Blogbeitrag

… als christliche Eheleute

23. September 2010

Wenn zwei Menschen sich dafür entscheiden, dass ihre Beziehung zueinander der Ort sein soll, wo sie die Liebe, die Christus und seine Kirche verbindet, in besonderer Zuverlässigkeit erleben und leben können, dann ist das eine starke Perspektive. Und wenn es in einer Gemeinde viele davon gibt, dann zieht diese Liebe Kreise in die Umgebung. So verstandene „christliche Eheleute“ sind für eine ausstrahlende Kirche wichtig.

Deshalb sieht „Die Feier der Trauung in den katholischen Bistümern des deutschen Sprachgebietes“ (das offizielles liturgische Buch von 1992) vor der eigentlichen Trauung die Frage an die Brautleute vor: „Sind Sie beide bereit, als christliche Eheleute Mitverantwortung in der Kirche und in der Welt zu übernehmen?“

Eines Tages kam ein junges Paar, um die kirchliche Trauung mit mir vorab zu besprechen. Da ich beide nicht kannte, kam es mir zunächst darauf an, uns ein wenig kennen zu lernen und eine Vertrauensatmosphäre zu suchen. Das gelang ganz gut. Entspannt und lachend, in der Vorfreude auf ihre Hochzeit, sprachen sie offen über sich und ihr Leben.

In diese Offenheit hinein fragte ich: Und wie lange soll denn Ihre Ehe dauern? Die Antwort sinngemäß: Ach, wissen Sie, Herr Pfarrer, wir fangen erst gar nicht an mit so Sprüchen wie „das Leben lang“; wir bleiben so lange zusammen, wie es eben klappt. Da ich beide ernst nahm, konfrontierte ich sie nicht gleich mit meiner (auch kirchenoffiziellen) Sicht, sondern hörte  weiter zu, wie sie das meinten und was sie sich dabei dachten. Dann sagte ich: Wir in der Kirche haben da eine Sicht von der Ehe – da müssen wir mal schauen, wie das mit Ihrer Sicht zusammenkommen kann. Und ich bemühte mich, verständlich darzulegen: Von einer „Ehe“ reden  – das geht nach den Mindestvorstellungen der Kirche nur, wenn beide Partner die aufrichtige Absicht haben, das Leben lang zusammen zu bleiben – wie es in der „… Feier der Trauung …“ (siehe oben) auch genannt ist: „Wollen Sie Ihre Frau / Ihren Mann lieben und achten und ihr / ihm die Treue halten alle Tage ihres / seines Lebens?“

Beide verstanden, dass es da ein Problem gab, das einer kirchlichen Trauung entgegen stand. Ich versuchte, eine Brücke zu bauen: Die Entscheidung zu einer Eheschließung sei ein Prozess, für den beide Partner Zeit brauchen, um Klarheit herzustellen und zu finden. Ich bot mich an, beide auf diesem Weg zu begleiten und zu beraten – ergebnisoffen und im Respekt sowohl für sie beide selbst als auch für das, was uns da in der Kirche heilig ist.

Das Gespräch endete nachdenklich. Beide wollten sich alles durch den Kopf gehen lassen und sich wieder melden, wenn sie den Dialog fortsetzen wollten. –  Sie kamen nicht wieder.

(Aus dem Buch „Den Retter-Gott ranlassen. Damit Kirche wirklich Kirche ist.“ Kapitel 21 „Die Liebe, mit der Christus liebt“)

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Rainer Petrak