SONNTAGSBOTSCHAFT zum 2. August 2026, dem 18. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).
Haben Sie schon mal eine Durststrecke hinter sich gebracht? Wie war das für Sie? Was hat Sie zum Durchhalten ermutigt?
Sehen Sie sich vielleicht aktuell auf einer Durststrecke? Und nicht nur Sie persönlich – sehen Sie wichtige Teile Ihrer Welt auf einer Durststrecke? Und wie steht es da mit dem Durchhaltevermögen? Und gibt es ein Ende der Durststrecke?
In meinem Umfeld sehe ich derlei Vielfältiges: prekäre Krankheit, familiäre Spannungen, missbrauchtes Vertrauen, demütigende Zwänge, den Bedarf öffentlicher Hilfe belegen zu müssen …
Und – eine Dimension größer: gefährdete Demokratie und verdunstende Menschlichkeit, vom Dämon des schnellen Profits ignorierte Klima-Krise, Krieg und Gewaltkriminalität aller Art … Trotz kluger Einsichten große Hilflosigkeit bei ihrem Umsetzen … Durchhaltevermögen auf dem Prüfstand …
Oder – mehr als nur Durchhalten – lässt sich das alles gar überwinden? Und Gott – wo bleibt er dabei?
Ähnlich wie den Menschen in der deutschen Nazi-Diktatur, die als Christen auf ein Ende des Elends hofften – manche sogar aktiv – , muss es auch schon damals den nach Babylon deportierten Juden gegangen sein, wenn ihnen der Prophet geradezu penetrant und nachdrücklich Hoffnung machte auf ein Ende ihrer Durststrecke. Der zweite Teil des Jesaja-Buchs, „Deutero-Jesaja“, überliefert eine ganze Sammlung von Gottes Worten, die ihnen die Befreiung und die Rückkehr in ihre Heimat in Aussicht stellte. Und wie seinerzeit Mose zum Auszug aus der Sklaverei in Ägypten aufrief, so münden seine Prophetenworte in den Ruf an alle auf der damaligen und auf allen zukünftigen Durststrecken – das Wort, das heute sich an uns richtet:
Auf, alle Durstigen,
kommt zum Wasser!
Die ihr kein Geld habt, kommt,
kauft Getreide und esst,
kommt und kauft ohne Geld
und ohne Bezahlung Wein und Milch!
Warum bezahlt ihr mit Geld,
was euch nicht nährt,
und mit dem Lohn eurer Mühen,
was euch nicht satt macht?
Wie! – Der Prophet hält ihnen in Gottes Namen vor, dass sie viel Geld und Mühe aufwänden, sich abstrampeln für Dinge, die ihnen gar nichts nützen? Gab es das denn damals auch schon, dass geschicktes Marketing oder politische Stimmen Menschen erfolgreich einredeten, sie bräuchten unbedingt dies oder das – obwohl das nur Müll produziert und verharmlosend sogenannte „Kollateralschäden“ verursacht, – allerdings einigen wenigen mehr Profit einbringt?
Der Prophet wirbt um ihr Vertrauen auf Gott, der sie von all dem befreien will und der sie so führt, dass sie in Frieden und Gerechtigkeit aufatmen können!
Hört auf mich,
dann bekommt ihr das Beste zu essen
und könnt euch laben an fetten Speisen!
Neigt euer Ohr
und kommt zu mir,
hört und ihr werdet aufleben! …
(Jesaja 55,1-3)
Das klingt wie eine zuverlässige Einladung zum Leben an Menschen, die sich in eine Sackgasse verrannt und dort unter Quälereien so ziemlich auf Dauer eingerichtet haben.
„Das ist halt so“, sagen sie, „das muss man eben hinnehmen, da kann man nix machen …“ und stehen frustriert im Stau mit eingeschalteter Klimaanlage, die die vom heißen Blech aufgeheizte Umgebung noch mehr aufheizt … „Schließlich verdanken wir der Auto-Industrie unsere Arbeitsplätze und den entsprechenden Lohn, mit dem wir uns diesen Urlaub leisten können …“
Damals in Babylon begnügten sie sich anscheinend auch schon mit einem Leben auf Sparflamme und unter permanentem Druck.
Die Einladung in die Freiheit, mit der Gott sie durch den Propheten lockte, schlugen sie doch lieber aus – als Realisten die sie waren: Wer weiß, was wir uns damit einbrocken, wenn wir die Möglichkeiten, die wir hier ja schließlich haben, auch noch drangeben: Unsicherheiten aller Art und neue Gefahren, bedrängende Belastungen, drohende Nöte und Konflikte …
Jahrhunderte später schrieb der Apostel Paulus an die Christen in Rom ähnliche Gedanken wie der Prophet im Deuterojesaja: Sie sahen sich ja auch vor der Entscheidung: entweder angepasst leben an die üblichen Unmenschlichkeiten und entsprechenden Leiden dieser Zeit oder aufbrechen in die erfüllende Lebensweise, zu der Christus mit seiner Liebe befreit. Sie und die Bedrängten aller Zeiten fragt Paulus, was ihnen denn so viel Angst macht, dass es sie am Aufbrechen hindern kann:
Was kann uns scheiden
von der Liebe Christi?
Bedrängnis oder Not oder Verfolgung,
Hunger oder Kälte,
Gefahr oder Schwert?
In alldem
tragen wir doch einen glänzenden Sieg davon
durch den, der uns geliebt hat.
Ja, ich bin gewiss:
Weder Tod noch Leben,
weder Engel noch Mächte,
weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges
noch Gewalten,
weder Höhe oder Tiefe
noch irgendeine andere Kreatur
können uns scheiden von der Liebe Gottes,
die in Christus Jesus ist,
unserem Herrn.
(Römer 8,35.37-39)
Man spürt die energiegeladene Gewissheit, die ihn erfüllt!
Und wie verhält sich Jesus selber in solchen Problemsituationen?
Da hatte es so gut angefangen mit der Kampagne von der neu beginnenden Herrschaft Gottes, dem „Himmelreich“: Auf der vielgesichtigen Durststrecke des Volkes hatte der Täufer Johannes viele Menschen auf die Beine bringen können. Auch Jesus hatte sich von ihm taufen lassen und mit seinem Reden und Tun viele Menschen interessiert. Aber da hört er, dass Johannes von den Mächtigen hingerichtet worden ist. Was für ein Rückschlag! Was tut er jetzt?
Als Jesus hörte,
dass Johannes enthauptet worden war,
zog er sich allein
von dort mit dem Boot
in eine einsame Gegend zurück.
Aber die Volksscharen hörten davon
und folgten ihm zu Fuß
aus den Städten nach.
Als er ausstieg,
sah er die vielen Menschen
und hatte Mitleid mit ihnen
und heilte ihre Kranken.
Als es Abend wurde,
kamen die Jünger zu ihm und sagten:
Der Ort ist abgelegen
und es ist schon spät geworden.
Schick die Leute weg,
damit sie in die Dörfer gehen
und sich etwas zu essen kaufen!
Jesus aber antwortete:
Sie brauchen nicht wegzugehen.
Gebt ihr ihnen zu essen!
Sie sagten zu ihm:
Wir haben nur fünf Brote und zwei Fische hier.
Er antwortete: Bringt sie mir her!
Dann ordnete er an,
die Leute sollten sich ins Gras setzen.
Und er nahm die fünf Brote und die zwei Fische,
blickte zum Himmel auf,
sprach den Lobpreis,
brach die Brote
und gab sie den Jüngern;
die Jünger aber gaben sie den Leuten
und alle aßen und wurden satt.
Und sie sammelten die übrig gebliebenen Brotstücke ein,
zwölf Körbe voll.
Es waren etwa fünftausend Männer, die gegessen hatten,
dazu noch Frauen und Kinder.
(Matthäus 14,13-21)
„Verteilt, was da ist!“, sagt er zu ihnen. Und sie fangen an. Wie aus dem Nichts zeigt es sich: Das Vorhandene reicht für alle. Jetzt merken sie es. Weil sie seinem Wort trauen und sich von seinem Mitleid anstecken lassen. Hunger und Durst sind Vergangenheit. Krankes wird heil.
