Fest statt Frust

Sonntagsbotschaft zum 11. Oktober 2026,
dem 28. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Haben Sie es schon mal mit der Bibel probiert, haben darin gelesen oder sie nach etwas gefragt, was Sie wirklich beschäftigt? Aus verschiedensten Gründen tun sich Menschen schwer mit der Bibel. Viele meinen, das Alte Testament sei so gewalttätig, aber das Neue Testament gehe auch an den Realitäten von heute vorbei, … Viele sehen immer noch in dem Gott der Bibel so etwas wie einen strengen Vorschriftenmacher.

Von ganz anders schwieriger Art sind die Bibeltexte, die für diesen Sonntag vorgesehen sind: „Alles wird gut“! Wie kann man denn heutzutage mit einer derart positiven Perspektive an die gegebenen Realitäten rangehen:

Versuchen wir es trotzdem? Der Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium bezieht sich auf eine Situation, die damals ebenso wenig wie heute Anlass zum Optimismus gab – in der persönlichen Lage von Jesus und seinen Freunden ebenso wenig wie in der allgemeinen Lebenslage der Menschen im damaligen Palästina. Auch damals war ja durch Druck und Stress aller Art vielen ihre Lebensqualität schwer belastet. Darauf richtet Jesus die Aufmerksamkeit der Menschen. Und dem stellt er in Wort und Tat die wunderbare Zuwendung entgegen, mit der Gott aus dem Elend herausführt und alles zum Guten wendet.

Damit gerät er immer wieder in Konfrontation zu den religiös Führenden, die ihre spirituelle Macht über die Menschen missbrauchen. Und jetzt – am Ende in Jerusalem – spitzt sich das alles zu.

Mit der Widerstandskraft seiner Menschenliebe begeistert er andere dafür, Gottes Vision von einem erfüllten Leben der Menschen aufzugreifen, zu genießen, zu nutzen und überallhin auszubreiten. Lebensqualität für alle!

An Hand von immer wieder wechselnden Bildern aus dem Lebenshorizont der angesprochenen Menschen bemüht sich Jesus in seinen Gleichnissen, ihnen dieses ganz andere Bild vom Reich Gottes zu vermitteln. Gottes Königsherrschaft malt er ihnen als Freudenfest, als Hochzeit oder als Festmahl.

Dem alten Bild von Gott, mit dem die Mächtigen die Menschen so einfach in Schach halten konnten, entzog er so die einschüchternde Wirkung. Da seine Gegner aber dadurch ihre Felle davonschwimmen sahen, unternahmen sie natürlich alles, um ihn auszuschalten.

Diesen Konflikt hatte alles Reden und Handeln von Jesus zum Thema, mit dem er in seinen letzten Tagen in Jerusalem bei allen Beteiligten um ihre Umkehr warb.

Und mitten in diesen sehr konfliktbezogenen Erzählungen und Gleichnissen taucht plötzlich das Gemälde eines Freudenfestes auf. Jesus führt damit seinen Kontrahenten vor Augen, worum es ihm in allem eigentlich geht:

Jesus erzählte den Hohepriestern
und den Ältesten des Volkes
das folgende Gleichnis:
Mit dem Himmelreich ist es
wie mit einem König,
der seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
Er schickte seine Diener,
um die eingeladenen Gäste
zur Hochzeit rufen zu lassen.
Sie aber wollten nicht kommen.
Da schickte er noch einmal Diener
und trug ihnen auf:
Sagt den Eingeladenen:
Siehe, mein Mahl ist fertig,
meine Ochsen und das Mastvieh
sind geschlachtet,
alles ist bereit.
Kommt zur Hochzeit!
Sie aber kümmerten sich nicht darum,
sondern der eine ging auf seinen Acker,
der andere in seinen Laden,
wieder andere
fielen über seine Diener her,
misshandelten sie
und brachten sie um. …
Da sagte der König zu seinen Dienern:
Das Hochzeitsmahl ist vorbereitet,
aber die Gäste waren nicht würdig.
Geht also an die Kreuzungen der Straßen
und ladet alle, die ihr trefft, zur Hochzeit ein!
Die Diener gingen auf die Straßen hinaus
und holten alle zusammen, die sie trafen,
Böse und Gute,
und der Festsaal füllte sich mit Gästen.
(Matthäus 22,1-10 / Langfassung -14)

So ist es mit dem „Himmelreich“; wenn Gott die bestimmende Kraft bei den Menschen ist: Ein üppiges Fest soll werden!

Allerdings haben die Eingeladenen Vorbehalte. Sie haben Wichtigeres zu tun: Der Acker muss doch bewirtschaftet werden! Der Laden muss doch laufen! Und außerdem: Anscheinend gibt es da bei den Eingeladenen eine grundsätzliche Ablehnung. Wahrscheinlich sehen sie in den einladenden Boten nur die Versuchung zum Faulenzen und, statt zu arbeiten, die Zeit mit einem solchen üppigen Fest zu verschwenden: Wohlergehen muss schließlich erst mal erarbeitet werden! Geschenkt gibt‘s das Leben nicht! Der Markt ist kein Festplatz für Halligalli!

Aber Jesus sagt mit dem Gleichnis: Das, worauf Gott hinaus will, wenn er der Bestimmende sein kann, das kann man nur mit einem solchen Fest vergleichen, zu dem alle eingeladen sind. Und glücklich, wer sich damit beschenken lässt und nicht meint, die Einladung sich verdienen zu müssen!

Anscheinend hat die Kirche eigentlich gut verstanden! In der Vorstellung, die Kontrahenten von Jesus müssten wohl merken, worauf er mit seinem Gleichnis anspielt, ordnet sie ja ihm als Evangelium des Sonntags als erste Schriftlesung einen Abschnitt aus dem Propheten Jesaja zu, der den Hohepriestern und Ältesten des Volkes gut bekannt ist und in dem schon immer Gottes Vision für die Menschen ein üppiges Festmahl der Befreiung war – sogar für alle Völker und gegen alle Tode. Da heißt es:

Der HERR der Heerscharen
wird auf diesem Berg
für alle Völker ein Festmahl geben
mit den feinsten Speisen,
ein Gelage mit erlesenen Weinen,
mit den feinsten, fetten Speisen,
mit erlesenen, reinen Weinen. …
An jenem Tag wird man sagen:
Siehe, das ist unser Gott,
auf ihn haben wir gehofft,
dass er uns rettet. …
(Jesaja 25,6-10a)

Und der Gemeinde, die diese Botschaft hört, wird als verstehende Antwort der beliebte Psalm in den Mund gelegt:

… Der HERR ist mein Hirt,
nichts wird mir fehlen. …
Du deckst mir den Tisch
vor den Augen meiner Feinde.
Du hast mein Haupt mit Öl gesalbt,
übervoll ist mein Becher. …
(Psalm 23, 1-6)

Und als Vers zum Halleluja vor dem Evangelium bekommt die Gemeinde Mut gemacht, das Gleichnis vom Festmahl wirklich als froh machende Botschaft zu hören – mit dem Ruf

Der Vater unseres Herrn Jesus Christus
erleuchte die Augen unseres Herzens,
damit wir verstehen,
zu
welcher Hoffnung wir berufen sind.
(Epheser 1,17-18)

Unser Leben sei ein Fest,
Jesu Geist in unserer Mitte,
Jesu Werk in unseren Händen,
Jesu Geist in unseren Werken.
Unser Leben sei ein Fest
an diesem Morgen und jeden Tag.

Text: Alois Albrecht (1972), Melodie: Peter Janssens (1972), Chorsatz: Rainer Petrak, Gesang: St. Andreas-Gemeinde Wiesbaden (1974)

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Unter dem Titel „Spaß am Reich Gottes“ habe ich vor 3 Jahren weitere Aspekte dieser Sonntagsbotschaft dargelegt: https://rainer-petrak.de/spass-am-reich-gottes/

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