Blogbeitrag

1972 Chamonix Seilbahn

Ausflug in den Himmel

11. Mai 2021

„Sonntag“sbotschaft zum 13. Mai 2021, 
dem Fest der „Himmelfahrt“ von Jesus Christus 
und Beginn des 3. Ökumenischen Kirchentags 

… eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.
(Apostelgeschichte 1,9)

Ich konnte nicht anders, als diesen Satz aus der Apostelgeschichte auszusprechen, als ich das so sah. Die Seilbahn verschwand in der Wolke. Ich wusste, in 20 Minuten kommt sie oben an. Zwar nicht im Himmel, aber vielleicht über den Wolken, jedenfalls ganz nahe dem höchsten Berg Europas.

Es ist zwar schon 49 Jahre her, dass ich mit dieser Seilbahn von Chamonix aus im französischen Savoyen hinauffuhr zur Aiguille du Midi, Nachbarberg des Mont Blanc. Aber dieses Bild ist mir immer noch eine intensive Erinnerung.

Und das entsprechende Ereignis, von dem die Apostelgeschichte erzählt, ist schon um die 2000 Jahre her – und die Erinnerung daran genießt heute immer noch den Schutz eines gesetzlichen Feiertags.

Wie kommt’s? Was ist da so wichtig?

An diesem Festtag – und die Corona-Pandemie hätte das fast verhindert – ereignet sich wieder etwas Wichtiges:

Mit dem 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt verbinden Christen aller Konfessionen die Erwartung, dass Streit und Uneinigkeit, die die Hoffnung auf einen „Himmel“ in dicke Wolken hüllen, endlich aufreißen zu einer „Sonne der Gerechtigkeit“.

Das soll mit der Himmelfahrt des Herrn anfangen. Auf katholischer Seite heißt es dazu in dem programmatischen Tagesgebet:

In der Himmelfahrt deines Sohnes
hast du den Menschen erhöht.

Inwiefern? Was sagt denn die Bibel darüber?

Die Apostelgeschichte erzählt von den 40 Tagen, in denen der am Kreuz hingerichtete Jesus seinen Freundinnen und Freunden leibhaftig lebendig nahegekommen ist und ihnen Mut gemacht hat auf den neu belebenden Geist, der ihn schon selber erfüllt hatte:

Ihr werdet Kraft empfangen,
wenn der Heilige Geist auf euch herabkommen wird;
und ihr werdet meine Zeugen sein
in Jerusalem
und in ganz Judäa und Samarien
und bis an die Grenzen der Erde.
(Apostelgeschichte 1,8)

Mit der Wahl von Psalm 47 als Antwortpsalm meint die Kirche dann, die Reaktion der Völker auf ein solches Bezeugen von Gottes Plänen mit seiner Menschheit im voraus schon passend zu beschreiben:

Ihr Völker alle, klatscht in die Hände;
jauchzt Gott zu mit lautem Jubel!…
Singt unserm Gott, ja singt ihm! …
Denn König der ganzen Erde ist Gott. …

Alle Welt Gott applaudieren und zujubeln mit lautem Gesang? In den Fußballstadien steht dem aktuell das Corona-Virus entgegen. Und in den Kirchen? Was steht da dem entgegen? Im Programm des Ökumenischen Kirchentags sehe ich da die „drei zentralen Leitfragen“:

Alles eine Frage des Glaubens und Vertrauens?
Zusammenhalt in Gefahr?
Eine Welt – Globale Verantwortung?

Wo immer Jesus Menschen begegnet ist, hat das durchaus Jubel ausgelöst und er hat Vertrauen, Zusammenhalt und Verantwortung gestärkt. Immer im Kontrast. Im Kontrast wozu?

Misstrauen, Vereinzelung und Eigensucht. Wo sie den Menschen erniedrigt und ihm das Leben zur Hölle gemacht haben, da hat er sich mit ihnen solidarisiert, ihre verletzte Würde wiederhergestellt, ja, den Menschen „erhöht“, wie es das Tagesgebet benennt.

Und so wie Jesus sich da hineinbegeben und Anteil genommen hat an ihrer Erniedrigung, so hat Gott bestätigt, dass er damit Anteil gegeben hat  an der „Erhöhung“ des Menschen zu einem Leben, das dem „Himmel“ zustrebt.

Was haben seine Gegner ihn erniedrigt wegen seiner Zuwendung zu den Menschen! Aber Gott hat ihn gerade dafür total „erhöht“!

Die Passage aus dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde in Ephesus, die an diesem Festtag als 2. Lesung zu hören ist, legt auch uns heute mit starken Worten solchen Jubel ans Herz:

Der Gott Jesu Christi, unseres Herrn,
der Vater der Herrlichkeit,
gebe euch den Geist der Weisheit und Offenbarung,
damit ihr ihn erkennt.
Er erleuchte die Augen eures Herzens,
damit ihr versteht,
zu welcher Hoffnung
ihr durch ihn berufen seid,
welchen Reichtum
die Herrlichkeit seines Erbes den Heiligen schenkt
und wie überragend groß
seine Macht sich an uns, den Gläubigen, erweist
durch das Wirken seiner Kraft und Stärke.
Er ließ sie wirksam werden
in Christus,
den er von den Toten auferweckt
und im Himmel auf den Platz zu seiner Rechten erhoben hat,
hoch über jegliche Hoheit und Gewalt,
Macht und Herrschaft
und über jeden Namen, der nicht nur in dieser Weltzeit,
sondern auch in der künftigen genannt wird.
Alles hat er ihm zu Füßen gelegt
und ihn, der als Haupt alles überragt,
über die Kirche gesetzt.
Sie ist sein Leib,
die Fülle dessen, der das All in allem erfüllt.
(Epheser 1,17-23)

Wenn die Christen aller Konfessionen sich dann mal in dieser Sichtweise treffen – vielleicht mit Hilfe eines solchen überkonfessionellen Kirchentages – , dann wird Gott das wahr machen können, was uns da ans Herz gelegt ist!

Also doch: Ausflug in den Himmel. Und dann dort Wohnung nehmen, dort die eigene Heimat erkennen! Himmelfahrt des Herrn!

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Rainer Petrak