Blogbeitrag

Foto privat (2016 Camiguin Philippinen)

Unser Gott ist für alle da!

13. August 2026

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 16. August 2026, dem 20. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Gruppen-Egoismen haben Hochkonjunktur.

Wenn einer der ärmsten Staaten der Welt endlich ein Wirtschaftswachstum erreicht, das vielleicht doppelt so hoch ist wie das aktuelle von Deutschland, dann bekommen viele bei uns Depressionen. Und wenn ein Land mit vielen Stärken in einem angeblich sportlichen Wettbewerb wie der FIFA-Weltmeisterschaft schon vorzeitig ausscheidet, dann bricht für viele mit ihrer Welt ihr eigenes Selbstbewusstsein zusammen und sie rufen nach einem millionenschweren Bauernopfer, um irgendeinen Götzen zu besänftigen.

Gehört denn das „Jammern auf hohem Niveau“ zu unserer DNA?

Kein Wunder, wenn dieser Stress, immer die Besten sein zu müssen, den Krankenstand in die Höhe treibt. Es ist halt anstrengend, gegen die Wirklichkeit und gegen ihre menschliche Logik zu leben.

Und wenn in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte Menschen sich eine solche Haltung dann verständlicher Weise zum Vorbild nehmen, braucht man sich nicht zu wundern, wenn Menschenverachtung und Gewalt zunehmend salonfähig werden und wenn Konkurrenzdruck aller Art bis hin zur krankhaften „Selbstoptimierung“ in immer mehr Gruppen von Menschen die Herrschaft übernehmen.

Das müsste nicht so sein! Wir Menschen haben die Fähigkeit, uns auf Veränderungen in der Wirklichkeit nutzbringend einzustellen. Indem wir an unseren Gewohnheiten und Prioritäten nicht panisch erstarrt festhalten, sondern sie flexibel zu unserer veränderten Umgebung in Beziehung setzen. Und wir verfügen über ausreichend Erfahrungen und Einsichten, um „das Beste daraus zu machen“, wie wir das dann oft nennen. Wir brauchen nur uns bewusst zu machen, was wesentlich zum „Leben“ gehört, nach dem wir und alle anderen Menschen auch uns sehnen.

Wenn ich die Bibeltexte dieses Sonntags auf mich einwirken lasse, merke ich, dass dieses Thema ihr gemeinsamer Fokus ist, auf den hin ihr Geist uns ansprechen will. Lautstark ruft der die alte Orientierung in neuer Form, „re-form-iert“, in die Herzen der Menschen:

Mein Haus
wird ein Haus des Gebetes
f
ür alle Völker
genannt werden!

(Jesaja 56,7)

So hören sie in der Zeit des Umbruchs, nachdem sie aus allen Himmelsrichtungen, in die sie deportiert waren, nun wieder heimkommen in ihr Land und in die Stadt Jerusalem.

Die vielen Jahre in der Fremde waren an ihnen nicht spurlos vorübergegangen und sie hatten so manche Gewohnheiten und auch manche Menschen mitgebracht aus den fremden Ländern.  Eine allgemeine gegenseitige Verdächtigung machte jede Abgrenzung unklar, wer nun zum Volk dazugehörte und wer nicht, wer den Tempel betreten darf und wer nicht.

Da hören sie, ihnen soll jetzt Anderes wichtiger sein:

… die Fremden, die sich dem HERRN anschließen,
um ihm zu dienen
und den Namen des HERRN zu lieben,
um seine Knechte zu sein,
alle, die den Sabbat halten
und ihn nicht entweihen
und die an meinem Bund festhalten,
sie werde ich zu meinem heiligen Berg bringen
und sie erfreuen in meinem Haus des Gebets.
Ihre Brandopfer und Schlachtopfer
werden Gefallen auf meinem Altar finden,
denn mein Haus
wird ein Haus des Gebetes für alle Völker
genannt werden.

Wer die Werte teilt, auf deren Grundlage ihr Gemeinwesen verfasst ist, darf bei ihnen auf Recht und Gerechtigkeit hoffen.

Darum geht es jetzt; so hatte die Überschrift gelautet:

So spricht der HERR:
Wahrt das Recht und übt Gerechtigkeit,
denn bald kommt mein Heil
und meine Gerechtigkeit
wird sich bald offenbaren!
(Jesaja 56,1.6-7)

In einer anderen Zeit des Umbruchs ähnlicher Art nimmt der Apostel Paulus Stellung zu dem Konflikt zwischen dem jüdischen Volk, dessen Glied auch er sich weiß, und der neuen, aus den Juden entstandenen Gemeinschaft der Christus-Gläubigen, in der sehr schnell die Nicht-Juden, die sogenannten „Heiden“ in der Mehrheit waren.

Bei allen Unterschieden, die ihm durchaus ein Problem sind, ringt Paulus um den Respekt gegenüber den jüdischen Geschwistern, da doch Gott selber mit seinem Erbarmen weiterhin zu ihnen steht. An die Christen-Gemeinde in Rom schreibt er drei Kapitel lang darüber. Daraus ist an diesem Sonntag das Wort zu hören:

… Gerade als Apostel der Heiden
preise ich meinen Dienst,
weil ich hoffe,
die Angeh
örigen meines Volkes
eifers
üchtig zu machen …
Denn unwiderruflich
sind die Gnadengaben
und die Berufung Gottes. …
Gott hat alle
in den Ungehorsam eingeschlossen,
um sich aller zu erbarmen.
(Römer 11,13-15.29-32)

Und schließlich Jesus selbst: Mitten in dem Konflikt, in dem die beteiligten Gruppen ihr Süppchen nur für ihre eigenen Leute reservieren wollen, dokumentiert er die anstehende Veränderung. Das Evangelium dieses Sonntags erzählt:

Jesus … zog sich
in das Gebiet von Tyrus und Sidon zurück.
… eine kanaan
äische Frau
aus jener Gegend
kam zu ihm und rief:
Hab Erbarmen mit mir,
Herr, du Sohn Davids!
Meine Tochter
wird von einem D
ämon gequält.
Jesus aber gab ihr keine Antwort.
Da traten seine Jünger zu ihm und baten:
Schick sie fort,
denn sie schreit hinter uns her!

Die alte Einheitsübersetzung von 1980 hatte übersetzt: „Befreie sie von ihrer Sorge!“

Er antwortete:
Ich bin nur
zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.
Doch sie kam,
fiel vor ihm nieder
und sagte: Herr, hilf mir!
Er erwiderte:
Es ist nicht recht,
das Brot den Kindern wegzunehmen
und den kleinen Hunden vorzuwerfen.
Da entgegnete sie: Ja, Herr!
Aber selbst die kleinen Hunde
essen von den Brotkrumen,
die vom Tisch ihrer Herren fallen.
Darauf antwortete ihr Jesus:
Frau,
dein Glaube ist groß.
Es soll dir geschehen,
wie du willst.
Und von dieser Stunde an
war ihre Tochter geheilt.
(Matthäus 15,21-28)

Im Gebiet von Tyrus und Sidon. Im heidnischen Ausland. Aber auch diese Frau traut ihm die Kraft von Israels Gott zu! Sie lässt nicht locker. Fremd oder zugehörig? Das zählt für sie nicht. Sie überzeugt Jesus. „Dein Glaube ist groß!“

Maßgeblich ist das Zutrauen zu ihm. Die von ihm geschaffenen Menschen lässt Gott nicht im Stich! Keimzelle guter Zukunft für alle Welt! Das soll sich auf alle Menschen hin ausbreiten! „Mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt werden.“ Die eine Menschheit wird zusammenkommen. Gruppen-Egoismen aller Art – ade!

Mit großer Freude sehe ich es immer wieder, wenn in Notsituationen oder Katastrophenfällen viele Menschen ohne Zögern auf Ruhe und Wohlergehen und Bequemlichkeiten und Vorteile verzichten, um Mitmenschen in Not beizuspringen oder gar – wie der junge muslimische Türke Alptug Sözen – das eigene Leben drangibt, um den betrunkenen Obdachlosen vor der einfahrenden S-Bahn zu retten (am 13.11.2018 in der Frankfurter S-Bahn-Station Ostendstraße).

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