Blogbeitrag

Foto: privat (1998) Herz-Jesu-Fenster mit Netz

Mit einer einzelnen Netzmasche kann auch Gott keinen Fisch fangen!

9. Juli 2026

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 12. Juli 2026, dem 15. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Ferienzeit. Urlaub. Viele nehmen sich Zeit. Zeit, um mehr von dem zu leben, was ihnen für wirkliches „Leben“ wichtig ist.

In Berlin will die Koalition „Reformen“ genannte Veränderungen durch den Bundestag bringen.

Ob wir die große Hitze schon hinter uns haben?

Landtags-Wahlkämpfe stehen an. Wird es gelingen, die AfD in Schach zu halten und die Demokratie zu retten?

Und Menschen, die an den Gott der Bibel glauben, halten daran fest, dass dieser Gott, der sich ja in Jesus Christus gezeigt hat, mitten in alle diese Wirklichkeiten hinein sich heilsam einbringt. Weil er alles zum Guten führen will.

Deshalb verkündigen diese Menschen – in der Bibel, in Predigten, in Büchern, in „social media“ – als „Gottes Wort“, was sie von ihm verstanden haben.

Die Frage ist: Hat diese Verkündigung eine Wirkung?

Skeptiker sind da ja in der Mehrheit.

Schon vor über zweieinhalbtausend Jahren sahen sich die letzten Gläubigen in ihrer Gefangenschaft in Babylon vor eben dieser Frage. Im Umbruch der Machtverhältnisse hatte sich eine Stimme Bahn gebrochen, die als Gottes Vorhaben ankündigte, die deportierten Juden dürften samt allen einst beschlagnahmten Tempelschätzen in Freiheit in ihre Heimat zurückkehren.

Wer sollte das glauben?!

Da ist in der Bibel – im Jesaja-Buch – festgehalten, was ein Prophet damals verkündigte – in Gottes Auftrag, wie er sagte:

So spricht der HERR:
Wie der Regen und der Schnee
vom Himmel fällt
und nicht dorthin zurückkehrt,
ohne die Erde zu tränken
und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen,
dass sie dem Sämann Samen gibt
und Brot zum Essen,
so ist es auch mit dem Wort,
das meinen Mund verl
ässt:
Es kehrt nicht leer zu mir zur
ück,
ohne zu bewirken, was ich will,
und das zu erreichen,
wozu ich es ausgesandt habe.
(Jesaja 55,10-11)

Was für ein Nachdruck, mit dem dieses Bild die Zuverlässigkeit betont: Gottes Wort bewirkt, was er ankündigt; es erreicht, wozu er es ausgesprochen hat!

In der Bibel unmittelbar anschließend spricht der Prophet noch einmal aus, was Gott ihm zu sagen aufgetragen hat:

In Freude werdet ihr ausziehen
und in Frieden heimgebracht werden …

Für unsere Zeit Mut machende Worte, die die Bibel Gott zuschreibt, fallen mir ein:

Nie wieder soll eine Flut kommen
und die Erde verderben.
(Genesis 9,11)

Ich bin gekommen,
damit sie das Leben haben
und es in Fülle haben.
(Johannes 10,10)

Selig, die hungern und dürsten
nach der Gerechtigkeit;
sie werden gesättigt werden.
(Matthäus 5,6)

Frieden hinterlasse ich euch,
meinen Frieden gebe ich euch.
(Johannes 14,27)

Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Aussätzige rein,
treibt Dämonen aus!
(Matthäus 10,8)

Und so weiter.

Perspektiven höchster Zuverlässigkeit! Können politische Entscheidungsprozesse daran Maß nehmen? Wie soll das gehen?!

Der zweite Teil des Jesaja-Buchs, die Kapitel 40 bis 55, der sogenannte „Deuterojesaja“, wie auch andere Bücher des Alten Testaments beschreiben die politische Situation und die Stimmungslage der damals nach Babylon Deportierten und auch die Veränderung, die da in Gang kommt: Der Perserkönig Kyros ist es, der Gottes Willen umsetzt, ohne eine Ahnung davon zu haben. In seiner Sicht der politischen Veränderungen geht es darum, nachdem er die assyrische Großmacht besiegt hat, sich Sympathien zu verschaffen bei den unterworfenen Völkern, indem er ihnen Religionsfreiheit gewährt.

Allerdings war das ein unsicheres Abenteuer für die Deportierten aus Juda. Wenn sie dort nach 70 Jahren wieder auftauchen, werden sie den Neuanfang wirklich schaffen? Sind Gottes Wille und seine Macht, sein Volk zu retten, ausreichend tragfähig? Können und wollen sie sich wirklich auf ihn verlassen?

Die weitere Geschichte zeigt: Es ist gelungen, wenn auch mit Schmerzen und Verzögerungen und mit einigen von ihnen selber gar nicht geplanten Änderungen.

Und heute – wenn es doch derselbe Gott ist wie damals, der sich zusätzlich noch mit Jesus und seinem Lebensweg in die Herzen der Glaubenden eingeprägt hat – sind seine Zusagen für unsere Zeit ebenso zuverlässig?

Wer will ihm vertrauen, dass Gottes Wort bewirkt, was er ankündigt; dass es erreicht, wozu er es ausgesprochen hat! Die Frage ist: Bringt die Verkündigung seiner Zusagen eine entsprechende Wirkung?

Das lässt sich nur beantworten, indem man sich darauf einlässt. Ist das, was er zusagt, meine Sehnsucht? Glaube ich ihm, dass er, was er verspricht, auch wirklich will? Und traue ich es ihm zu, dass er das auch hinkriegt? Ist es mir wichtig, so dass ich dazu beitragen will, was ich kann?

Ja, wie Menschen dazu stehen, ist ihm wichtig. Gegen ihren Willen handelt Gott zunächst ja nicht; er respektiert ja ihre „gottebenbildliche“ Mündigkeit, Kreativität, Verantwortung und Freiheit!

Menschen können jedenfalls zunächst mal dafür beten: Authentisches, wirklich so gemeintes Beten beantwortet er sofort mit einer Bestärkung und Weiterführung der eigenen Bereitschaft.

Sie können dafür zum Beispiel Steine aus dem Weg räumen, um ihm den Weg zu bereiten.

Und – um es auch in einem „Gleichnis“ zu sagen: Eine einzelne Masche kann keinen Fisch fangen. Aber wenn viele Maschen ein ganzes Netz bilden, wachsen die Chancen, dass der Wille, Fische zu fangen, wirksam, fruchtbar, erfolgreich wird. Das Netz muss nur – in der Größe der Maschen, in der Stärke der Fäden, in seiner Platzierung und Befestigung … – einem gemeinsam getragenen Konzept, Ziel, Willen entsprechen.

Wenn Menschen, die Gottes Zusagen trauen, Verstärkung suchen, können sie Bündnisse schließen mit anderen, die aus anderen Motivationen dasselbe wollen.

Der Perserkönig Kyros wurde für die aus Juda Deportierten zu einem mächtigen Verbündeten!

Ähnlich heute zum Beispiel selbst atheistische Gewerkschafter, die aber gemeinsam mit unsereins den bedrohten freien Sonntag schützen wollen.

Natürlich steht dem die Erfahrung entgegen, dass so manche ersehnte und von Gott versprochene Veränderung sehr auf sich warten lässt.

Aber wir wissen ja: Wenn Veränderungen erfolgreich verlaufen sollen, braucht es immer wieder das passende „Timing“, den „Kairos“, den Augenblick mit günstigen Bedingungen, den von Gott deshalb gewählten Zeitpunkt. Aktives, beharrliches Warten und Vorbereiten kann die Wirkung von Veränderungen verstärken und ihre Akzeptanz und ihre Stabilität fördern.

Jesus antwortet auf die Ungeduld und die Skepsis seiner Zeitgenossen mit einer Reihe von Gleichnissen. Mit ihnen weist er sie – und an diesem Sonntag auch Menschen von heute – darauf hin: Ihr kennt das doch und ihr haltet es auch so in vielen alltäglichen Zusammenhängen.

Zum Beispiel wenn ein Bauer – damals noch von Hand – eine üppige Menge von Saatgut verschwenderisch überallhin ausstreut, dann kann es viele Gründe geben, warum nur ein kleiner Teil davon aufgeht und wirklich Frucht bringt. Er sagt:

Ein Sämann ging hinaus, um zu säen.
Als er s
äte, fiel ein Teil auf den Weg
und die V
ögel kamen und fraßen es.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden,
wo es nur wenig Erde gab,
und ging sofort auf,
weil das Erdreich nicht tief war;
als die Sonne hochstieg,
wurde die Saat versengt und verdorrte,
weil sie keine Wurzeln hatte.
Wieder ein anderer Teil
fiel in die Dornen
und die Dornen wuchsen
und erstickten die Saat.
Ein anderer Teil aber
fiel auf guten Boden
und brachte Frucht,
teils hundertfach,
teils sechzigfach,
teils dreißigfach.

Ebenso nachvollziehbar sei es doch, so sagt Jesus zu seinen Jüngern, mit Gottes Wort, das ich verschwenderisch unter den Menschen aussäe:

Da sind die einen, die es falsch verstehen und sich deshalb dagegen wehren. (vgl. Vers 19)

Andere nehmen es vorschnell begeistert auf und es bleibt ein schnell vergehendes Strohfeuer. (vgl. Vers 20-21)

Wieder andere haben mit ihrem Leben große Sorgen, die jede Freude über eine aufkommende Lösungsperspektive ersticken. (vgl. Vers 22)

Bei denen aber, die das Wort hören, verstehen und ihm trauen, bringt es dafür um so reichere Frucht! (vgl. Vers 23)

(Matthäus 13,1-23)

 

So. Und wenn ich heute hiermit aufhöre, dann merken Sie: Ich mache das hier nicht mit der Vorstellung, Bibeltexte mehr oder weniger gelehrt zu erklären. Sondern jenseits allen Interesses, Glaubensinhalte irgendwie zu „lehren“, ist es mir wichtig, neugieriges Interesse zu bestärken an Gottes belebender Begleitung durch alle unsere Fragen und Probleme und Herausforderungen hindurch.

Vielleicht ist das eine brauchbare Ergänzung zu den mehrheitlich eher „lehrenden“ Zugängen zu einem „Glauben“, der die Freude an zunehmendem Leben stärkt.

So hoffe ich auf Gottes Segen für diese wie für die anderen Portionen der von mir so „begriffenen“ SONNTAGSBOTSCHAFT.

Gerne lese ich Ihre Rückmeldung, die Sie für mich im Kontaktformular hinterlassen können.

Hier können Sie meinen Beitrag weiter empfehlen: