Blogbeitrag

Bild von Andreas H. auf Pixabay

Mehr als ein Sandkasten

21. Mai 2026

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 24. Mai 2026, dem Pfingstfest.  

Jede Erzieherin kennt das … Doch mit dem Spiel von Kindern zu vergleichen, was sogenannte Erwachsene am vermeintlichen Sandkasten inszenieren, das kann schnell zur kollektiven Beleidigung der Kinder werden, die im Zusammenspiel mit den anderen am Sandkasten doch einfach nur ihre Möglichkeiten entdecken und erproben.

„Wenn du das Feuer, das ich angezündelt hab‘, kritisierst, dann verlang ich für Waren aus deinem Land höhere Zölle!“

Und der ungefestigte vernachlässigte Heranwachsende, der auf der Suche nach seiner Männlichkeit auf Instagram solche „Witze“ über die Durchsetzungskraft von Mächtigen präsentiert bekommt, der nimmt das eben als Modell fürs eigene Verhalten und läuft dann womöglich mit dem Messer durch die Gegend.

Aus alten Zeiten erzählt das Bild der Bibel (Genesis 11,1-9), dass sie – wie in einem Sandkasten? – aus Lehm Steine backen und daraus einen Turm bauen wollen – mit einer Spitze, die bis in den Himmel reicht.

Wer – „sie“? Offensichtlich Leute, die massenhaft über Geld und Menschen und Knowhow verfügen und die solche Träume zu ihren Plänen machen. Und warum und wozu das?

So wollen wir uns einen Namen machen.
(Genesis 11,4)

Wer sich mit seinem Namen so behandelt fühlt, als hätte er keinen, also als sei er ein Niemand, der kämpft eben um Anerkennung – mit allen ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten. Und wehe der Allgemeinheit, wenn er dabei über ausreichend Geld und Menschen verfügt, um seine Ziele durchzusetzen! Der Chef vom Ganzen will sich am Ende darin gefallen, sagen zu können: Ich bin der Größte!

Die alte Geschichte vom Turmbau setzt anscheinend voraus, dass das Volk unterwürfig mitspielt. Bleibt ihm nichts anderes übrig?

Aus der gemeinsamen Sprache machen sie ein Kampfinstrument zur Unterwerfung der Schwächeren. Bei Meinungsverschiedenheiten entscheidet jetzt nicht mehr Akzeptanz auf Grund nachvollziehbar guter Gründe. Argumente und Verständigung ade! Jetzt herrschen die Götzen: Gewalt, Markt, Number One, Kapital, … und wie sie alle heißen. Sie machen sich einen Namen. Jetzt redet man über sie!

Und die ohnmächtige Verwirrung im Volk und das allgemeine Misstrauen werden heute noch verstärkt, weil man immer schwerer unterscheiden kann zwischen zutreffender Information und fake-news.

Ein zeitlos herrschender Geist, der alles beherrschen kann, solange die Welt ihn hinnimmt und stabilisiert, weil sie dem anderen Geist der gleichen Menschenwürde aller nicht traut, den sie dem eigentlich entgegensetzen könnte und müsste.

Immerhin bezeugt die Bibel den Traum – oder ist es gar eine Erfahrung? – von dem, was Gott anbietet gegen solche alles Menschliche unterdrückende Ausbeutung:

Er erschrickt: Jetzt sind sie ein Volk und sprechen eine Sprache – sie wären in der Lage, sich menschenwürdig zu verständigen und aufeinander abzustimmen für ein gelingendes Ganzes – heute dank „social media“ sogar global in Echtzeit – … Aber: Was sie daraus machen! Und das ist erst der Anfang! Sie werden meinen, es gebe keine Grenzen für sie! Das kann er nicht hinnehmen. Und er bereitet dem Schrecken ein Ende: Das Projekt fällt in sich zusammen, es funktioniert einfach nicht. (vgl. Genesis 11,1-9)

Solchem Un-Geist der sich säkular gebärdenden Götzen setzt der Gott der Bibel seinen eigenen Geist entgegen. Er pustet ihnen echtes menschliches Leben ein, das sie zum Aufatmen bringen wird.

Wen – „sie“?

Söhne wie Töchter, Alte wie Junge, auch Knechte und Mägde – eben alle sollen wiederbelebt werden und wunderbar gerettet werden! (vgl. Joël 3,1-5)

Auch wenn sie schon begraben wurden – tot oder lebendig – , ihre ausgetrockneten Gebeine sollen wieder lebendig werden. Auch wenn man es nicht glauben mag:

So spricht GOTT, der Herr,
zu diesen Gebeinen:
Siehe, ich selbst bringe Geist in euch,
dann werdet ihr lebendig.
(Ezechiel 37,1-14)

Und wo bitte wird das dann heute zur Wirklichkeit?! Wo wirkt dieser Geist?!

Ja, auch der Apostel Paulus kennt dieses Drängen danach, dass man das auch erleben will, was schon die alten Propheten haben kommen sehen. Die Ungeduld, dass die Ernte auf sich warten lässt und das ersehnte und verheißene Ergebnis sich noch nicht abzeichnet, ordnet er ein in eine Abfolge von Schritten auf einem Weg:

Ja, ich weiß, sagt er: Mit der ganzen Schöpfung seufzen auch wir und warten. Aber ihr kennt das doch: Die Hoffnung auf das Kommende ist jetzt wichtig. Aus guter Hoffnung wird Geburt! (vgl. Römer 8,22-27)

Und dann geschieht es – in den Gräbern ihrer Hoffnungslosigkeit, nachdem ja Jesus am Kreuz alles Leben und damit auch ihre Hoffnungen ausgehaucht hat:

Am Abend des ersten Tages der Woche,
als die Jünger aus Furcht vor den Juden
bei verschlossenen Türen beisammen waren,
kam Jesus,
trat in ihre Mitte
und sagte zu ihnen: Friede mit euch!
Nach diesen Worten
zeigte er ihnen seine H
ände und seine Seite.
Was freuten sich die J
ünger, als sie den Herrn sahen!
Jesus sagte noch einmal zu ihnen:
Friede mit euch!
Wie mich der Vater gesandt hat,
so sende ich euch.
Und er hauchte sie an:
Empfangt den Heiligen Geist! …
(Johannes 20,19-23)

Und sie atmen ihn ein, empfangen diesen Geist. Jetzt mit ihm schwanger, werden sie ihn zur Welt bringen! Ihr Handeln wird seinen Geist atmen!

In anderer Weise erzählt die Apostelgeschichte von dieser „Geburt“:

Als der Tag des Pfingstfestes
gekommen war,
waren alle zusammen am selben Ort.
Da kam pl
ötzlich
vom Himmel her ein Brausen,
wie wenn ein heftiger Sturm daherf
ährt,
und erf
üllte das ganze Haus,
in dem sie sa
ßen.
Und es erschienen ihnen
Zungen wie von Feuer,
die sich verteilten;
auf jeden von ihnen
lie
ß sich eine nieder.
Und alle wurden
vom Heiligen Geist erf
üllt
und begannen,
in anderen Sprachen zu reden,
wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden,
fromme M
änner aus allen Völkern
unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob,
strömte die Menge zusammen
und war ganz bestürzt;
denn jeder hörte sie
in seiner Sprache reden.
Sie waren fassungslos vor Staunen
und sagten:
Seht! Sind das nicht alles Galil
äer,
die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns
in seiner Muttersprache h
ören: …
… wir h
ören sie in unseren Sprachen
Gottes gro
ße Taten verkünden.
(Apostelgeschichte 2,1-11)

Ich versuche, mir vorzustellen, was da geschieht. Sturm und Feuer sind ausdrücklich Bilder. „Wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt“, heißt es. Und „wie von Feuer“. In Worte sachlich zu fassen, was da geschieht, genügt anscheinend nicht. Mit „Brausen“ ist anscheinend etwas gemeint, was man hören kann; hat wohl mit dem ungewöhnlichen Reden zu tun. Ebenso wie das Wort „Zungen“. Ausgangspunkt ist „der Himmel“ – von dort kommt es. Und zwar „auf jeden von ihnen“. Gottes „Heiliger Geist“ verteilt sich auf sie alle – mit der Wirkung, dass sie auf ganz erstaunliche, irritierende Weise anders reden als vorher:

Wie sie reden, das ist nicht mehr festgelegt durch ihre Erziehung und Kultur und Umgebung. Sie reden so, dass sie von allen verstanden werden. Und das erleben die Fremden, die sie hören, als äußerst ungewöhnlich. Was sie von diesen Jesus-Anhängern hören, verstehen sie und erkennen darin das, was sie selber „Gottes große Taten“ nennen. Sie sind „fassungslos vor Staunen“!

Trotz verschiedenster Sprachen und Mentalitäten entsteht Verständigung, in der sie sich einig werden über die eine großartige Wirklichkeit, die sie da erleben: Gottes große Taten!

Offensichtlich auch über diese „Anderen“ breitet sich da stürmisch, ja feurig brausend eine gemeinsam geteilte neue Atmosphäre aus, die alles umfasst – hier „Heiliger Geist“ genannt. Und das damals in einer politisch-wirtschaftlich-sozialen Situation, die alles andere als heil-voll oder versöhnlich oder aufbauend oder zusammenhaltend genannt werden kann.

Hier geschieht wohl das, was der Prophet Ezechiel als Gottes Vorhaben mit den Menschen verheißen hatte – sogar noch im Zustand einer Menge von schon ausgetrockneten Gebeinen:

… ich selbst bringe Geist in euch,
dann werdet ihr lebendig. …
Dann werdet ihr erkennen,
dass ich der HERR bin. …
(Ezechiel 37,5-6)

Da setzt Geschichte neu an. Geschichte der Menschheit, geprägt vom neuen Geist. Der will eingeatmet werden. Dann spielt der alte Geist von Babel keine Rolle mehr! Er hat bereits einen Namen: Es ist der Geist von Jesus Christus, sozusagen seine DNA – der Geist Gottes, der ihn und alle seine Zellen und Glieder leibhaftig zu wahrhaft menschlichem Leben belebt.

Der Geist des Herrn belebt.
Er schafft die Sprache neu.
Bekennern gibt er Mut
und weiß um jeden Laut.
Er öffnet weit das Tor
der neu gewordnen Zeit.
Er gibt dem Leben Kraft
und schenkt uns Heiligkeit.
Den Willen treibt er an
und lässt uns Brüder sein.
Der Geist des Herrn wirkt überall,
halleluja.
Wo Glauben ist, eint er die Welt,
halleluja.

(„Der Geist des Herrn wirkt überall … Erbarme dich, Herr!“ aus: Überall wirkt Gottes Geist, Messgesänge zum Pfingstfest von Peter Janssens – Text von Lutz Hoffmann, Franz Mausberg, Karl Norres, Leo Schuhen 1966 – gemäß GOTTESLOB Diözesanteil Limburg 1975
Tonaufnahme aus Gottesdienst in Herz Jesu Fechenheim am 12.11.1989 Kantorin: Ute Schäfers, Orgel: Martha Hüttenhain
Alle Bilder: privat)

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