Blogbeitrag

Christkönigsfest, 22. November 2015, mit Taufe

15. November 2015

„Christus – König“. Dieses Fest feiern wir in der katholischen Kirche seit 1925: Eine Reihe von Königreichen hatte damals ihr Ende gefunden.

Und was kam dann? Kommunismus, Kapitalismus, Nationalsozialismus – alle wollten sie sich als die neue Ordnung durchsetzen.

Der Glaube der Christen setzte dagegen:
Das neue Fest sollte die Herrschaft Christi anerkennen als Fundament einer zukünftigen Ordnung. Sein Einfluss, das Reich Gottes, sollte Hoffnung bringen für die aus den Fugen geratene Welt.

Den Protest gegen einen alles beherrschenden Quasi-Gott-König hatten schon die frühen Christen zum festen Bestandteil ihres Gottesdienstes gemacht: Den Huldigungsruf „Kyrie eleison!“, also „Herr, erbarme dich!“ – statt ihn wie damals alle Welt an den Kaiser zu richten, riefen sie nur Christus zu. Das hieß: Nichts und niemand soll bei uns alles beherrschen! Nur Jesus Christus ist uns der Herr!

Das schmeckte natürlich weder dem römischen Kaiser noch den Diktatoren des 20. Jahrhunderts. Und das schmeckt auch heute vielen nicht, die in unserer Gesellschaft herrschende Kraft sein wollen.

Das neue Christkönigsfest wurde damals in Deutschland schnell populär. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde die Vorstellung von Christus als dem König nach Gottes Art für viele zur Kraftquelle, sich gegen die Nazi-Herrscher aufzulehnen. Unser „König“ ist Christus, verkündeten sie. Das war mehr als ein Lippenbekenntnis. Wegen dieses Bekenntnisses sind viele verfolgt und umgebracht worden – im Nazi-Reich ebenso wie im alten Römischen Reich.

Heute bezeugen und feiern wir mit diesem Fest, wofür wir Christen uns entschieden haben – jeder einzelne mit seiner Taufe und dem immer wieder erneuerten Bekenntnis dazu: Diesem und jenem gott- und menschenfeindlichen Bösen – „ich widersage“!
und diesem Gott, wirklich Mensch geworden in Jesus Christus, – ja, „ich glaube“! Jesus Christus ist – in der Sprache der vorhin gehörten 2. Lesung aus dem Buch der Offenbarung – „das Alfa und das Omega“ (siehe Osterkerze), das A und O für die Geschichte auch unserer Tage.

Es ist der letzte Sonntag im Kirchenjahr, bevor wir in einer Woche mit dem 1. Adventssonntag ein neues anfangen: sozusagen eine Aussichtsplattform, von der aus wir Ausschau halten nach der zuverlässigen Vollendung, auf die hin unsere Geschichte vorwärts strebt.

Jesus Christus ist der Weg. Er, dessen „Königtum“ – wie er selber im Evangelium heute gesagt hat – die Wahrheit vom geheiligten menschlichen Leben nicht unter die Räder kommen lässt; der in seiner Person die totale Liebe verkörpert bis hin zur Selbsthingabe am Kreuz. Damit die Menschen zur Fülle des Lebens kommen. Und damit alles, was dem entgegensteht, nicht weiter herrschen kann.

I., I.’s Familie und uns alle samt unserer Welt will er als Menschen voranbringen. Mit der Taufe bindet er sich selber mit der Zusage: „Du, Mensch, bist mir heilig. Auf dich lasse ich nichts kommen. Eher gehe ich in den Tod.“ Er macht sich ganz und gar mit uns eins, macht uns mit der Taufe zu seinen Gliedern. So wird I. heute – wie wir alle, wissend oder nicht, damals mit unserer Taufe – zu einem Glied am Leib dieses Königs, logischerweise selber voller königlicher, höchster, unantastbarer, also heiliger Würde.

Und als Organismus, der ihn leibhaftig darstellt, versammelt er uns – immer wieder neu – um sich herum als unserer Mitte und schickt uns dann wieder dahin, wo wir leben: in Familie und Beruf, Nachbarschaft und Verein, ins Gemeinwesen und in die Weltpolitik.

So kann er mit denen, die an ihre eigene geheiligte Würde glauben, aller Welt deutlich machen:
Er ist es zuverlässig, der liebt und rettet und heilt und befreit; Er, der mit uns, mit I., mit ihrer Familie, mit unserer Stadt, mit unserer von Terrorismus und Klimakatastrophe bedrohten Welt alles zum Guten führt. Überall da – so hat er es vorhin im Evangelium gesagt – , wo Menschen „auf seine Stimme hören“, wo er als herrschende Kraft gewollt ist und aufgenommen und rangelassen wird.

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Rainer Petrak