Beim Werbespot in der ARD/DasErste für die Sendung einer Polit-Talkshow dieser Tage empfand ich eine unangenehme Art von aufdringlicher „Gewalt“ in dem system-typischen Stil der Werbung. Wahrscheinlich fiel mir das auf, weil ich noch von vor kurzem eine ganz andere Art von Radio-Eigenwerbung im Ohr hatte – aus meinem Urlaubs-Radio (Radio Tirol).
Bei der Frage nach dem eigentlichen Unterschied zwischen beiden Stilrichtungen fiel mir zum Charakterisieren des Tiroler Beispiels als erstes Wort „hausbacken“ ein. Ja, ich hatte das ja auch irgendwie unangenehm empfunden, vielleicht allerdings nur, weil mir das ungewohnt klang: „Mein Radio, meine Musik, mein Tirol“. Als nächste Idee kam mir dazu in den Sinn, das sei für mein Ohr eher die Art eines Liebeswerbens als einer kommerziellen Konsumwerbung. Um meine Gefühlslage zu klären, fragte ich mich dann, was denn das Wesentliche von „hausbacken“ wäre, um besser zu verstehen, was mir am Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Werbung wichtig geworden war. Da eröffnete sich mir ein Feld, das doch einigermaßen interessant zu werden versprach …
Eine vorläufige Antwort: Der ARD-Stil passt sich an eine verbreitet emotional „anerkannte“ (daher werbewirksamere) „Norm“ an, der Tirol-Stil dagegen steht transparent zur eigenen Motivation – mit einem gewissen Selbstbewusstsein, das die verletzende Abweisung des werbenden Bemühens nicht fürchtet: „Schaut, wir hätten gerne, dass ihr das auch mögt – zumal wir einiges dafür investiert haben!“
Geht es also um den Mut zur eigenen Identität gegenüber einer (eher zwanghaften, daher auf mich abstoßend wirkenden) Anpassung zwecks Anerkennung?
Die Sehnsucht, dass (möglichst viele) andere Menschen meinen Bestrebungen zustimmen, begleitet ja sehr verbreitet viele Lebensbereiche – nicht nur das Marketing in Handel und Kultur, sondern auch in der Politik, in Wahlkämpfen, im Alltag … Die Versuche, Einfluss zu nehmen, sind sehr spontan gesteuert, andere aber auch sehr geplant – mit einer Taktik der verschleiernden, manchmal verlogenen Gewalt, die sich einfach durchsetzen will.
Der Mut zur eigenen Identität – auf beiden Seiten! – ist in einer zunehmend vielfältigen Gesellschaft sehr wichtig! Wie kann man diesen Mut entwickeln?
Ein zunehmend gelassener oder unaufgeregter und zugleich wirkungsvoller Widerstand gegen alle Gewalt kann besonders gut gedeihen, wenn ich mir meiner von Gott geschenkten eigenen „Würde“ zuverlässig bewusst bin!