Blogbeitrag

Das lass’ ich mir gefallen!

24. April 2019

zum Einstieg in die Feier der Österlichen Tage (2019)

Was tut Jesus eigentlich am Vorabend des Karfreitags? –

Das Tagesgebet, mit dem wir unsere Feier begonnen haben, benennt es so:

Am Abend vor seinem Leiden hat dein geliebter Sohn
der Kirche
(1.) das Opfer des Neuen und Ewigen Bundes anvertraut
(2.) und das Gastmahl seiner Liebe gestiftet. –

„Anvertraut“ und „gestiftet“.

„Anvertraut“ hat er der Kirche den totalen Einsatz seines Lebens, auf den Gott jetzt den „Neuen Bund“ mit seinem Volk gründet.

„Anvertraut“ mit welchem Ziel? mit welcher Absicht, welchem Wunsch? „Anvertraut“, damit die Kirche wie damit umgeht? Was ist da gemeint, worauf er bei uns vertraut?

Was hofft er, was wir damit anfangen?

Die Erzählung von der Fußwaschung an diesem Abend beschreibt sehr nachdrücklich: Wenn wir mit ihm zu tun haben wollen, müssen wir uns von ihm bedienen lassen, müssen wir – für uns selbst – seinen Liebesdienst annehmen – in dem Vertrauen: Das bringt Lebenserfüllung! Jesus traut uns zu, dass wir uns ihn gefallen lassen!

Wenn dieses gegenseitige Vertrauen, dieser „Bund“ zustande kommt, ergibt sich aus der Logik solcher Begegnung ein zweiter Aspekt, der über uns selbst weit hinaus strebt: Die Freude daran, dass er das für alle Menschen will, lässt in unserm Herzen und in unserer Gemeinsamkeit den Willen explodieren: Das pflegen und fördern wir jetzt für die ganze Menschheit. Denn das ist der Anfang einer neuen Welt: Befreiung aller zu erfülltem Leben! Jesus traut uns zu, dass wir diese Verantwortung übernehmen wollen: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben!“

Was für ein Beispiel hat er denn gegeben, dessen Wesentliches im Zeichen der Fußwaschung gipfelt und das auf seinen bevorstehenden Tod hinweist?

Jahrelang hat er ihnen seine eigene Art gezeigt, den Menschen zu begegnen. Und dazwischen hat er immer wieder versucht, verständlich zu machen, warum er so handelt und warum es sich lohnt, sich zu bekehren zu diesem ganz anderen Gott, zu diesem revolutionär liebenden und barmherzigen Gott. Was die Evangelien uns von ihm bezeugen, ist ja eine einzige, nicht enden wollende Aufzählung von Beispielen, mit denen er sie von ihrem eingefleischten Bild eines „gerechten“, in Wirklichkeit „rächenden“ Gottes losketten wollte.

Angefangen mit seiner ersten Predigt in Nazareth, wo er sie aufmerksam macht, dass schon in der Vergangenheit nur Leute, die bei ihnen als Ungläubige galten, sich vom Gott Israels retten ließen, wie der syrische General Naaman – oder die Witwe im heidnischen Sarepta, dass sie selber sich aber in ihrer Frömmigkeit lieber an ihren pflichtmäßigen Opfern für Gott festklammerten. Dass Jesus ihnen mit diesem Hinweis einen wertvollen, liebend befreienden Dienst tat, das begriffen sie ebenso wenig wie Petrus bei der Fußwaschung. Empört und beleidigt wie sie waren, trieben sie ihn hinaus und wollten ihn den Abhang hinabstürzen (Lukas 4,29).

So viele weitere Beispiele gleichen Musters reihten sich daran – über diverse Heilungen am Sabbat, wofür sie ihn töten wollen (z.B. Johannes 5,18) … Wenn es ihm gelang, dass Menschen sich aus der Besessenheit von geradezu dämonischen Kräften sich von ihm befreien ließen, etwa der Zöllner Zachäus, dann konnten sie das nicht als Liebesdienst aus Gottes Kraft erkennen. Dazu waren sie viel zu tief verliebt in ihre eigenen Bräuche, Ordnungen und Gesetze. Deswegen heißt es immer wieder: Sie berieten, wie sie ihn beseitigen könnten.

Und das geht weiter bis zum unerwarteten Freispruch der Todeskandidatin im Jerusalemer Tempelvorhof, zu dem Jesus das Gericht veranlasst, und zu dem anschließenden Streitgespräch, wonach sie ihn steinigen wollen (Johannes 8,59). Und in der Summe für alles das hatte sich längst abgezeichnet: Sie werden sich das nicht gefallen lassen; sie lassen sich von so einem den von den Römern ihnen belassenen letzten Rest ihrer Macht nicht streitig machen.

Am Ende dieses Weges fragt Jesus die, die zu ihm gehören wollen, seine ersten Christen damals: „Begreift ihr, was ich getan habe?“ Unterwegs hatte er ja seine Leute wiederholt bereits auf das vorbereiten wollen, was da auf ihn zukommen würde. Und jetzt, da es aufs Ende zu geht – auf seinem Weg, der ihm schließlich den Tod am Kreuz einbringt – , da fragt er sie: „Begreift ihr …?“ Er traut ihnen zu, vom Verstehen nicht mehr weit entfernt zu sein.

Seine Sichtweise vom Leben und von der Welt ist es, was er ihnen anvertraut, seine Sicht von Gott und von der Macht seiner Liebe. Und er hofft, dass sie sich das selbst auch zu eigen machen und ihre Freude an dieser Art der Selbstverwirklichung finden.

Das Tagesgebet am Anfang unserer Feier nannte nach dem Wort vom „Anvertrauen“ als Zweites, was Jesus an diesem Abend tut: „… und er hat das Gastmahl seiner Liebe gestiftet.“ Also auf Dauer eingerichtet hat er dieses Festmahl. Es ist die äußere Gestalt, in der man ihn sinnlich und sozial erleben kann – seine bis in den Tod gehende Liebe zu uns und zu allen, wie er sie uns anvertraut und zutraut. Es ist das Fest des Lebens in Fülle, das er halt nur denen zufügen kann, die sich von ihm lieben lassen und die diese Orientierung ihres Lebens miteinander teilen und deswegen sich dieses Gastmahl gefallen lassen.

Da wird er selbst das Mittel zum erfüllten Leben, zum Brot für allen Hunger und zum Wein, der das Herz erfreut. Zeitlich festgemacht “am Abend vor seinem Leiden” und “in der Nacht, in der er verraten wurde”.

Der Apostel Paulus beschreibt den Zusammenhang in der 2. Lesung, die wir gehört haben: An diesem Gastmahl teilnehmen heißt, sich zur eigenen neuen Lebensweise aus seinem Tod zu bekennen und die Liebe, die da geschieht, in die Welt zu tragen: “Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn …” (1. Korinther 11,26), sagt er.

Die Bibel stellt dieses Mahl von Jesus mit seinen Leuten in den Zusammenhang mit dem Pascha-Mahl. Das war ja für die in Ägypten versklavten Israeliten zum Aufbruch in die Freiheit geworden. Und jetzt geschieht hier bei uns die Neuauflage: In unserer Feier der 3 Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus.

Hier können Sie meinen Beitrag weiter empfehlen:

Rainer Petrak