SONNTAGSBOTSCHAFT zum 9. August 2026, dem 19. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).
Er war nicht wie die anderen. Ein Mensch mit seinen Eigenheiten. Elija.
Keiner ist wie die anderen. Was mir eigen ist, unterscheidet mich, macht mich besonders. Nicht besser, aber eben anders, eigen. Ich bin einmalig.
Wer seine Eigenheit lebt, eckt damit an, muss sich auseinandersetzen, in Beziehung setzen. Herausforderung aus der Uniformität.
Jeder ist wichtig in seiner Eigenheit, vor allem wenn er sie lebt und damit etwas bewirkt – wichtig als Ergänzung. Damit das ganze Mosaik erkennbar wird.
Natürlich kann ich mich da sehr vertun: Manche Besessenheit lässt sich leicht verwechseln mit der Freiheit zur eigenen Identität, mit einer Lebensaufgabe. Manche Fremdbestimmung trägt die Maske der wertvollen Individualität.
Von Elija spricht die Bibel an diesem Sonntag. Und von Jesus und Petrus. Können sie Mut machen und Klarheit geben, heute mein Eigenes zu finden und zu leben?
Elija. Seine öffentliche Kritik am König hat ihm die tödliche Feindschaft der Königin eingebracht. Aber Gott hatte ihn doch dazu beauftragt!
Jetzt ist er auf der Flucht. Er hat es satt. Er haut ab – in die Wüste; er will nicht mehr.
Aber Träume und Engel und seltsame Tiere bringen ihn immer wieder auf die Beine.
In jenen Tagen …
… kam Elija zum Gottesberg Horeb.
Dort ging er in eine Höhle,
um darin zu übernachten.
Doch das Wort des HERRN erging an ihn:
Was willst du hier, Elija? – Ach Herr, ich hab mich bis jetzt so viel bemüht. Jetzt reicht’s.
In der Bibel heißt das konkret:
… Mit leidenschaftlichem Eifer
bin ich für den HERRN, den Gott der Heerscharen, eingetreten,
weil die Israeliten deinen Bund verlassen,
deine Altäre zerstört
und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben.
Ich allein bin übrig geblieben
und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.
Der HERR antwortete:
Komm heraus
und stell dich auf den Berg vor den HERRN!
Da zog der HERR vorüber:
Ein starker, heftiger Sturm,
der die Berge zerriss und die Felsen zerbrach,
ging dem HERRN voraus.
Doch der HERR war nicht im Sturm.
Nach dem Sturm kam ein Erdbeben.
Doch der HERR war nicht im Erdbeben.
Nach dem Beben kam ein Feuer.
Doch der HERR war nicht im Feuer.
Nach dem Feuer kam ein sanftes, leises Säuseln.
Als Elija es hörte,
hüllte er sein Gesicht in den Mantel,
trat hinaus
und stellte sich an den Eingang der Höhle.
(1. Könige 19,9ab.11b-13)
Aus der Höhle herausgefordert erlebt er sich in allem Sturm. Aber Gott begegnet ihm in der Ruhe nach dem Sturm. Da wird dem Elija klar, was seine Sache ist. Ein sanfter Wind ist es, mit dem Gott ihn zurückschickt.
… Geh deinen Weg
durch die Wüste zurück
und begib dich nach Damaskus!
Bist du dort angekommen,
salbe Hasaël zum König über Aram!
Jehu, den Sohn Nimschis,
sollst du zum König von Israel salben
und Elischa, den Sohn Schafats
aus Abel-Mehola,
salbe zum Propheten an deiner Stelle.
(1 Kön 19,15-16)
Eigentlich sagt das Gleiche auch das Evangelium des Sonntags: Im Nachtsturm im Boot auf dem See quälen sich auch die Jünger von Jesus ab. Er ist nicht bei ihnen. Er wollte allein sein auf einem Berg, um zu beten.
Das Boot aber war schon viele Stadien vom Land entfernt
und wurde von den Wellen hin und her geworfen;
denn sie hatten Gegenwind.
In der vierten Nachtwache
kam er zu ihnen;
er ging auf dem See.
Als ihn die Jünger über den See kommen sahen,
erschraken sie,
weil sie meinten, es sei ein Gespenst,
und sie schrien vor Angst.
Doch sogleich sprach Jesus zu ihnen
und sagte:
Habt Vertrauen, ich bin es;
fürchtet euch nicht!
Mit Gott verbunden wie er es ist, kann er auch bei Sturm übers Wasser gehen. Sehr eigen. Petrus könnte auch. Lässt er sich herausfordern?
Petrus erwiderte ihm und sagte:
Herr, wenn du es bist,
so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme!
Jesus sagte: Komm!
Da stieg Petrus aus dem Boot
und kam über das Wasser zu Jesus.
Als er aber den heftigen Wind bemerkte,
bekam er Angst.
Und als er begann unterzugehen,
schrie er: Herr, rette mich!
Jesus streckte sofort die Hand aus,
ergriff ihn und sagte zu ihm:
Du Kleingläubiger,
warum hast du gezweifelt?
Und als sie ins Boot gestiegen waren,
legte sich der Wind.
Die Jünger im Boot aber
fielen vor Jesus nieder
und sagten:
Wahrhaftig, Gottes Sohn bist du.
(Matthäus 14,22-33)
Nach dem Sturm kommt Gott. Was für eine Perspektive, wenn sie meine Art prägt, wie ich in der Beziehung zu meiner Welt das lebe, was wirklich mein Eigenes ist!
Unsere Hoffnung gewinnt das neue Land.
Es leuchtet schon im Regenbogen alle Welt.
Wir träumen die Schöpfung, die vollendet wird in dir,
weil du unser Gott bist.
(7. = letzte Strophe des Liedes „Unsere Hoffnung bezwingt die schwarze Angst“ – M: Hans Florenz, T: Alois Albrecht, © Dehm Verlag, Limburg – Gesang: Herz-Jesu-Gemeinde Frankfurt-Fechenheim im Gottesdienst am Karfreitag 2001)
