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Starke Perspektive

10. Februar 2022

Sonntagsbotschaft zum 13. Februar 2022, dem 6. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C) 

Alle paar Jahre begegnet mir eine Aussage von religionssoziologischen Untersuchungen, die seit Jahrzehnten etwa gleichbleibend lautet: Von allen Katholiken in Deutschland glauben etwa 30% an die Auferstehung.

An diesem Sonntag erinnert die 2. Schriftlesung daran, dass Christen anscheinend schon immer Schwierigkeiten hatten mit diesem für den christlichen Glauben doch so zentralen Wort von der „Auferstehung“. In seinem ersten Brief an die Christen-Gemeinde in Korinth konfrontiert Paulus sie damit:

Wenn aber verkündet wird,
dass Christus von den Toten auferweckt worden ist,
wie können dann einige von euch sagen:
Eine Auferstehung der Toten gibt es nicht?
(1 Korinther 15,12)

Kurz davor hatte Paulus daran erinnert, dass es bei der „Auferstehung“ um Wesentliches des Glaubens geht, um das Wichtigste im Glauben an Christus:

„… vor allem habe ich euch überliefert, …:
Christus ist für unsere Sünden gestorben,
… und ist begraben worden.
Er ist am dritten Tag auferweckt worden, …“
(Verse 3 und 4)

Und wie wichtig es für Christen ist, sich diesem Thema zu stellen und auch darum zu streiten, betont Paulus in den anschließenden Versen, die die Leseordnung an diesem Sonntag leider auslässt:

Wenn es keine Auferstehung der Toten gibt,
ist auch Christus nicht auferweckt worden.
Ist aber Christus nicht auferweckt worden,
dann ist unsere Verkündigung leer,
leer auch euer Glaube.

Wir werden dann auch
als falsche Zeugen Gottes entlarvt,
weil wir im Widerspruch zu Gott
das Zeugnis abgelegt haben:
Er hat Christus auferweckt.
Er hat ihn eben nicht auferweckt,
wenn Tote nicht auferweckt werden.

(1 Korinther 15,13-15)

Und Paulus – auch die Lesung im Sonntags-Gottesdienst – fährt fort:

Denn wenn Tote nicht auferweckt werden,
ist auch Christus nicht auferweckt worden.
Wenn aber Christus nicht auferweckt worden ist,
dann ist euer Glaube nutzlos
und ihr seid immer noch

in euren Sünden;
und auch die in Christus Entschlafenen
sind dann verloren.
Wenn wir allein für dieses Leben
unsere Hoffnung auf Christus gesetzt haben,
sind wir erbärmlicher daran
als alle anderen Menschen.
Nun aber  i s t  Christus
von den Toten auferweckt worden
als der Erste der Entschlafenen.

(1 Korinther 15,16-20)

Eigentlich wollte ich zuerst gerade wegen der „Schwierigkeit“ des Themas lieber in den anderen Texten des Sonntags nach einer aussagekräftigen „Sonntagsbotschaft“ Ausschau halten. Aber dann wusste ich mich vor die Frage gestellt, welchen Stellenwert dieses Thema für mein eigenes Leben hat. – – –

Ich frage mich also: Was ändert die Auferstehung von Christus an meinem Leben? Wie wirkt sich seine Auferstehung aus auf meinen Lebensweg und auf meine Lebensweise? Was ist mir wichtig beim Glauben an die Auferstehung? Und was macht mich darin so gewiss?

Ich könnte jetzt stundenlang erzählen aus meiner Lebensgeschichte und wie mein Glaube – mit Umwegen und Rückschlägen – geworden und gewachsen ist unter dem Eindruck meiner Erfahrungen und unter dem Eindruck von Glaubenszeugnissen anderer.

Stattdessen fallen mir Beispiele aus meinem Leben heute ein:

An Utes Grab bitte ich Gott gerne: „Schenke ihr Erfüllung und Vollendung in deiner Herrlichkeit!“ Dabei ergänze ich manchmal: „Erfüllung all ihrer Sehnsucht und ihres Engagements“ und „Vollendung ihrer eigenen Person“.

Und wenn ich mir bewusst werde, keine Ahnung zu haben, wie nach meinem eigenen Sterben meine „Auferstehung“, mein „Leben“ oder meine „Vollendung“ aussehen könnte, kommt mir immer wieder in den Sinn: „jedenfalls noch schöner“ als zu meinen hiesigen Lebzeiten.

Ich weiß mich von Gott geliebt. So kann ich gut damit leben, dass ich alles, was ich anstrebe, zu meinen Lebzeiten bestenfalls bruchstückhaft und unvollkommen erreichen oder erleben werde.

Im Gegenzug kann ich mich über alles dankbar freuen, was irgendwie gelungen ist oder schön war.

Und wenn mir beim Beten ein „Bedauern“ in den Sinn kommt, dass mir dies und jenes bisher nur zum Teil gelungen ist, dass ich viel Wertvolles und Wichtiges schuldig geblieben bin oder dass ich nur Teile von Ersehntem oder Verheißenem bisher habe erleben können, dann sehe ich meine Aufmerksamkeit oft umgelenkt – hin zu den Anteilen solcher Erfahrungen, die mir eben gut gelungen sind oder die mir erfreulicherweise schon widerfahren sind.

Gerne halte ich Ausschau und bemühe mich weiter um Schritte „nach vorn“. Aber ich „muss“ in keinerlei Hinsicht zu meinen Lebzeiten noch dies oder das leisten oder erreichen. Ich „weiß“ dann immer, dass das, was mir in der „Vollendung“ bevorsteht, eh um ein Vielfaches noch erfreulicher, noch schöner, noch wunderbarer sein wird. Da wird mir klar: Ich bin da in keiner Weise „benachteiligt“ oder „zu kurz gekommen“, sondern die Ahnung oder auch die Gewissheit tut mir gut: Alles Ersehnte steht mir in ungeahnter Erfüllung bevor – in der „Dimension“, die meiner Wahrnehmung zu diesen Lebzeiten noch nicht zugänglich ist; in der „Ewigkeit“, in der die „Vollendung“ auf mich zukommt.

Mit dieser Sichtweise weiß ich mich beschenkt und immer wieder bestärkt durch alles das, was ich aus der Bibel an Gottes Botschaft höre, was stärker ist als der Tod und von wo aus sich mir „Fülle des Lebens“ als Perspektive schon für das Leben vor dem Sterben ergibt – als Geschenk und als verantwortungsvolle Aufgabe.

In eine gängige Sprache übersetzt, kann ich auch sagen: Schön, wenn das Leben Spaß macht! Aber noch schöner finde ich es, wenn es mir – auch unter Mühen und Verwundungen – gelingt, dazu beizutragen, dass es auch noch mehr anderen Menschen gut geht. Meine Freude in der Auferstehung wird dann doppelt groß sein!

Leider ist in der Geschichte immer wieder die eine Perspektive gegen die andere ausgespielt worden:

Die Hoffnung auf „den Himmel“ wurde missbraucht als Forderung, Armut und Unrecht hinzunehmen.

Für Menschen, denen die Erfahrung eines barmherzigen Gottes vorenthalten wurde, die aber dennoch an die eigene Würde glaubten, denen konnte ihre Antwort auf diese – als  Machtinstrument durchschaute – Vertröstung nur darin bestehen, dass sie „den Himmel“ – oder wie auch immer man ihn nennt, samt der „Auferstehung“ – oder wie auch immer man die Schwelle dorthin nennt – logischerweise schlichtweg verneinten.

Ich gehe davon aus und hoffe, dass eine Versöhnung beider Perspektiven dann zustande kommt, wenn Menschen sich miteinander der Botschaft öffnen, mit der Christus uns aus der Bibel begegnet – in offenem Austausch und respektvoller Ergänzung – voller offener Fragen und mächtiger Sehnsucht … Da wird er den Text der Bibel zum Sprechen bringen; Er, der – in der Reihenfolge – „Erste der Entschlafenen“, wie Paulus sagt, der sich schon darauf freut, dass auch wir mit ihm auferstehen.

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