Beispiel Jugendsprache. Du verwendest diese Worte selbstverständlich nicht, weil du etwa müsstest. Es ist einfach deine Sprache, die du sprichst, weil du dazugehörst. …
Es ist schön, immer wieder bestätigt zu bekommen: Ich gehöre dazu. Wenn ich das aber nicht erlebe, … wenn es keinen Ort und niemanden gibt, …
In ganz anderen Sprachen heißt das: Meine Sehnsucht, geliebt zu sein, … mein Menschenrecht auf Anerkennung meiner Würde …
„Selbstoptimierung“ hatte ursprünglich eine zwanglose, natürliche Bedeutung. Immer mehr steht das Wort aber für eine Bemühung, so gut es geht, den Erwartungen, den Vorstellungen meiner Umwelt zu entsprechen: mein Aussehen, mein „Outfit“ so zu gestalten, dass sie mich mögen, dass sie mich interessant finden, dass ich „cool“ bin (die neueste, mir nicht vertraute Jugendsprache nennt das sicher längst anders). Denn wenn die anderen mich so sehen können, wie ich ungeschönt tatsächlich aussehe, dann lassen sie mich ja bestimmt – bestenfalls – links liegen.
Zusammengefasst: Ich – wie ich wirklich selber bin – ich genüge doch nicht. Schulnote 6 = ungenügend.
So viele Menschen – nicht nur junge! – passen sich einfach an, um nicht durchs Raster der Rollenerwartungen, der Vorschriften, der Zwänge und Normen aller Art zu fallen! Das Leben wird zu einem einzigen Mega-Stress. Natürlich bahnt sich da der Zorn irgendwann ein Ventil. Zum Glück, möchte man sagen. Aber oft wird die versteckte Angst im Nacken, ungenügend zu sein, auch zur Versuchung zum Suizid.
Ein anderes, weit verbreitet genutztes – wenn auch weitgehend nutzloses – Ventil ist es, das Gefühl, nicht zu genügen, einfach zu verdrängen, weg-zu-ver-genügen … Solches Ver-g(e)nügen, da es nie genügt, muss dann immer noch länger, noch heftiger, noch grenzenloser werden … Da wird es zum größten Spaß, wenn man andere „besiegt“ oder „überführt“ oder sich sonstwie auf ihre Kosten amüsiert. (Kennen Sie solche Fernsehsendungen?)
Gibt es denn wirklich so wenige Freundeskreise, Eltern, Menschenfreunde, … bei denen ein Mensch – Kind, Erwachsener, Mann, Frau, alleinstehend oder in großer Familie … – die offene, wertschätzende Zuwendung erlebt, wie sie dem staunenswerten und liebenswerten Eigenen eines jeden Menschen gerecht würde und wie es auch allen Beteiligten große Freude macht?