Sonntagsbotschaft zum 1. März 2026, dem 2. Sonntag auf dem Weg vom Aschenkreuz zum Osterfeuer (Lesejahr A).
Wer sich für mehr Menschlichkeit einsetzt, wer sich schützend vor eine angegriffene Person stellt, wer Barmherzigkeit für Ausgegrenzte einfordert, riskiert Anfeindung und manchmal auch das eigene Leben.
Aber woher den Mut dazu nehmen?!
Trotzdem machen da viele mit. Nicht nur die Bischöfin von Washington und der Bischof von El Paso nehmen Migranten in Schutz gegen eine Politik, die sie als Menschen zweiter Klasse einstuft. Und Aktivitäten zivilen Ungehorsams haben zu allen Zeiten das Recht auf den Schutz von Lebensgrundlagen gegen eine aggressive Politik verteidigt. Obwohl da immer die Angst vor Sanktionen oder Diffamierungen eine Rolle spielen.
Heute nehmen die Versuchungen überhand; da muss man schon wissen, nach welchem Wertmaßstab man Stellung bezieht.
Von Jesus bezeugt die Bibel: Sein Rückhalt, dessen er sich bei Gott sicher war, bestärkte ihn, sich den Mächtigen in Religion und Politik entgegenzustellen, wo immer durch deren Herrschaft die Menschlichkeit zu Schaden kam.
Aus Gottes Wegweisungen hatten sie ihre eigenen Regeln gemacht – bis hin zu Kreuzzügen und Hexenverbrennungen – mit dem Etikett „Gottes heiliger Wille“. Lediglich um ihren Willen und ihre Interessen mit aller Gewalt durchzusetzen.
Dagegen verkörpert Jesus Gottes eigentlichen Willen für die Menschen, vor allem für die vom Lebensglück vernachlässigten – überall dort, wo es die Umkehr zu einem „neuen Denken“ braucht. Dazu ruft er auf und geht voran. Er verkörpert Gottes Widerspruch gegen alle Machtansprüche, die Menschen klein machen oder klein halten.
Mit dieser Haltung geht Jesus in die Konfrontation nach Jerusalem – bereit, alle Konsequenzen hinzunehmen, die ihm das einbringen mag; bereit dazu, so alle diese Gott und Menschen verachtende Versündigung der Mächtigen auf sich selber zu fokussieren und deren Strafen zu ertragen. (siehe Matthäus 16,21)
Sein Ziel: Von diesem lebensfeindlichen und widergöttlichen, aber von Generation zu Generation immer weitergegebenen Unwesen soll die Menschheit endlich frei werden! Schluss mit den Opfern der Kleinen für die Befriedigung der Großen! Dem Täufer Johannes legt die Bibel ein wahrhaft prophetisches Wort in den Mund, wenn er seine Einsicht hinausposaunt, was Jesus so befreiend wichtig macht: „Er nimmt hinweg die Sünde der Welt!“ (Johannes 1,29)
An diesem Sonntag – dem zweiten auf dem Weg nach Jerusalem, wo Ostern werden soll – überliefert das Evangelium ein Gespräch (siehe Matthäus 17,1-9).
Es geht um die Frage, wohin das führt; welches Ende dieser Weg nach Jerusalem nehmen würde – für Jesus und damit auch für die, die mit ihm gehen (siehe Lukas 9,31).
Da lauern Scheitern und endgültiges Ende; das macht ihnen Angst. Petrus hatte ihn sogar davon abhalten wollen. (siehe Matthäus 16,22-23)
Und jetzt – im kleinen Kreis und abseits – hält Jesus ihnen Mose und Elija vor Augen, Gesetz und Propheten. Bei diesem Licht besehen, sieht alles Bedrohliche ganz anders aus! Und solches neue Denken im Licht von Gottes Botschaft aus der Bibel verwandelt alles: Da schauen sie neu auf ihn und sehen ihn auf seinem riskanten Weg als den Türöffner zum Himmelreich! Aus der schwarzen Angst wird ihnen ein Sonnen-Licht, das sein Gesicht ausstrahlt und selbst seine Kleider in festliches Weiß hüllt. Nein, selbst wenn ihm das den Tod einbringen sollte, ist das nicht ein jämmerliches Scheitern! Vielmehr bringt er auf diese Weise den Durchbruch von Gottes Menschenliebe als alles bestimmende Kraft für ein erfülltes Leben aller Menschen. So wird er zum Segen für alle Generationen! Menschenwürde und Menschenrechte gelten als neues Gesetz. Das muss eben noch umgesetzt werden!
Und mittendrin zwischen anspornender Hoffnung und lähmender Angst schält sich ihnen Gottes eigene Stimme heraus: „Das ist mein Sohn, …! Hört auf ihn!“ (Matthäus 17,5)
Alles Fragwürdige, was sie in Elternhaus und Verwandtschaft, in Kultur und Land als tragendes Fundament für ihr Leben übernommen haben und worauf sie hörten, das können sie jetzt loslassen! Wie Abraham, den die Erste Lesung dieses Sonntags uns dazu vor Augen stellt, der merkt: Wenn er, weil Gott ruft, alles loslässt, was bisher seine Sicht vom Leben ausmacht und seine Lebensweise geprägt hat, dann führt das in die ersehnte gute Zukunft!
Jesus, eng verbunden mit Gott, mit seiner liebenden Zuwendung zu den Menschen, samt seinem Weg durch den Tod, ist jetzt – geradezu erschreckend – Erfüllung und Modell für ein neues Menschsein!
Verblüfft wie sie sind, wollen seine Begleiter da bleiben, diesen Moment erfüllender neuer Einsichten auf Dauer genießen und Hütten bauen!
Da bringt Jesus sie auf den Boden dieser Welt zurück. Sie sehen sich wieder auf dem riskanten Weg nach Jerusalem – gemeinsam mit den anderen.
Erst nach seiner Auferstehung werden sie in Worte fassen können, was sich ihnen hier eröffnet hat – im Bedenken seines Weges im Licht von Mose und Elija, im Licht der alten biblischen Botschaft! Ostern zeichnet sich da ab! (vgl. dazu auch die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus: Lukas 24,25-27)
Den Text dieses Evangeliums-Abschnitts sollten Sie sich unbedingt noch einmal zu Gemüte führen – in einer Bibel nachlesen, wo Sie auch nachschauen können, in welchem Zusammenhang der Text steht – und sich dafür ausgiebig Zeit nehmen, um es auf sich wirken zu lassen und zu spüren, was es in Ihnen auslöst – Gottes Wort, seine aufrichtende Botschaft im Gewand seiner menschlichen Sprache – Erfahrungen und Einsichten hochverdichtet – nicht wie eine Filmreportage oder ein Zeitungsbericht, eher als „Offenbarung“, mit der Gott selber rüberkommen will – eben in einem neuen Licht hinschauen …
Und wenn Sie dazu weitere Anregungen nutzen möchten, finden Sie vielleicht Hilfreiches in der „Sonntagsbotschaft“, wie ich sie 2023 gehört und verstanden habe: https://rainer-petrak.de/herausgefordert-zum-glauben/
