Sonntagsbotschaft zum 10. Mai 2026, dem 6. Ostersonntag (Lesejahr A).
Nehmen wir mal an: Heute in Frankfurt am Römer tritt eine unbekannte Person lautstark auf und preist einen Mann an, von dem man nur weiß, dass er wegen öffentlichen Aufruhrs gerichtlich verurteilt ist: Der aber sei es, der nun endlich alle Probleme löst.
Die Kommentare, die da vermutlich zu hören wären, fasse ich mal zusammen in dem einen Wort: „verrückt“.
Und so etwas vor 2000 Jahren – in einer der damaligen Großstädte? Haben da die Menschen anders reagiert? Ja, natürlich, da gab es noch keine neuzeitliche Aufklärung, das war noch nicht einmal Mittelalter. Aber dumm waren die Leute auch nicht mehr oder weniger als heute. Vielleicht hatten sie sogar eher einen Überblick und ein unmittelbareres Verhältnis zu aller Wirklichkeit.
Ja, wahrscheinlich in den Vierziger- oder Fünfziger-Jahren des ersten Jahrhunderts geschah so etwas in Samaria, der Hauptstadt der an Judäa angrenzenden gleichnamigen Gegend im heutigen Israel beziehungsweise Palästina. Und die Überlieferung der Bibel hält dieses Vorkommnis bis heute in der Erinnerung: An diesem Sonntag ist in den Gottesdiensten davon die Rede – in dem dafür vorgesehenen Abschnitt aus der Apostelgeschichte.
Wie haben die Menschen damals reagiert? Es ging um Jesus, den sie am Kreuz hingerichtet hatten. Noch verrückter: Von einem Toten sollten sie jetzt alles erhoffen! Philippus, der anerkannt geistreiche Diakon, der aus Jerusalem gekommen war, wollte am liebsten die gesamte Öffentlichkeit in Samaria davon überzeugen.
Die Erzählung ist leider sehr knapp:
Philippus kam
in die Hauptstadt Samariens hinab
und verkündete dort Christus.
Und die Menge
achtete einmütig
auf die Worte des Philippus;
sie hörten zu
und sahen die Zeichen, die er tat.
Denn aus vielen Besessenen
fuhren unter lautem Geschrei
die unreinen Geister aus;
auch viele Lahme und Verkrüppelte
wurden geheilt.
So herrschte große Freude in jener Stadt.
Froh über den neuen Geist, den sie da mit Philippus erleben, lassen sich viele taufen. Dieses Evangelium von Jesus Christus und dem Reich Gottes – da wollen sie sich hineinbeziehen lassen, wollen dazugehören zu dem, was da wirkt: Besessene und Gelähmte werden heil!
Da schicken die Apostel aus Jerusalem den Petrus und den Johannes. Sie legen den Neugetauften die Hände auf; die empfangen jetzt selber den Heiligen Geist.
Allerdings fanden das eben auch damals schon viele andere verrückt und wollten ihre Ordnungen und Gebräuche nicht dadurch verrücken lassen – wie auch in anderen Gegenden, wo von diesem neuen Geist erfüllte Menschen die Botschaft von Jesus Christus unter die Leute brachten.
Wie sie mit dieser Konfliktlage umgingen, davon spricht in den Gottesdiensten dieses Sonntags der zweite Abschnitt aus der Bibel:
Da bei denen, die nur am Althergebrachten festhalten, ein solcher neuer Geist zurückgewiesen wird, bestärkt sie der Apostel in seinem Brief: Steht allen Rede und Antwort! Wenn man euch wegen eurer neuen Lebensweise anfeindet und verleumdet, gebt Rechenschaft über die Hoffnung, die euch beseelt! Haltet nur von ganzem Herzen Christus als den Herrn heilig! So hat er es auch gehalten und er führt euch jetzt.
Und im Evangelium des Sonntags sagt Jesus selber – mit seiner bevorstehenden Verurteilung im Blick: Wer sich von mir in liebendem Vertrauen leiten lässt, wird mit meinem Beistand erleben und erkennen, wie gut Gott durchs Leben führt.
Solche Botschaft wird an diesem Sonntag nicht nur in Frankfurt verkündet und dort nicht nur am Römer, sondern weltweit in den Kirchen und wo immer auch wahrscheinlich um die hundert Millionen von Menschen den gekreuzigten Jesus Christus im Gottesdienst feiern, der sie in seine Auferstehung aus allen Toden hinein befreien will.
Verrückt? Ja, in der Hoffnung, dass da so manches angemessen zurechtgerückt wird, was zunehmend Macht über die Menschen ausübt.
Wenn Sie konkreter oder anderswie vertieft dem nachgehen wollen, empfehle ich sehr als Fortsetzung, wie ich die Botschaft dieses Sonntags vor drei Jahren gehört und dargelegt habe: https://rainer-petrak.de/liebe-macht-muendig/
