Sonntagsbotschaft zum 1. Februar 2026, dem 4. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).
Anerkannte Regeln werden verletzt. Immer häufiger. Von Autoritäten. Und das von den verschiedensten Seiten her. Wer oder was entscheidet da? Auf welcher Grundlage, die die Mitbetroffenen anzuerkennen bereit sind? Welche Qualitäten zählen, welche Eigenschaften sind gefragt, wenn der gegenseitige Respekt untergeht?
Wovon ich da rede?
Mir steht es nicht zu, Befunde zu verkünden – weder über den Gesundheitszustand noch über Recht und Moral von Politikern oder Staaten oder sonstigen Personen und Gemeinschaften.
Aber Ihnen fallen garantiert zu solchen allgemein formulierten Wahrnehmungen und Fragen sehr konkrete aktuelle Geschehnisse und Persönlichkeiten ein. Trauen Sie doch einfach Ihren Assoziationen, die Ihnen da in den Sinn kommen!
Mir fallen natürlich auch entsprechende Zusammenhänge ein. Aber wenn es um eine „Sonntagsbotschaft“ geht, die an diesem Sonntag aus entsprechenden Abschnitten der Bibel etwas aussagt über Sorgen oder Freuden, über Probleme oder Aufgaben, die Menschen heute beschäftigen, dann beschränke ich mich auf die Frage nach Kriterien, die maßgeblich sein können für – natürlich demokratische und menschengerechte – Entscheidungsprozesse auf allen Ebenen von der Kommune bis zur Weltpolitik.
An Quellen und Medien für eine Einsicht in solche Maßstäbe fehlt es ja nicht. Und bei aller Vielfalt der Kulturen gibt es sogar verblüffende Geistesverwandtschaften – von der altchinesischen Sicht auf das Universum bis hin zur Charta der Vereinten Nationen.
Besonders liegt mir dabei am Herzen, wozu die Stimme der Bibel anregt. Da höre ich Hilfreiches.
Aber natürlich gibt es dazu auch die Einordnungen, die von vornherein einen solchen Zusammenhang ablehnen. „Mit der Bergpredigt kann man keine Politik machen“, war die Devise verschiedenster „Experten“ schon vor Jahrzehnten.
Unter Christen jedenfalls gilt: Augen und Ohren offen halten! Herz und Verstand nicht verriegeln und verschließen, um nicht blind und taub zu werden für neue Einsichten und Erfahrungen!
Seht auf eure Berufung, …
Da sind nicht viele Weise
im irdischen Sinn,
nicht viele Mächtige,
nicht viele Vornehme, …
So spricht der Apostel Paulus in seinem Brief die Menschen damals in Korinth an, um weiterzukommen angesichts von Fragen und Konflikten.
Üblich ist es ja, wenn jemand in die Gesellschaft hinein Einfluss nehmen will, dass er sich an gelehrte, mächtige oder sonstwie einflussreiche Leute hält.
Aber deren Expertise und Stärken und sonstigen Möglichkeiten können auch einseitig festhalten am Blick auf alte Erfahrungen in vergangenen Situationen. Es braucht auch Leute wie euch, die neu Maß nehmen an Jesus Christus und an seinen Anregungen, wie nach Gottes Sinn eine menschliche Zukunft geht.
sondern das Törichte in der Welt
hat Gott erwählt,
um die Weisen
zuschanden zu machen,
und das Schwache in der Welt
hat Gott erwählt,
um das Starke
zuschanden zu machen,
und das Niedrige in der Welt
und das Verachtete
hat Gott erwählt:
das, was nichts ist, …
Was sind das für Leute? Leute, die in der Welt als schwach oder als dumm verachtet werden, als ein „nichts“ in den Augen derer, die als Experten und als durchsetzungsfähig gelten und deshalb das Sagen haben – sowohl in Parlamenten als auch in Parteien und in den entsprechenden Lobby-Aktivitäten?
In die Christen-Gemeinde jedenfalls – so schreibt Paulus – hat Gott besonders die erwählt und berufen, die ansonsten in der Welt nichts gelten. Und zwar,
… um die Weisen
zuschanden zu machen
und … um das Starke
zuschanden zu machen.
… um das, was etwas ist,
zu vernichten, …
Was hat er gegen die Starken? Offensichtlich nichts. Aber – wie er sagt:
… damit kein Mensch
sich rühmen kann vor Gott.
Von ihm her
seid ihr in Christus Jesus,
den Gott für uns
zur Weisheit gemacht hat,
zur Gerechtigkeit,
Heiligung und Erlösung.
Ja, Weisheit in Gottes Sinn steht für andere Werte: für Gerechtigkeit, Heiligung, Erlösung, Frieden, Freiheit, Sicherheit, Gleichheit, …
Zur Weisheit in Gottes Sinn hat er Christus für uns gemacht. Der bringt diese Werte erst einmal und mit Vorrang zu denen, die bisher als Nichtse gelten und denen man sie allzu oft vorenthält.
Die aber in der Gemeinde der Christen, die aus Freude an Christus und seiner anderen Weisheit dabei sein wollen in dem, was er tut – als Betroffene oder auch aus der Verbundenheit mit denen – , die werden dann nicht sich selber rühmen für das, was sie dazu beitragen.
Wer sich also rühmen will,
der rühme sich des Herrn;
so heißt es schon in der Schrift.
(1. Korinther 1,26-31)
Paulus bezieht sich da offensichtlich auf ein Wort beim Propheten Jeremia, wo es heißt:
So spricht der HERR:
Der Weise rühme sich nicht
seiner Weisheit,
der Starke rühme sich nicht
seiner Stärke,
der Reiche rühme sich nicht
seines Reichtums.
Nein, wer sich rühmen will,
rühme sich dessen,
dass er Einsicht hat
und mich erkennt,
nämlich, dass er weiß:
Ich, der HERR, bin es,
der auf der Erde
Gnade, Recht und Gerechtigkeit wirkt.
Denn an solchen Menschen
habe ich Gefallen –
Spruch des HERRN.
(Jeremia 9,22-23)
Paulus will mit seinem Brief an die Gemeinde in Korinth einige Missstände korrigieren, die den Geist und die Kraft von Jesus Christus in ihrem Miteinander geschwächt haben.
Ebenso wie Paulus die Christen damals, so erinnert auch das Matthäus-Evangelium an diesem Sonntag die Gemeinschaften heutiger Christen an Jesus Christus, den Gott zur Verkörperung seiner Weisheit unter den Menschen gemacht hat, damit das Leben besser gelingt.
Da sieht das Evangelium Jesus auf dem Berg – wie Mose! – und er setzt sich, um zu den Menschen zu reden – wie Mose! – und verkündet – sozusagen als neues „Gesetz“ – den Widerspruch zu dem, was bisher die Menschen gefangen hält – das Programm der sogenannten „Seligpreisungen“, die in seine „Bergpredigt“ hineinführen:
Selig, die arm sind vor Gott;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig die Trauernden;
denn sie werden getröstet werden.
Selig die Sanftmütigen;
[EÜ1980 die keine Gewalt anwenden]
denn sie werden das Land erben.
Selig, die hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit;
denn sie werden gesättigt werden.
Selig die Barmherzigen;
denn sie werden Erbarmen finden.
Selig, die rein sind im Herzen;
denn sie werden Gott schauen.
Selig, die Frieden stiften;
denn sie werden
Kinder Gottes genannt werden.
[EÜ1980: Söhne]
Selig, die verfolgt werden
um der Gerechtigkeit willen;
denn ihnen gehört das Himmelreich.
Selig seid ihr, wenn man euch schmäht
und verfolgt
und alles Böse über euch redet
um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn
wird groß sein im Himmel.
(Matthäus 5,1-12a)
Das ist eine neue Weisheit – Gottes Weisheit, von Jesus gelebt – , die alles Bisherige, das Menschen gefangen hielt, aus den Angeln hebt:
Wer vor Gott hintritt, sich seinem Einfluss vertrauensvoll öffnet und mit dem eigenen Leben zu seinem Tun beiträgt, der ist nicht mehr Opfer von aller Macht der Unmenschlichkeit, gehört nicht mehr zu den „Dummen“, mit denen man alles machen kann.
Denn da, wo Gott zur prägenden Kraft wird, da erfahren die Armen die volle Anerkennung ihrer Würde in Gottes neuem Herrschaftsbereich, der keinen zu kurz kommen lässt.
Da erfahren die Trauernden einen echten Trost für das, was ihnen genommen wurde, im dankbaren Übertreten der Schwelle zu einem anderen Neuen.
Da erfahren die sogenannten „Sanftmütigen“, die auf Gewalt verzichten und deshalb immer als „die Dummen“ dastehen, dass sie damit die neue Zukunft bauen.
Denen, die mit ihrem Einsatz für Gerechtigkeit immer auf Granit gebissen haben, wird endlich Hunger und Durst gestillt!
Und denen, die immer für Barmherzigkeit gesorgt haben, wird man selber mit Barmherzigkeit begegnen.
Ja, wer konsequent gewesen ist im Vertrauen zu diesen Werten, für die Jesus steht, sozusagen kristallklar wie ein reiner Diamant, dessen Durchblick stellt ihm dann den menschenfreundlichen Gott vor Augen.
Und die, die alle Risiken eingehen, wenn man Frieden stiftet, die werden schließlich Anerkennung finden als Kinder von Gottes Geist.
Und wer dann wegen seines Einsatzes für solche Umkehr des ganzen Volkes zu echter Gerechtigkeit von den Knechten der alten Götzen verleumdet, beleidigt, beschimpft, für dumm verkauft, kaltgestellt und sonstwie verfolgt oder links liegen gelassen wird, -höre jetzt schon die Worte, mit denen Jesus seine Bergpredigt beschließen wird:
Jeder, der diese meine Worte hört
und danach handelt,
ist wie ein kluger Mann,
der sein Haus auf Fels baute.
Als ein Wolkenbruch kam
und die Wassermassen heranfluteten,
als die Stürme tobten
und an dem Haus rüttelten,
da stürzte es nicht ein;
denn es war auf Fels gebaut.
(Matthäus 7,24-25)
Also: Mit solchem Vertrauen und mit dieser Weitsicht seid ihr gut drauf!
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn
wird groß sein im Himmel.
