre Lampen nahmen
und dem Bräutigam entgegengingen.
Jesus spricht von einem Brauchtum, das uns fremd ist: Eine altorientalische Hochzeitsfeier erstreckte sich über mehrere Tage. Da wurde getanzt, getrunken, gegessen. Und Höhepunkt des Ganzen war der Einzug des Bräutigams mit seiner Braut in sein Vaterhaus zu nächtlicher Stunde.
Bis es aber soweit war, wartete die Braut in Gesellschaft ihrer Jugendfreundinnen, um den Bräutigam abzuholen und in einem fröhlichen Umzug mit brennenden Öllampen ins neue Heim zu geleiten.
Wann es aber soweit sein würde, das war eine spannende Frage. Es konnte stundenlange Verzögerungen geben. Da musste gefeilscht und verhandelt werden; das dauerte. Normalerweise vertrieben sich die Brautjungfern die Zeit des Wartens mit Singen, Spielen, Späßen, … Bei der Warterei sind sie dann zu vorgerückter Stunde auch schon mal eingenickt. Aber irgendwann ging es dann los. Endlich. Oh, plötzlich! Moment mal …! Die Frisur, der Schleier! „Sie kommen!“ Auf!
Um uns zu vermitteln, worauf es ihm mit dem Gleichnis ankommt, macht Jesus mit seiner Art der Erzählung transparent, wie es zu der problematischen Wendung im Geschehen kommt:
Die einen nahmen ihre Lampen mit,
aber kein Öl, …
Töricht!
… andere aber nahmen
mit ihren Lampen
noch Öl in Krügen mit. …
Klug!
Als nun der Bräutigam
lange nicht kam,
wurden sie alle müde
und schliefen ein.
Alle!
Mitten in der Nacht nun
erscholl der Ruf:
Der Bräutigam!
Geht ihm entgegen!
Da standen die Jungfrauen alle auf
und machten ihre Lampen zurecht.
Die törichten sagten zu den klugen:
Gebt uns von eurem Öl,
sonst gehen uns die Lampen aus!
Die klugen erwiderten ihnen:
Dann reicht es nicht
für uns und für euch;
geht zu den Händlern
und kauft euch Öl!
Während sie noch unterwegs waren,
um es zu kaufen,
kam der Bräutigam.
Die Jungfrauen,
die bereit waren,
gingen mit ihm
in den Hochzeitssaal
und die Tür
wurde zugeschlossen.
Später kamen auch
die anderen Jungfrauen
und riefen:
Herr, Herr, mach uns auf!
Er aber antwortete ihnen …:
… Ich kenne euch nicht. …
(Matthäus 25,1-13)
Zu spät.
Wenn das ersehnte und von Gott verheißene Geschehen sich endlich unmittelbar abzeichnet, dann will ich in der Lage sein, daran teilzunehmen.
Wir kennen das. Wir berücksichtigen das im Leben immer, wenn uns etwas wichtig ist.
- Zum Beispiel kündigt sich da ein Konzert ganz nach meinem Geschmack an. Wann es stattfindet, muss ich noch recherchieren. Irgendwann erfahre ich von dem Termin. Aber da sind die Tickets schon ausverkauft. Ich hatte mich nicht vorsorglich um rechtzeitige Information bemüht.
- Oder: Der Bauer beobachtet die Wetterentwicklungen und hält sich und seinen Traktor samt ausreichend Treibstoff bereit für den optimalen Zeitpunkt, das Futtergras zu mähen: nicht zu früh, damit sich die Pflanzen maximal entwickeln können, und nicht zu verzögert, damit das Heu nicht vom Regen erwischt wird und fault.
- Wenn es sich abzeichnet, dass Sturmfluten immer höher ausfallen, werden sich Küstenländer rechtzeitig zu hohen Investitionen in die Erhöhung ihrer Deiche durchringen, wenn sie noch höhere Belastungen vermeiden und gut durchkommen wollen.
Ja, wir wissen es: Manchmal kommt es darauf an, vorzusorgen für die unverzügliche Bereitschaft für den „Kairos“, für das kurze Zeitfenster, das eine günstige Gelegenheit anbietet, um das unverhoffte Eintreten eines ersehnten Geschehens nicht zu verpassen.
Aber wenn die Menschheit sich nicht bereit macht, günstige Zeitpunkte zum Umsteuern zu nutzen, wird sie weitermachen bis zum Crash. Sie wird sich weigern, kurzfristige Wachstums-Einbußen der Reichen zu planen und Einschränkungen von Überflüssigem zu managen. Sie wird weiterhin in rücksichtslosem Konkurrenzkampf und unter menschenverachtenden Arbeitsbedingungen, unter klimaschädlichem Energieverbrauch und die begrenzten Ressourcen der Erde plündernd ein Übermaß an Waren produzieren, das dann auf dem Globus hin- und herkutschiert wird und schließlich, statt wenigstens bei den Armen anzukommen, in den Ozeanen landet.
So ist es auch mit dem „Himmelreich“ und mit dem Risiko, es zu verpassen!
Während der Wartezeit kapitulieren die einen. Schäden durch verpasstes Umsteuern werfen sie dann per Rundumschlag allen möglichen Sündenböcken vor – und versauern sich selber und anderen das Leben.
Andere greifen zu Gewalt, zu Habgier oder Nationalismus, um ihr Gruppeninteresse durchzusetzen.
Andere schieben die Schuld Gott in die Schuhe, wenn ein allgemein sich abzeichnendes Risiko dann plötzlich eintritt und wenn sie nicht ausreichend für ihre Bereitschaft vorgesorgt haben und die Katastrophe deshalb wüten kann.
Aber es gibt Menschen, die an einen Gott glauben, der sie zu einer Perspektive beatmet, in der das Leben sich entfaltet und erfüllt. Jesus ist ihnen das Modell: Er lebt diese Haltung und will unsereins dazu anstecken.
„Seht, der Bräutigam! Geht ihm entgegen!“ Dafür braucht es die Vorsorge für eine ausreichende Bereitschaft:
Wenn nicht feststeht, für wie lange ich meine Ausdauer pflegen muss, werde ich, wenn ich klug bin, nachhaltig vorsorgen, werde mich mit anderen über unsere Träume austauschen und uns darauf einstellen, vielleicht dafür trainieren. Und wenn es soweit ist, kann dann auch ich mein Licht am Leuchten halten. Wenn das mit Hoffnung und Vorfreude erwartete Ereignis unversehens und plötzlich anfängt, kann ich sofort dabei sein und mich an der Lichterprozession beteiligen.
Aber wie dumm von mir, was ich mir nicht verzeihen werde, wenn ich Zeit und Energie für Läppisches verwendet habe und mich dann im letzten Moment um mein passendes Outfit kümmere und deshalb das verpasse, worauf ich mich doch so sehr gefreut hatte!
Das ist die Herausforderung, wenn ich dabei sein will, wenn Gott in allem Elend der aktuellen Welt endlich als herrschende Kraft die Menschen zu retten anfängt und dabei auch mich einbeziehen will. Das sagt Jesus mit diesem Gleichnis.
Für viele Entwicklungen im Gemeinwesen gibt es ja immer wieder kurze Zeitfenster, Gelegenheiten, die man auch mit wenigen Kräften nutzen kann, um eine Weiche umzustellen und den ganzen Zug umzuleiten … damit sein Reich kommen kann.