Endlich bin ich heute gestolpert – beim betenden Morgenlob! Aus irgendwelchen Gründen kam mir der Bibeltext, der für alle 4 Wochen freitags als „Laudes“-Lesung zu meinem Morgenprogramm gehört, in einen echten, mir bewussten Lebenszusammenhang:
Da „ermahnt“ Paulus oder der paulinische Autor des Briefes an die Christen-Gemeinde in Ephesus gegen Ende des Briefes die „neuen Menschen, die Christus angezogen haben“ „zum Miteinander im Geist Christi“ (so die Überschrift in der deutschen Einheitsübersetzung von 2016) mit dem Wort:
Seid gütig zueinander, seid barmherzig,
vergebt einander, wie auch Gott euch in Christus vergeben hat.
(Epheser 4,32)
Da freue ich mich doch, selbst in der Bibel die Logik bestätigt zu sehen, mit der ich schon lange die entsprechende Vaterunser-Bitte verstehe und beim Beten selber meine. Es ist die Logik, die Jesus selbst im Gleichnis vom „unbarmherzigen Knecht“ (vom „Schalksknecht“) meint:
… Du elender Knecht!
Deine ganze Schuld habe ich dir erlassen, …
Hättest nicht auch du
mit deinem Mitknecht Erbarmen haben müssen,
so wie ich mit dir Erbarmen hatte?
(Matthäus 18,32-33)
Nach verbreiteter Logik in der kirchlichen Tradition sei ja angeblich die Vaterunser-Bitte zu verstehen im Sinne von
„vergib uns unsere Schuld, da doch“ –
oder gar: „in dem Maß wie“ –
auch wir vergeben unseren Schuldigern!
Eigentlich entsetzlich! Denn dann dürfte Gott uns doch nur sehr selten oder sehr formell und sehr sparsam vergeben!
Nach Epheser 4 und Matthäus 18 aber – so bin ich überzeugt – ist die Bitte zu verstehen in diesem Sinne von
vergib uns unsere Schuld
„und dass“ auch wir vergeben unseren Schuldigern!
Ja, das wäre eine gute Lösung für viele unserer heutigen Probleme!