Blogbeitrag

Foto privat 2026

Die Wahrheit unterm Teppich

18. Juni 2026

Sonntagsbotschaft zum 21. Juni 2026, dem 12. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Was meinen Sie: Welche Kräfte beeinflussen und beeinträchtigen heute am stärksten das menschliche Leben und seine Rahmenbedingungen für ein erfülltes Leben?

Da gibt es ja viele Einflüsse, die wirken, ohne dass man das bewusst mitkriegt. Und vieles, was wirkt, wird von manchen gerne unter dem Teppich gehalten, weil es, wenn es aufgedeckt wird, den Widerstand für ein erfülltes Leben weckt.

Da melden sich in unserer Zeit zwei Kräfte, die aufdecken wollen: Investigativer Journalismus bringt brisante Wirklichkeiten ans Licht der Öffentlichkeit. Und Verschwörungstheorien rühmen sich, Zusammenhänge entdeckt zu haben, die anderen verborgen blieben.

Der große Unterschied zwischen beiden liegt in der Richtung, in der sie vorgehen: Investigativer Journalismus beginnt mit einer drängenden Fragestellung und recherchiert, bis sich eine neue Feststellung ergibt. Verschwörungstheorien beginnen mit einer brisanten Feststellung und finden in Wirklichkeiten aller Art ihre Bestätigung. In aller intransparenten Unübersichtlichkeit ist es manchmal schwer, das eine vom anderen zu unterscheiden. Wo wird aufgedeckt? Wo wird unter den Teppich gekehrt?

Das Problem ist nicht wirklich neu. Etwa 600 Jahre vor Christus. Den drohenden Untergang des Königreichs Juda und die drohende Zerstörung der Lebensgrundlagen für das Volk sieht der Prophet Jeremia in ganz anderen Zusammenhängen als die politischen und religiösen Führer. Mit ihnen legt er sich an, weil sich aus seiner Sicht ganz andere Folgen ergeben, was zu tun und was zu lassen ist. Wie er zu seiner Sicht gekommen ist, darüber schweigt die Bibel. Sie macht allerdings klar: Der Nachdruck, mit dem Jeremia seine Forderungen stellt, womit er immer wieder sein Leben riskiert, gründet in seiner klaren Überzeugung: Gott selber ist es, der ihm die provokanten Einsichten eingibt; er kann einfach nicht anders, als sie öffentlichkeitswirksam aufzudecken.

Allerdings bringt ihm das grauenvolle Anfeindungen ein, die ihn immer wieder zur Verzweiflung bringen – so auch in dem Abschnitt, der an diesem Sonntag in den Gottesdiensten zu hören ist.

Ich hörte die Verleumdung der Vielen:
Grauen ringsum!
Zeigt ihn an!
Wir wollen ihn anzeigen.
Meine nächsten Bekannten
warten alle darauf, dass ich stürze:
Vielleicht lässt er sich betören,
dass wir ihn überwältigen
und an ihm Rache nehmen können.

Überraschend ist jedoch seine Perspektive, die er unmittelbar anschließend benennt, die ihn bestärkt:

Doch der HERR steht mir bei …
Darum straucheln meine Verfolger
und können mich nicht überwältigen.
Da sie nichts erreichen,
werden sie schmählich zuschanden
in ewiger, unvergesslicher Schmach.
Denn der HERR der Heerscharen
pr
üft den Gerechten,
er sieht Nieren und Herz.
Ich werde deine Vergeltung an ihnen sehen;
denn dir habe ich meinen Rechtsstreit anvertraut.

Und davon ist er so fest überzeugt, dass er geradezu in Jubel ausbricht:

Singt dem HERRN,
r
ühmt den HERRN;
er rettet das Leben des Armen
aus der Hand der
Übeltäter.
(Jeremia 20,10-13)

Was für ein Kontrast zwischen seiner Klage und seinem Vertrauen!

Sie bekämpfen ihn, weil er ihre Vergötzung nichtiger Interessen aufdeckt, für die sie Unschuldige opfern und alles zum absehbaren Zusammenbruch führen. Gottes Einfluss verneinen sie oder lehnen ihn ab. An seine Stelle setzen sie den Einfluss von – heute würde man sagen – von superreichen Konzern-Investoren oder von machtgierigen Autokraten, denen sie sich unterwerfen.

Der Prophet aber wirkt ihnen entgegen – sehr transparent, indem er verdeckt gehaltene Zusammenhänge mit ihren sich abzeichnenden fatalen Folgen aufdeckt. Für ihn zählt nur Gottes Einfluss und seine Ziele. Jeremia deckt sie auf.

Der Geist, den diese Worte atmen, erregt die Resonanz mit einer elementaren Sehnsucht nach Veränderung, die heute zunehmend Menschen aufwühlt.

Jesus, der sich mit dieser Sehnsucht im Namen der ganzen Menschheit eins macht und sich sogar dafür kreuzigen lässt, deckt auf, wie Gottes liebende Zuwendung der stärkste Einfluss werden kann, wo Menschen sich ihm anvertrauen.

Im Evangelium dieses Sonntags fasst er das in die Worte:

Fürchtet euch nicht vor denen,
die den Leib töten,
die Seele aber nicht töten können, …
… fürchtet euch nicht vor ihnen!
Denn nichts ist verhüllt,
was nicht enthüllt wird,
und nichts ist verborgen,
was nicht bekannt wird.

Aber wer kennt nicht die Versuchung, aus Furcht vor Unannehmlichkeiten lieber den Mund zu halten.

Solches Vermeiden ist allerdings zugleich auch ein Rückzug in eine Passivität, in der man schnell zum Mitspieler der Übermächtigen wird. Jesus sagt dagegen:

Was ich euch im Dunkeln sage,
davon redet im Licht,
und was man euch ins Ohr fl
üstert,
das verk
ündet auf den Dächern!

Jeder, der sich vor den Menschen
zu mir bekennt,
zu dem werde auch ich mich
vor meinem Vater im Himmel bekennen. …
Verkauft man nicht zwei Spatzen für einen Pfennig?
Und doch fällt keiner von ihnen zur Erde
ohne den Willen eures Vaters.
Bei euch aber sind sogar
die Haare auf dem Kopf alle gez
ählt.
F
ürchtet euch also nicht!
Ihr seid mehr wert als viele Spatzen.
(Matthäus 10,26-33)

Davor hatte er ja seine Freunde unter die Leute geschickt mit der Lebensaufgabe, sich den Menschen so zuzuwenden, dass sie aus ihren Besessenheiten frei kommen und von allen Krankheiten und Leiden heil werden und dass der Friede sich unter ihnen ausbreitet. So sollten sie den Beginn von Gottes Herrschaft aufdecken.

„Wie Schafe unter die Wölfe“ schicke ich euch, hatte er klar die Risiken benannt, die das mit sich bringt.

Aber mit Worten wie diesen bestärkt er sie in ihrem neuen Bewusstsein, für Gott geradezu heilig zu sein.

Was mich als Person kaputt macht oder was auch anderen Menschen ihre Würde nehmen und ihnen das Leben zur Hölle machen kann, das gilt es zu fürchten und dagegen Widerstand zu leisten: gegen Personen, Kräfte, Mächte, Rahmenbedingungen, … in vielen Kulturen auch als Person vorgestellt, als Inbegriff aller Mächte des Bösen schlechthin: „Satan“.

Jesus macht Mut, das Wesentliche am Leben nicht aus dem Auge zu verlieren. Wer sich ihm, seinem Wort anvertraut, wer für den eigenen Blick von ihm Licht auf das fallen lässt, was oft dem geübten Auge verborgen bleibt, der wird die Wahrheit sehen, an ihr Freude finden und wird daraus – erfüllt – leben!

 

Hinweis:

Andere Aspekte aus der biblischen Botschaft dieses Sonntags habe ich vor 3 Jahren dargelegt: „Wahrheit, die glücklich macht“
https://rainer-petrak.de/wahrheit-die-gluecklich-macht/

Hier können Sie meinen Beitrag weiter empfehlen: