Blogbeitrag

Vom Entsetzen zum Staunen

24. April 2019

Predigt Karfreitag 2019

zu Jesaja 52,13-53,12:

Entsetzen: Viele haben sich über ihn entsetzt. So entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen und Krankheit. … wir schätzten ihn nicht. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt.

Staunen: Jetzt aber setzt er viele Völker in Staunen, … Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt. …

Begriffen: Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, wegen unserer Sünden zermalmt. Er gab sein Leben dem Tod preis und ließ sich unter die Verbrecher rechnen. Er trug die Sünden von vielen und trat für die Schuldigen ein. Die vielen macht er gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.

Glauben: Der Weg vom Entsetzen zum Staunen!

Viele heutige Katholiken erfüllt weiterhin der Karfreitag vor allem mit Entsetzen: Was sind die Menschen doch so böse, dass sie das dem Jesus angetan haben! Warum nur haben sie das getan? Für unsere Sünden“ = Ach so, ich bin schuld dran! Doppeltes Entsetzen! Deswegen sagen viele: Den Karfreitag erspare ich mir. Der ist mir zu bedrückend.

Jesus: „Weint nicht“ (= entsetzt euch nicht) über mich, (vielmehr) weint und entsetzt euch „über euch und eure Kinder“, über die Einflüsse, die euer Leben beherrschen. Wenn ihr „begreift“, werdet ihr über mich und meine Liebe staunen!

Was hindert unsereins heute daran, vom „Entsetzen“ zum „Staunen“ zu kommen?! Wo doch die Liturgie für den Karfreitag als Höhepunkt die Kreuzverehrung vorsieht, also die dankbar-frohe Anbetung!

Die Kirche trägt dazu bei: Im Umfeld vom Karfreitag wird diese Sichtweise verstärkt, z.B. durch die für die „Kreuzwege“ typischen Gewissensfragen (die in Wirklichkeit den Stellenwert von Selbstvorwürfen haben): Wo verurteile auch ich Menschen? … Wo bleibe auch ich fern? … Wo verleugne auch ich …? Wenn den Menschen das „schlechte Gewissen“ gepflegt wird, kann man sie viel leichter klein halten, also weiterhin Macht über sie ausüben.

„Für unsere Sünden“ – was heißt das eigentlich? Hat er etwa den Sünden was Gutes getan? Etwas „für sie“? Was heißt hier „für“? Die Botschaft der Bibel ist klar: Er hat uns „freigekauft“ von der (eigentlich durchaus „verdienten“) Strafe für unsere Sünden, indem er die Strafe an unserer Stelle „bezahlt“ hat, ertragen hat.

Große Fürbitten: Lass das doch bei allen ankommen! – Die Perspektive, die du uns mit diesem liebenden Total-Einsatz deines Lebens eröffnest, ist unglaublich und wunderbar! Dafür können wir dich nur dankbar staunend anbeten!

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Rainer Petrak