Schlüssel zum Gelingen

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 23. August 2026, dem 21. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Wenn mein mir wichtigstes Ziel darin besteht, dass möglichst alle jeweils Beteiligten eine Menschenfreundlichkeit nach Gottes Art erleben können, wessen Führungswillen und Initiative traue ich dann am ehesten – in Freundeskreis und Familie, in Betrieb und Verein, in Kirche und Staat?

Oder – in anderer Sprache gefragt: Wer soll führen, leiten, regieren, wenn die elementaren Werte Menschenwürde und Gemeinwohl wirklich umgesetzt werden sollen?

Dazu gibt die Bibel an diesem Sonntag eine bemerkenswerte Anregung.

Da geht es zunächst um die politische Situation etwa 700 Jahre vor Christus. Hätte es damals schon Meinungsumfragen gegeben, wären die Zustimmungswerte zur Politik von Hiskija, dem König von Juda, ziemlich in den Keller gegangen. Als graue Eminenz am Königshof hatte Schebna die Zügel in der Hand. Entgegen allen Warnungen hellsichtiger Propheten hatte er, um Juda aus der Fremdherrschaft der Assyrer zu lösen, das Land vom Wohlwollen Ägyptens abhängig gemacht. Das hat dazu geführt, dass nun das assyrische Heer die Stadt belagerte. Die Bevölkerung litt unter Wassermangel. Sie rissen schon ihre Wohnhäuser ein, um mit den Steinen die Stadtmauer zu sichern. Große Teile der Oberschicht waren geflohen, fielen allerdings den Assyrern in die Hände. Da die sich vorläufig damit zufrieden gaben und abzogen, nahm die Stadtbevölkerung das zum Anlass eines vordergründigen Freudenfestes. Gottes Warnungen aber bedachten sie nicht. Sie dankten ihm auch nicht dafür, dass er sie für den Augenblick vor dem Schlimmsten bewahrt hatte. Sie waren einfach froh, kurzfristig noch mal davon gekommen zu sein. Das Volk und die Regierenden hatten nur ihre kurzsichtigen Interessen-Kungeleien im Blick.

Da meldet sich wieder Gott durch den Propheten; ihn lässt das weiterhin drohende Schicksal des Volkes ja nicht kalt. Jesaja ruft aus:

So spricht der HERR
zu Schebna, dem Palastvorsteher:
Ich werde dich von deinem Posten stoßen
und dich aus deiner Stellung reißen.
An jenem Tag werde ich
meinen Knecht Eljakim, den Sohn Hilkijas, berufen.
Ich werde ihn mit deinem Gewand bekleiden
und ihm deine Sch
ärpe fest umbinden.
Deine Herrschaft gebe ich in seine Hand
und er wird zum Vater
f
ür die Einwohner Jerusalems
und f
ür das Haus Juda.
Ich werde ihm den Schlüssel des Hauses David
auf die Schulter legen.
Er wird öffnen
und niemand ist da, der schließt;
er wird schließen
und niemand ist da, der öffnet. …
(Jesaja 22,19-23)

Schebna wird abgesetzt, wird durch Eljakim abgelöst. Weil seine Politik nur den Mächtigen und Reichen gedient, er sich aber nicht um das Volk gekümmert hat.

Es ist die gleiche Botschaft, wie sie etwas später Ezechiel verkünden wird – im damals für König und Volk üblichen Bild vom Hirt und der Herde:

Spruch GOTTes, des Herrn:
… Weil meine Schafe zum Raub wurden –
denn meine Hirten haben sich nur selbst geweidet …,
darum … gehe ich gegen die Hirten vor …
Ich werde mich um meine Schafe kümmern
und ich werde sie retten …
Das Verlorene werde ich suchen,
das Vertriebene zur
ückbringen,
das Verletzte verbinden,
das Kranke kr
äftigen. …
Ich werde
über sie
einen einzigen Hirten einsetzen,
der sie weiden wird,
meinen Knecht David. …
(Ezechiel 34,7-23)

Auch hier: Die Führenden werden abgesetzt, werden ersetzt durch einen, der hier David genannt wird; damit kann nur einer der Nachfahren von König David gemeint sein, denn er selber war schon vor Jahrhunderten gestorben.

Schon in der Zeit der Entstehung des Neuen Testaments haben die ersten Christen in Jesus den gesehen, in dem Gott dieses alte, immer wieder enttäuschte Versprechen jetzt endgültig einlöst.

So greift der Seher Johannes in seinem Buch der Offenbarung diese alte Vorstellung auf im Wort des Auferstandenen an den sogenannten „Engel“ der Gemeinde in Philadelphia:

So spricht der Heilige, der Wahrhaftige,
der den Schlüssel Davids hat,
der öffnet und niemand wird schließen,
der schließt und niemand wird öffnen:
… siehe, ich habe vor dir eine Tür geöffnet,
die niemand mehr schließen kann.

Und anerkennend sagt er ihm, warum: Er habe sehr wohl gesehen, wie standhaft er in der Führung der Gemeinde sich mit seiner – wenn auch nur geringen – Kraft zu Christus bekannt und sich seinen Feinden entgegenstellt hat. Die wolle er nun – wie es weiter heißt –

… dazu bringen, dass sie kommen
und sich dir zu Füßen werfen
und erkennen,
dass ich dir
meine Liebe zugewandt habe.
(Offenbarung 3,7-9)

Auch das Evangelium dieses Sonntags greift das Thema auf und nimmt Bezug auf Jesus:

Als Jesus
in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam,
fragte er seine Jünger …:
Für wen halten die Menschen den Menschensohn?
Sie sagten:
Die einen für Johannes den Täufer,
andere für Elija,
wieder andere für Jeremia
oder sonst einen Propheten.
Da sagte er zu ihnen: Und ihr,
für wen haltet ihr mich?
Simon Petrus antwortete:
Du bist der Christus,
der Sohn des lebendigen Gottes!
Jesus antwortete und sagte zu ihm:
Selig bist du, Simon Barjona;
nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart,
sondern mein Vater im Himmel.
Und ich sage dir:
Du bist Petrus.
Und auf diesen Felsen
werde ich meine Kirche bauen
und die Pforten der Unterwelt
werden sie nicht überwältigen.
Ich werde dir
die Schlüssel des Himmelreichs geben;
was du auf Erden binden wirst,
das wird im Himmel gebunden sein,
und was du auf Erden lösen wirst,
das wird im Himmel gelöst sein. …
(Matthäus 16,13-20)

Jesus selber ist der Schlüssel, mit dem Gott die Tür zur Erfahrung seiner Menschenliebe öffnet und alles Unmenschliche ausschließt. Er ist für die Menschen da, um sie zu retten, um Sorge dafür zu tragen, dass es ihnen gut geht. Und wer sich zu ihm bekennt, darf mitbauen an einer Gesellschaft, in der Gottes rettende Liebe die herrschende Kraft ist.

In heutiger Sprache heißt das so viel wie: Nach Gottes Willen muss, wer das Gemeinwesen führt, die Werte eines demokratischen und sozialen Rechtsstaates umsetzen.

In einer Predigt zum Fest der Apostel Petrus und Paulus sagte der alte, große Kirchenlehrer Augustinus zu seinem Verständnis dieses Evangeliums-Abschnitts:

… Nachdem Petrus selbst bekannt hatte:
Du bist der Messias,
der Sohn des lebendigen Gottes,
antwortete ihm Christus:
Ich aber sage dir: Du bist Petrus,
und auf diesen Felsen
werde ich meine Kirche bauen. …
Darauf nämlich, dass du bekannt hast:
Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes,
darauf werde ich meine Kirche bauen. …
(aus Augustinus (+ 430), Aus einer Predigt zum Fest der heiligen Petrus und Paulus; aus: Lektionar II/5 zum Stundenbuch, Zweite Lesung der Lesehore am Fest der Apostel Petrus und Paulus (29. Juni))

Es geht hier also nicht um Petrus, sondern um Jesus: Wer bin ich für euer Verständnis? Was bedeute ich euch, meinen Jüngern, euch Christen? Traut ihr mir wirklich zu, dass ich mit euch Gottes barmherzig rettende Herrschaft aufbaue?

Wenn Kirche die Gemeinschaft sein will, die ihn als den Herrn der Welt erkannt hat, dann ist das Bekenntnis zu Gottes Herrschaft in seiner Person die unverrückbare, felsenfeste Grundlage und der Schlüssel zum Gelingen. Christus als den göttlichen Retter erkennen – das ist das Schlüsselerlebnis, mit dem sich die Tür öffnet zum Reich Gottes! Das ist der „Führerschein“, beste Legitimation für eine Führungsaufgabe im Gemeinwesen – in Kirche sowieso, aber auch im Staat beste Vertrauensgrundlage.

Und diese Einsicht ist nicht Menschenwerk, sagt Jesus, sondern stammt aus Gott! Dem Petrus und allen, die dieses Bekenntnis mit ihm teilen, kann Jesus dazu nur gratulieren. Denn sie lassen sich von ihm zeigen, worauf es jetzt ankommt, wenn sein Reich wirklich kommen und sein Wille wirklich geschehen soll, damit die Welt von allem „Bösen“ erlöst wird.

Also: Welchen Personen oder welchen Parteien kann man am ehesten zutrauen, dass sie den Schlüssel nutzen, der kompatibel ist mit dem Türschloss zu einer menschlichen Politik? Wo liegen da die größten und gewichtigsten Schnittmengen zwischen ihnen und Gottes Geist in Jesus Christus?

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