Blogbeitrag

Auf dem Weg zur kollektiven Demenz?

26. August 2026

Die Kräfte eines jeden Menschen verändern sich ein Leben lang. Die körperlichen wie die geistigen. Manche davon nehmen mit zunehmendem Alter ab. Diesen alltäglich wie psychologisch zu beobachtenden Vorgang beschreibt das Wort „De-Menz“. Und andere, neue Kräfte nehmen zu. Von Person zu Person läuft das auf offensichtlich sehr unterschiedliche Weise ab.

Das Abnehmen mancher der eigenen geistigen Kräfte wahrzunehmen, bedeutet für viele Menschen eine schmerzhafte Kränkung. Sie schließen davor die Augen, um es nicht sehen zu müssen, verneinen es daher einfach: „Dement? Ich doch nicht!“ Am Rande der Panik benennt das Wort nur noch die medizinische Diagnose „Demenz“. Im Kreis Gleichaltriger sprachen wir darüber. Und darüber, dass das eben bei jedem irgendwie am Wirken ist. Einer unter uns – ein Promovierter – stellte das – für ihn ungewöhnlich emotional – heftig in Abrede. Dass er dann, als er unsere Runde verließ, das Bezahlen seiner Zeche versäumt hatte, löste eine humorvolle Reaktion unter Freunden aus. …

Die Erfahrung zeigt, dass Fähigkeiten – geistige wie körperliche – dann gute Chancen auf weiteren Bestand haben, wenn sie gepflegt, geübt werden. Entsprechendes Training ist dann natürlich immer wieder auch mit Mühen verbunden. Und wie schwer die sind, hängt auch von der Höhe der Erwartungen ab. Medikamente helfen bei manchen körperlichen „Mühen“. Gibt es auch Hilfsmittel bei der Pflege mentaler Fähigkeiten?

Nun gibt es auch kollektive Fähigkeiten. Die lassen auch manchmal nach. Und – kollektiv gesehen – gelten dabei „Mühen“ oft als „von gestern“; die könne man sich doch „heute“ mit diversen Hilfsmitteln ersparen. Seit neuestem wird da „künstliche Intelligenz“ hoch gepriesen. Ein verblüffendes Hilfsmittel, in der Tat! Die Versuchung kann da groß werden, entsprechende „Mühen“ sich abnehmen zu lassen und dabei auch noch zehnfache Ergebnisse liefern zu können!

Sollten wir uns darum sorgen, dass – durch ein unbedachtes Nutzen eines so effektiven Hilfsmittels wie der scheinbar kostengünstigen KI – auch gemeinsam getragene Fähigkeiten unserer Gesellschaft sich zurück entwickeln? dass kollektiv verantwortete und wahrgenommene „geistige“ Fähigkeiten vernachlässigt und daher geschwächt werden? Anders gefragt: Steht uns da eine zunehmende kollektive „De-Menz“ ins Haus? „KD“ durch „KI“?

Und eine ganz andere Frage taucht mir dabei auf: Schon zu beobachten ist, dass „wir“ uns da einer neuen – quasi allmächtigen und allwissenden – Instanz immer mehr anvertrauen. Logisch: Welcher Mensch sollte angesichts solcher Leistungsfähigkeit dazu fähig sein, die Kontrolle zu behalten! Ein neuer „Gott“? Weil die Menschheit nicht willens oder fähig ist, innerhalb der eigenen Begrenztheiten erfüllt zu leben?

Übrigens – ein „Gott“, dessen physischem „Hunger“ bereits jetzt ungeahnte Ausmaße an Energie „geopfert“ werden – in Kraftwerken neuer Dimensionen, die alle von der Energiepolitik bisher statuierten Grenzen erstaunlich mühelos sprengen und die Frage unbeantwortet lassen, in welchen anderen (ökologischen? ökonomischen? sozialen?) Politikbereichen die Menschheit in Zukunft ihre dadurch notwendig werdenden Energiesparprogramme füttern wird.

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