Blogbeitrag

Foto privat Schatzkiste (2014)

Ungeahnter Schatz

23. Juli 2026

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 26. Juli 2026, dem 17. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Wofür würden Sie alles geben – in diesem Moment – oder überhaupt?

„Für ein kühles Bier!“, hätte so mancher gesagt – in der vergangenen Hitzewelle.

Oder: „Wenn ich noch einmal die Chance bekommen könnte, meiner verstorbenen Frau die vernachlässigte Liebe besser zu zeigen.“

Märchen sprechen von einer einmaligen Chance, einen Wunsch sagen zu dürfen, den man dann erfüllt bekommt.

Da muss ich mich entscheiden für den einen Wunsch, hinter dessen Erfüllung ich alle anderen zurückstelle.

Die Bibel erzählt vom König Salomo – von vor 3000 Jahren – , dass er diese Chance bekam. Im Traum bietet Gott sie ihm an:

Der HERR erschien dem Salomo
nachts im Traum
und forderte ihn auf:
Sprich eine Bitte aus,
die ich dir gewähren soll!
Und Salomo sprach:
HERR, mein Gott,
du hast deinen Knecht
anstelle meines Vaters David
zum K
önig gemacht.
Doch ich bin noch sehr jung
und wei
ß nicht aus noch ein.
Dein Knecht steht aber
mitten in deinem Volk,
das du erw
ählt hast:
einem gro
ßen Volk,
das man wegen seiner Menge
nicht z
ählen und nicht schätzen kann.
Verleih daher deinem Knecht
ein hörendes Herz,
damit er dein Volk zu regieren
und das Gute vom Bösen
zu unterscheiden versteht!
Wer könnte sonst
dieses mächtige Volk regieren?

Salomo steht zu seiner Begrenztheit, bittet um ein hörendes Herz. Er möchte seiner Verantwortung gerecht werden können. Um diesen Wunsch erfüllt zu bekommen, verzichtet er auf alle anderen Bitten.

Ich habe mich gefragt, was ich zu meinen verbleibenden Lebzeiten noch so unbedingt besitzen oder erleben möchte, dass ich dafür alles Andere zurückstellen oder gar hergeben würde.

Da wollte mir zuerst gar nichts einfallen, was mir derart wichtig sein könnte. Als ich allerdings an Wünsche dachte, die ich für andere Menschen habe, für Frieden in den von Kriegen geplagten Völkern, für Gerechtigkeit in der Verteilung wirtschaftlicher Ressourcen, für Offenheit gegenüber Menschen, die keinen Fuß in einen ihrer Würde zukommenden Lebensraum setzen dürfen … – da fing ich an zu vergleichen, was darunter mir wohl am wichtigsten sein könnte. Da merkte ich, dass es vielleicht so etwas für mich geben könnte, wofür ich mehr oder weniger alles drangäbe.

Und was heißt dabei „alles“? Wäre ich denn bereit, dafür auch meine Wohnung dranzugeben oder meine Gesundheit? Da merkte ich: Ich muss da etwas vorsichtiger sein in meiner Selbsteinschätzung.

Aber im Evangelium spricht Jesus davon, dass es tatsächlich etwas gibt, wofür der Mensch, wenn er es entdeckt, alles hergibt! Etwas das so verlockend ist, dass Menschen wie Du und Ich alles Andere dafür herzugeben bereit wären:

Mit dem Himmelreich ist es
wie mit einem Schatz,
der in einem Acker vergraben war.
Ein Mann entdeckte ihn
und grub ihn wieder ein.
In seiner Freude ging er hin,
verkaufte alles, was er besaß,
und kaufte den Acker.

Auch ist es mit dem Himmelreich
wie mit einem Kaufmann,
der sch
öne Perlen suchte.
Als er eine besonders wertvolle Perle fand,
ging er hin,
verkaufte alles, was er besa
ß,
und kaufte sie.
(Matthäus 13,44-46)

Was für ein Schatz muss das sein!

Das „Himmelreich“, in den anderen Evangelien „Gottes Reich“ genannt – sein Einflussbereich: wenn er die herrschende Kraft sein kann – in allen Bereichen des Lebens.

Der eine entdeckt es unverhofft und überraschend, der andere sucht und findet – Wertvolleres, als er es sich jemals hätte vorstellen können. Wer das entdeckt, will nicht mehr Anderes mehr als das erleben! Da veräußert jemand alles, was ihm gehört, gibt alles dafür dran, investiert alle seine Möglichkeiten, um sich nur noch ganz und gar dem zu widmen, es zu genießen und darin mitzuspielen, sich daran zu beteiligen, zu seiner Ausbreitung beizutragen. Was für ein Schatz! Wer den entdeckt, sucht nichts Anderes mehr, auch wenn er immer gemeint hat, es zu brauchen.

Genau das sagt Jesus ja auch in der Bergpredigt:

… Euer himmlischer Vater weiß,
dass ihr das alles braucht.
Sucht aber zuerst sein Reich
und seine Gerechtigkeit;
dann wird euch alles andere dazugegeben.
(Matthäus 6,32-33)

Eine Ahnung davon hatte anscheinend auch schon der junge König Salomo. Das ist wohl der Inbegriff der ihm so legendär zugeschriebenen „Weisheit“.

Es gefiel dem Herrn,
dass Salomo diese Bitte aussprach.
Daher antwortete ihm Gott:
Weil du gerade diese Bitte ausgesprochen hast
und nicht um langes Leben,
Reichtum oder um den Tod deiner Feinde,
sondern um Einsicht gebeten hast,
um auf das Recht zu h
ören,
werde ich deine Bitte erf
üllen.
Sieh, ich gebe dir
ein so weises und verst
ändiges Herz,
dass keiner vor dir war
und keiner nach dir kommen wird,
der dir gleicht.
(1. Könige 3,5.7-12)

Diese Sehnsucht nach dem Reich Gottes legt Jesus den Suchenden, als sie ihn danach fragen, ins Herz mit den Worten:

… dein Reich komme,
dein Wille geschehe …
(Matthäus 6,10)

 

Gestatten Sie mir noch ein Nachwort:

Ich habe mich gerade gefragt, warum ich jetzt hier nicht konkreter beschreiben will, wie das denn aussehen kann – im Leben des Einzelnen oder auch in der großen Politik. Da wurde mir schnell klar: Ich bin nicht der, der Bescheid weiß. Aber ich möchte gerne das Hörgerät sein, das Störgeräusche ausblendet und mit dessen Hilfe Menschen besser hören können, was Gott sagt.

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