Blogbeitrag

Rainer Petrak

Brot vom Himmel – echt

29. Juli 2021

Sonntagsbotschaft zum 1. August 2021 
(18. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr B) 

1. August. Um was geht es an diesem Sonntag? Was sagen die Nachrichten? Was sagt meine Gefühlslage? Geht es um das Wetter? Um die Gesundheit? Corona? Klima? Dauerthemen. Und die Bibel? Was sagt sie? Sagt sie etwas zu meinen Themen?

Okay, setzen wir uns erst mal. Luft holen. Brauche ich einen Schluck zu trinken? Sonntag. Ich nehme mir Zeit. Jedenfalls erst mal 20 Minuten. Meine neugierige Frage: Was sagst du zu all dem heute, mein Herr und mein Gott?

Am vergangenen Sonntag stand ja im Mittelpunkt diese Menschenmenge am Ufer des Sees mit ihrem Hunger nach Leben, die von Jesus nicht genug kriegen kann und die dann tatsächlich satt wird.

Nun war es Jesus gelungen, sich gemeinsam mit seinen Jüngern wieder zurückzuziehen. Die Leute allerdings waren hinter ihm her. Schließlich fanden sie ihn. Von der erneuten Begegnung erzählt der zweite der fünf Abschnitte aus dem 6. Kapitel des Johannes-Evangeliums, mit dem die das Jahr hindurch fortgesetzte Serie aus Markus unterbrochen wird:

In jener Zeit, als die Leute sahen,
dass weder Jesus noch seine Jünger
am Ufer des Sees von Galiläa waren,
stiegen sie in die Boote,
fuhren nach Kafarnaum
und suchten Jesus.

Was wollen sie eigentlich von ihm? Wonach streben sie? Was ist ihr Interesse?

Und was ist das Interesse heutiger Menschen, wenn sie sich für Jesus interessieren? –

Als sie ihn am anderen Ufer des Sees fanden,
fragten sie ihn:
Rabbi, wann bist du hierhergekommen?
Jesus antwortete ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Ihr sucht mich nicht, weil ihr Zeichen gesehen habt, …

Ihm wäre offensichtlich wichtig, wenn sie sich für das interessieren, wofür er Zeichen gibt!

sondern weil ihr von den Broten gegessen habt
und satt geworden seid.

Ihr Blick ist vordergründig. Wahrscheinlich finden sie ihn „cool“: Worin sie das Problem gesehen und worum sie sich Mühe gemacht hatten – genug Essen für alle – das hatte er auf seine Weise gelöst und damit eigentlich ihre Aufmerksamkeit auf etwas anderes, allumfassend Wichtigeres gelenkt.

Müht euch nicht ab für die Speise, die verdirbt, …

Um Erfolge, die kurzzeitig „nähren“, die aber immer wieder mühsam „nachgefüttert“ werden müssen!

sondern für die Speise,
die für das ewige Leben bleibt …

Ja, befriedigender wäre die Bemühung um bleibende, nachhaltige Erfolge!

und die der Menschensohn euch geben wird!

Dazu verhilft er!

Denn ihn hat Gott, der Vater, mit seinem Siegel beglaubigt.

In Gottes Vollmacht! Zuverlässig!

Da fragten sie ihn:
Was müssen wir tun,
um die Werke Gottes zu vollbringen?

Das klingt gutwillig, aber doch auch sehr anstrengend, vielleicht widerwillig.

Jesus antwortete ihnen:
Das ist das Werk Gottes,
dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Das klingt anders: Da steht zwar nicht Mühe im Vordergrund, aber die Bereitschaft zu einer großen Transformation!

Das setzt allerdings Glaubwürdigkeit voraus! Und die mahnen sie jetzt bei ihm an:

Sie sagten zu ihm:
Welches Zeichen tust du denn,
damit wir es sehen und dir glauben?
Was für ein Werk tust du?
Unsere Väter haben das Manna in der Wüste gegessen,
wie es in der Schrift heißt:
Brot vom Himmel gab er ihnen zu essen.

Sie wollen etwas sehen, was ihn legitimiert!

Jesus sagte zu ihnen:
Amen, amen, ich sage euch:
Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben,
sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel.
Denn das Brot, das Gott gibt,
kommt vom Himmel herab
und gibt der Welt das Leben.
Da baten sie ihn:
Herr, gib uns immer dieses Brot!
Jesus antwortete ihnen:
Ich bin das Brot des Lebens;
wer zu mir kommt,
wird nie mehr hungern,
und wer an mich glaubt,
wird nie mehr Durst haben.
(Johannes 6,24-35)

Das wird ihren Augen aber erst dann aufgehen, wenn sie merken: Sein gewaltsamer Tod, bis in den hinein er sich mit ihrem Hunger und Durst eins macht, setzt in bleibende, alles transformierende Kraft um, was er ihnen gesagt und gezeigt und so in Gottes Namen neu angefangen hat!

Dass seine engagierte Hingabe, der totale Einsatz seines Lebens ihnen zum Brot für allen Hunger und zum Wasser, ja zum Wein für all ihren Durst wird, diese Erkenntnis – eine wahre Offenbarung! – steht ihnen noch aus.

Was werden sie jetzt mit diesen Worten von ihm anfangen?

Und was haben wir mit diesen Worten von ihm bisher schon angefangen?

„Brot“, das mein Leben wirklich „nährt“ – an was denke ich da?
Was „speist“ meine Lebensenergie, meine Lebensfreude?
Wo „tanke“ ich am ehesten auf?
Wo gibt es für mich Lebens-„Unterhalt“?
Wovon lebe ich?
Was stärkt meine Lebensgeister?
Was ist mir Kraftstoff zum Vorwärtskommen – was mich fördert, steigert, schürt, sättigt, füttert, …?
Was ist mir Wasser auf die Mühlen meines Lebens,
mit welchem „Futter“ versorge ich mich?

Nach der Befreiung aus der Sklaverei in Ägypten und dem anschließenden Weg durch die Wüste und bevor das Volk in das Gelobte Land hineinzieht, zieht Mose eine Art Bilanz über alle bisherigen Erfahrungen mit Gott und sagt zum Volk:

Er wollte dich erkennen lassen,
dass der Mensch nicht nur von Brot lebt,
sondern dass der Mensch von allem lebt,
was der Mund des HERRN spricht.
(Deuteronomium 8,3b)

Und von Jesus bezeugt das Evangelium, er sagt zu seinen Jüngern:

Meine Speise ist es,
den Willen dessen zu tun,
der mich gesandt hat,
und sein Werk zu vollenden.
(Johannes 4,34)

Ein ähnliches Selbstverständnis wurde dem Propheten Ezechiel im Alten Testament zu eigen. Er erzählt von Gottes Stimme, die er sich zu Herzen gehen lässt:

Menschensohn, höre, was ich zu dir sage. …
Öffne deinen Mund und iss, was ich dir gebe! …
Eine Hand war ausgestreckt zu mir;
und siehe, in ihr war eine Buchrolle.
Er rollte sie vor mir auf.
Sie war innen und außen beschrieben
und auf ihr waren Klagen, Seufzer und Weherufe geschrieben.
Er sagte zu mir:
Menschensohn, iss, was du vor dir hast!
Iss diese Rolle!
Dann geh, rede zum Haus Israel!
Ich öffnete meinen Mund und er ließ mich jene Rolle essen.
Er sagte zu mir:
Menschensohn, gib deinem Bauch zu essen,
fülle dein Inneres mit dieser Rolle, die ich dir gebe!
Ich aß sie und sie wurde in meinem Mund süß wie Honig.
Er sagte zu mir:
Menschensohn, mach dich auf,
geh zum Haus Israel
und sprich mit meinen Worten zu ihnen! …
nimm alle meine Worte, die ich dir sage, mit deinem Herzen auf
und höre mit deinen Ohren!
(Ezechiel 2,8 – 3,4.10)

Wir hören heute Jesus sagen:

Ich bin das Brot des Lebens;

und:

wer zu mir kommt,
wird nie mehr hungern;
wer an mich glaubt,
wird nie mehr Durst haben.

Zu ihm kommen, an ihn glauben? Wahrscheinlich könnten viele von uns das von sich durchaus sagen. Jedenfalls viele von denen, die bisher sich aus diesen Erwägungen noch nicht weggeklickt haben. Und dann „nie mehr hungern“? „nie mehr Durst haben“? Dann scheint „kommen“ und „glauben“ ein lebenslanger Prozess zu sein?

Mal sehen, ob die weiteren Abschnitte dieses 6. Kapitels aus dem Johannes-Evangelium an den kommenden Sonntagen uns weiterbringen können.

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Rainer Petrak