Sonntagsbotschaft zum 8. Februar 2026, dem 5. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).
„Ich bin satt geworden. Und es hat geschmeckt.“ In diese Worte fasse ich gerne meinen Rückblick über mein Leben. Ein Lebensweg, den zu gehen es immer wieder ausreichend Licht gibt – mit Etappen, auf denen die Stärkung immer wieder zum Festmahl wird – Brot und Wein. Andere sagen „Brot und Salz“.
Was man zum Leben braucht, damit der Weg hell genug und die Etappen schmackhaft genug sind, nennt Jesus an diesem Sonntag „Licht“ und „Salz“.
Und in wem oder in was sieht er das Salz und das Licht, die die Menschheit braucht für ihren Weg und für die Freude daran, ihn zu gehen?
Ihr seid das Salz der Erde.
Sagt er. Und:
Ihr seid das Licht der Welt.
Wer – „ihr“?
So sprach Jesus zu seinen Jüngern.
Mit diesen Worten leitet die Kirche den Abschnitt aus dem Matthäus-Evangelium für diesen Sonntag ein.
Naja …, hören dann heutige Ohren schnell, die „Jünger“ von damals … die „heiligen“ … längst ziemlich schal geworden – und wenig erhellend.
Aber im Bibeltext selbst schließen diese Worte unmittelbar an an die Worte, mit denen Jesus seine Seligpreisungen zusammenfasst – Worte an die, die sich im Leben von ihm leiten lassen, auch wenn es sie Mühen und Nachteile kostet. Er hatte gesagt:
Selig seid ihr,
wenn man euch schmäht und verfolgt
und alles Böse über euch redet
um meinetwillen.
Freut euch und jubelt:
Denn euer Lohn
wird groß sein im Himmel.
So wurden ja schon lange vor euch
auch die Propheten verfolgt.
Und dieser Originaltext der Bibel – ohne die dazugefügten Fußnoten und die strukturierende Überschrift – setzt da einfach fort:
Ihr seid das Salz der Erde! …
Ihr seid das Licht der Welt! …
Ihr, die ihr mit aller Armut und Trauer vor Gott kommt und euer Handeln seiner Gerechtigkeit und Barmherzigkeit anvertraut; ihr, die ihr an seiner Menschenfreundlichkeit Maß nehmt, auch wenn man euch dafür belächelt, beschimpft, bekämpft oder sonstwie diskriminiert.
Euch braucht die Welt! Damit den Menschen das Leben wieder schmeckt und damit in all dieses dunkle Chaos wieder Licht kommt.
So beginnt Jesus seine „Bergpredigt“. So wirbt er um das Vertrauen derer, die auf seinen Ruf zur Veränderung, zur Umkehr neugierig geworden sind und sich ihm angeschlossen haben. So fängt er seinen Weg an, den Weg von Gottes Widerspruch gegen alles, was die Menschen gefangen hält.
Was für ein riskanter Weg!
Denn wenn sie, statt den Weg mit ihm wirklich zu gehen, in der Beziehung zu ihm weiterhin nur ein System sehen, in dem es darauf ankommt, ein Pensum an religiösen Pflichten korrekt zu erfüllen, dann werden die Menschen weiterhin keinen Geschmack am Leben finden und werden alles weiterhin herrschende Dunkel beklagen.
Deshalb – so schließt der Evangeliums-Abschnitt dieses Sonntags mit dem Wort von Jesus:
So soll euer Licht vor den Menschen leuchten,
damit sie eure guten Taten erleben
und euren Vater im Himmel preisen.
(Matthäus 5,13-16)
Dass es ihm dabei um ein Engagement geht, mit dem seine „Jünger“ zum Wohlergehen der Menschen im Gemeinwesen beitragen, zu mehr Menschenfreundlichkeit und Gerechtigkeit, das klang ja schon in seinen „Seligpreisungen“ an.
Dass die Kirche das sehr wohl auch so verstanden hat, wird darin erfreulich deutlich, dass sie in der Leseordnung für die Gottesdienste an diesem Sonntag als 1. Schriftlesung einen entsprechenden Abschnitt aus dem Jesaja-Buch zugeordnet hat.
Da geht es um Gottes Kritik an dem, was sie in ihrer religiösen Praxis aus dem Weg mit Gott gemacht hatten. Da ist die Situation im 5. oder 4. Jahrhundert vor Christus vorausgesetzt, als das Volk Jerusalem wieder aufbauen konnte, aber in der neu gewonnenen Freiheit seinen Weg mit Gott auf pflichtgemäßes Fasten und rituell korrektes Beten heruntergefahren hatte. Die dabei aufkommenden sozialen Missstände und alles, was da für die Menschen nicht gut lief, machten sie Gott zum Vorwurf, warum er das zulasse. Das wird dann zum Anlass für die prophetische Klage, mit der Gott dem Volk seine Versäumnisse vorhält:
Brich dem Hungrigen dein Brot,
nimm obdachlose Arme ins Haus auf,
wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn
und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft!
Denn was daraus entsteht, wenn das Volk wirklich einen solchen Weg mit Gott geht, beschreibt dann dieser Text mit dem Bild vom „Licht“ – was vielleicht auch für Jesus der Hintergrund war für sein Wort vom „Licht für die Welt“. Bei Jesaja heißt es:
Dann wird dein Licht
hervorbrechen wie das Morgenrot
und deine Heilung
wird schnell gedeihen.
Deine Gerechtigkeit
geht dir voran,
die Herrlichkeit des HERRN
folgt dir nach.
Wenn du dann rufst,
wird der HERR dir Antwort geben,
und wenn du um Hilfe schreist,
wird er sagen: Hier bin ich.
Wenn du Unterjochung
aus deiner Mitte entfernst,
auf keinen mit dem Finger zeigst
und niemandem übel nachredest,
den Hungrigen stärkst
und den Gebeugten satt machst,
dann geht im Dunkel dein Licht auf
und deine Finsternis
wird hell wie der Mittag.
(Jesaja 58,7-10)
Das 2. Vatikanische Konzil (1962-1965) hat übrigens das Dokument, mit dem es das neu bedachte Verständnis vom Wesen der Kirche beschrieben hat, unter den Titel gestellt: „Lumen gentium“. Die Gemeinschaft der glaubenden Getauften – sichtbares Zeichen für Christus, der „das Licht der Welt“ ist.
Passt das? Oder ist das zu hoch gegriffen? Kirche?
Menschen waren jedenfalls so davon überzeugt, dass sie es in der Bibel weiter überliefert haben und auf dem Konzil wieder aufgegriffen haben!
Inhaltlich ähnlich, sprachlich vielleicht etwas „gefälliger“, habe ich, was ich vor 3 Jahren aus diesen Texten gehört habe, so dargestellt:
https://rainer-petrak.de/selbstbewusst/
