Blogbeitrag

Foto: privat - Adler - Kreta 2016

Abgekämpft auf Adlerflügeln

11. Juni 2026

SONNTAGSBOTSCHAFT zum 14. Juni 2026, dem 11. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr A).  

Stress. Belastet. Kaum angefangen, schon abgekämpft.

Finden Sie dazwischen immer wieder noch ausreichend Zeiten der Unterbrechung, um aufzuatmen und dieses wunderbare Leben genießen zu können?

Immer mehr Menschen fehlt es an Kraft, sich den zunehmenden Herausforderungen zu stellen. Personalausfälle durch Krankheitstage nehmen zu.

Und wer belastet ist und nicht mehr kann, gerät auch noch unter den Generalverdacht der Faulheit oder des Egoismus.

Immer weniger junge Menschen trauen sich in die Arbeitswelt. Wer studiert, hört immer mehr, wie vorteilhaft es doch sei, mit einem Job – oder auch mehreren! – den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren und so schon einmal das Arbeitsleben kennenzulernen …

Da ist das Glas nicht einmal halb voll.

Was sind das für Kräfte und Einflüsse, die diesen Trend verursachen und darüber hinaus vielleicht sogar noch erschreckend verstärken?

Und worauf zu achten wäre wichtig, um solchen Entwicklungen entgegen positive Lebenskräfte zu stärken und die Perspektive eines guten Lebens in gelingendem Miteinander zu stabilisieren?

Da finde ich wohltuend und anregend, worauf die Bibeltexte dieses Sonntags aufmerksam machen. Gerne spüre ich dem nach, was sie in mir auslösen. Vielleicht gelangen Sie ja auch in Resonanz damit.

Zuerst geht es da um das Volk in einer Zeit großer Veränderungen. Sie sind froh, dass sie ihre Zeit großer Belastungen hinter sich gelassen haben. Aber die Freiheiten, die sich abzeichnen, sind auch mühsame Herausforderungen. Sie schwanken zwischen belebenden Hoffnungen und lähmenden Bedenken. Was gibt ihnen Halt angesichts so vieler offener Fragen?

Da bringt sich ihnen Gott in Erinnerung (vgl. Exodus 19,2-6a).

Mose, der auf Abstand gegangen war zu der allgemeinen Verunsicherung, der auf dem Berg Gott zu begegnen gesucht hatte, der richtet den Menschen jetzt aus, was Gott ihnen für ihren Blick in Richtung Zukunft ans Herz legt:

Seht doch, erinnert euch, was ihr selber erlebt habt, als ihr meiner Zusage getraut habt: Wie ich euch auf Adlerflügeln bis hierher getragen habe!

Was für ein schönes Bild – aus einer Zeit, in der man vom Fliegen nur träumen konnte, wenn sich auf dem Boden keine Richtung mehr anbot, in der man den von überallher drohenden Gefahren entgehen konnte! Auf Adlerflügeln getragen und in befreite Sicherheit gebracht!

Und jetzt geht ihr auf eigenen Füßen weiter. Auf welche Stimmen werdet ihr jetzt hören? Wenn ihr auf meine Stimme hört, euch auf den Bund mit mir einlasst und meiner Wegweisung traut, dann wird es euch echt gut gehen im Vergleich zu den Völkern, die anderen Stimmen gehorchen. Denn dann kann ich ja gut auf euch achten und euch wie mein spezielles Eigentum in allen Widrigkeiten schützen. Dann werdet ihr sehen, dass ihr mir heilig seid als ein Volk aus Menschen mit unantastbarer Würde – so wie es in der Welt bisher nur Königen und anderen „Hochwürden“ zugebilligt wurde.

Wenn Sie eine solche Zusage bei sich ankommen lassen, spüren sie da auch diese entspannende, humorvolle Bestärkung?

Eigentlich nichts Anderes sagt dann auch der zweite Bibelabschnitt dieses Sonntags (vgl. Römer 5,6-11). Da erinnert Jahrhunderte später der Apostel Paulus daran, mit welchem Nachdruck Gott in Jesus von neuem gezeigt hat, wie er zu den Menschen steht.

Wenn es drauf ankommt, den Angriff auf einen Menschen oder eine andere Lebensgefahr von ihm abzuwehren, dann hat sogar bei der Feuerwehr der Schutz der Rettungskräfte Vorrang. Das eigene Leben für die Rettung eines anderen riskieren? Ja, für einen wertgeschätzten Menschen oder einen Freund oder gar fürs eigene Kind sein Leben einzusetzen, das ist ja vielleicht drinnen. Aber für einen Gegner, für einen Verbrecher, für einen Feind, nur weil er ein Mensch ist?

Für Gott ist das keine Frage, meint Paulus: Zwar wird schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen. Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren!

„Sünder“. Also Menschen, die sich abgesondert haben von Gott; die nichts von seinen Angeboten und Wegweisungen halten. Die er aber liebt, weil sie seine Menschen sind!

Und das Matthäus-Evangelium macht es konkret, weckt heute Aufmerksamkeit wegen seiner Anspielungen an die Belastungen vieler Menschen auch unserer Tage:

Als Jesus die vielen Menschen sah,
hatte er Mitleid mit ihnen;
… sie waren müde und erschöpft
wie Schafe, die keinen Hirten haben.

Und mit seinem Blick für die Menschen – welche Konsequenz zieht er daraus?

Da sagte er zu seinen Jüngern:
Die Ernte ist gro
ß,
aber es gibt nur wenig Arbeiter.
Bittet also den Herrn der Ernte,
Arbeiter f
ür seine Ernte auszusenden!

Und er rief seine zwölf Jünger zu sich
und gab ihnen Vollmacht,  
die unreinen Geister auszutreiben
und alle Krankheiten und Leiden zu heilen. …
Geht und verk
ündet: Das Himmelreich ist nahe!
Heilt Kranke,
weckt Tote auf,
macht Auss
ätzige rein,
treibt D
ämonen aus! …
(Matthäus 9,36 – 10,8)

Von sich aus würden sie sich das nie zutrauen – ebenso wenig wie wir uns so etwas zutrauen würden. „Vollmacht“ nennt er es – zur Befreiung von allen Krankheiten und Leiden … Die belebende Kraft von Gottes Herrschaft will eingebracht werden! Dafür braucht es viele Menschen; er als einzelner, das ist zu wenig! Dafür sollen sie sich zusammentun! Er steckt seine Leute an, stiftet sie an, „unreine Geister auszutreiben“ – wie man das damals so nannte – Zwänge zu lösen, die nur Krankheiten und Leiden schaffen. Weil: das sogenannte „Himmelreich“, Gottes Herrschaft seiner Menschenfreundlichkeit soll jetzt sich ausbreiten!

Was für eine Perspektive! Nicht nur „schon die halbe Miete“. Da ist „das Glas schon fast ganz voll“!

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