Blogbeitrag

Botschaft für heute am 2. Fastensonntag 2017

12. März 2017

Tagesgebet

(inhaltlich gemäß Messbuch, sprachlich abgewandelt)

Gott.
Du hast uns geboten:
Wir sollen auf Jesus hören,
auf deinen geliebten Sohn,
der uns in die Freiheit führt.
Mach sein Wort für uns zum Brot,
da wir Hunger haben nach erfülltem Leben.
Und öffne uns die Augen für ihn in unserer Mitte,
damit wir deine Herrlichkeit erkennen.
Darum bitten wir dich
durch ihn,
der in solcher Gemeinschaft des Heiligen Geistes
mit dir lebt
und herrscht –
bereits jetzt und in der Ewigkeit.

Einführung in die 1. Lesung

(Genesis 12, 1-4a)

Der Mann, von dem die erste Lesung spricht,
ist uns bekannt als Abraham,
zu deutsch „Vater eines großen Volkes“.
Aber zunächst hieß er Abram,
zu deutsch „großer Vater“.

Abram stammte aus Haran,
einer Handelsstadt im Norden von Mesopotamien.
Das ist das fruchtbare Weideland
zwischen den Flüssen Eufrat und Tigris,
im heutigen Irak.
Dort war Abram verwurzelt; das war sein Land.
Dort lebte seine Verwandtschaft,
dort war sein Vaterhaus, sein Wohnsitz:
Erfülltes Leben.
Sinnvolles Miteinander.
Es ging ihm gut.
Er hatte eine Herde, von der er gut leben konnte. –
Wenn auch seine schon betagte Frau Sara
immer noch kinderlos war.
Von ihm, dem Abram, hören wir jetzt.

Homilie

(nach Matthäus 17, 1-9)

Worum geht es?

„Auf einen hohen Berg“.
Mose und Elija.
Sie redeten mit Jesus.

Worüber haben sie denn mit Jesus geredet?
Im Lukas-Evangelium heißt es:
Sie sprachen mit Jesus
„von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte.“

Es ist das Thema, das Jesus und seine Jünger
schon auf dem ganzen Weg beschäftigt hat –
auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem:
Wie dieser Weg enden würde.

Jesus hatte schon die ganze Zeit versucht,
ihnen klar zu machen, wohin das führt:
Die das Sagen hatten,
würden das einfach nicht hinnehmen:
seine Botschaft vom Vorrang der Menschlichkeit
und vom erfüllten Leben für alle –
und die provozierenden Beispiele,
mit denen Jesus längst angefangen hatte,
diese menschenfreundliche, geradezu erlösende Herrschaft Gottes zu praktizieren.

Jesus hatte seinen Leuten immer wieder gesagt:
Er wird dafür leiden müssen,
weil sie ihn dafür umbringen werden.

Damit waren ja seine Jünger gar nicht einverstanden.
Am deutlichsten hatte Petrus versucht,
ihn davon abzubringen:
Das kannst du doch nicht,
die Menschheit braucht dich doch, …! –
So dass Jesus, derart in Versuchung geführt,
nur sagen konnte: „Weg von mir, du Satan!“

Schließlich versucht Jesus wieder,
die Jünger für seinen Weg zu gewinnen,
indem er schon mal 3 von ihnen beiseite nimmt –
auf einen hohen Berg, wie es heißt.

Und da geschieht so etwas Ähnliches,
wie später zwei andere von ihnen es erleben werden –
als Jesus tot war
und die beiden in das Dorf mit Namen Emmaus gingen:
Auch sie reden miteinander
über das Ende von Jesus in Jerusalem,
das nun schon geschehen war.
Und auch sie sehen sich dann veranlasst,
das Ganze neu zu betrachten –
anders als bisher,
nämlich es im Zusammenhang zu sehen
„mit Mose und den Propheten“, wie es dort heißt.
Genau wie hier:
Mose und Elija, der Prophet.

Und wie den beiden auf dem Weg nach Emmaus,
wie es heißt, am Ende die Augen aufgehen,
so dürfen hier –
auf dem Berg der sogenannten Verklärung –
Petrus, Jakobus und Johannes schon mal ahnen,
wie sich ihre Angst paart
mit dieser Erfahrung von Herrlichkeit,
die den Petrus so überwältigt,
dass er gleich Hütten bauen will,
um sich in diesem Augenblick gemeinsam mit den Anderen häuslich niederzulassen.

Wir sind hier
weder auf der Straße von Jerusalem nach Emmaus
noch auf der Straße von Galiläa nach Jerusalem.
Aber auch wir als Christen
haben uns auf den Weg gemacht,
der mit der Wertschätzung für christliche Überzeugungen anfängt
und dann immer wieder
an Orte führt, die uns gar nicht schmecken:

Wenn wir merken,
da müssen wir den Mund aufmachen
und uns Konflikten stellen.
Oder wenn wir merken, dass die bisherigen   Gewohnheiten in die Irre führen,
dass wir uns durch angebliche Selbstverständlichkeiten   haben täuschen lassen.
Wenn wir uns durch Rahmenbedingungen
zu einem Verhalten versucht, ja gezwungen sehen,
von dem wir wissen: das ist nicht gut, das schadet.
Schadet Menschen,
schadet dem Lebensraum Erde …

Das Grundmuster für diese Situation ist Abram,
der zum Abraham werden soll:

Er ist doch schon der „große Vater“.
Er hat doch alles, was das Herz begehrt.
Ein erfolgreicher Sippen-Chef.
Und dann sagt ihm einer,
er soll das alles loslassen und aufbrechen.
Und er sagt ihm noch nicht einmal, wohin.
Ein ihm bis dato Unbekannter,
der sich ihm als Gott präsentiert, als „der Herr“ –
mit einem übergroßen Versprechen,
das er mit dem großen Loslassen verknüpft.
Klingt zunächst äußerst unvernünftig.

Aber Abram traut ihm:
„Da zog Abram weg, wie der Herr ihm gesagt hatte.“

Das ist das tiefe, bodenlose Vertrauen,
das Jesus beseelt
und zu dem er die Seinen anstecken möchte.

Damit wir mit allen
uns der „Fülle des Lebens“ annähern.
Damit sein Projekt – „Rettung der Welt“ –
Zukunft hat.

Auf IHN hören!

aus dem Gottesdienst anlässlich des gemeinsamen Einkehr-Wochenendes mit dem KAB-Ortsverein und der Gemeinde Christkönig in Hattersheim-Okriftel am 11./12. März 2017

Rainer Petrak

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Rainer Petrak