Blogbeitrag

Evangelii nuntiandi (1975)

13. Februar 2015

So heißt ein Schreiben aus dem Jahr 1975 von Papst Paul VI. „über die Evangelisierung in der Welt von heute“

In der katholischen Kirche Deutschlands wurde es zwar wiederholt aufgegriffen. Insgesamt aber hat es bisher leider viel zu wenig nachhaltige Wirkung gezeigt.

Im Bistum Trier wurde 1990 „Evangelii nuntiandi“ für die seelsorgliche Praxis aufbereitet in einer Arbeitshilfe zur Vorbereitung auf die Taufe: „Erwachsene oder Kinder bitten um die Taufe – eine Handreichung für die Seelsorge“, deren „Anlage 4 Das Konzept der Evangelisierung“ den entsprechenden Prozess als eine Abfolge von Schritten darstellt:

Sechs Elemente bzw. Aspekte der Evangelisierung nach Evangelii Nuntiandi (1975)

1. Zeugnis ohne Worte / Zeugnis des Lebens

Das grundlegende Element der Evangelisierung ist diakonisches Tun – gemäß der Lebensart Jesu: Verkündigung geschieht durch das Zeugnis des Lebens, das Christen geben, wenn sie inmitten ihrer Lebens- und Arbeitswelt auffallen durch Verständnis für andere, sich solidarisch erklären mit Menschen, die Hilfe brauchen, Hoffnung ausstrahlen, sich engagieren für Frieden, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung.

2. Wort des Lebens oder ausdrückliche Verkündigung

Das Zeugnis ohne Worte kann möglicherweise lange Zeit hindurch die einzige Form der Evangelisierung sein, früher oder später muss aber „Rechenschaft von der Hoffnung, die in uns ist“ (vgl. 1 Petrus 3,15) gegeben werden. Früher oder später müssen Jesus Christus und seine Frohe Botschaft (in Predigt und Katechese) verkündet werden.

3. Zustimmung des Herzens

Zwischen dem, der das Zeugnis des Lebens gibt und das Wort des Lebens sagt, und seinem Gesprächspartner entsteht eine persönliche Beziehung, die das Herz erreicht. Die Zustimmung zu dem Lebensprogramm Jesu verändert das persönliche und das gesellschaftliche Leben („Zivilisation der Liebe“).

4. Eintritt in die Gemeinschaft

Die Zustimmung des Herzens wird sichtbar und erfahrbar durch den „Eintritt in eine Gemeinschaft von Gläubigen“. Das wird zunächst in der Zugehörigkeit zu einer kleinen Gruppe greifbar, in der der Einzelne zur Sprache bringen kann, was ihn bewegt und von Jesus her zu deuten lernt, was er lebt (vgl. Basisgemeinschaft).

5. Empfang der Zeichen

Der Eintritt in die kirchliche Gemeinschaft wird mit vielen Zeichen gefeiert, zumal in den Sakramenten der christlichen Initiation. Dem Empfang der Sakramente muss eine Glaubensgeschichte vorausgegangen sein, die in der gottesdienstlichen Feier zum vorläufigen Abschluss gelangt.

6. Einsatz im Apostolat

„Schließlich wird derjenige, der evangelisiert ist, auch seinerseits wieder evangelisieren“ (Nr. 24). Das ist die Echtheitsprobe. Denn wessen Leben sich ändert, gibt damit ein (anderes) Zeugnis des Lebens (vgl. 1.).

Eine Neuauflage hiervon erschien (frühestens 1998) unter dem Titel „Mit großer Freude nimmt dich die christliche Gemeinde auf – Impulse für Gespräche über die Taufpastoral“

Die gleiche Schrittabfolge ist auch in der Serie „Die deutschen Bischöfe“ im Heft Nr. 68 „Zeit zur Aussaat – Missionarisch Kirche sein“ vom 26.11.2000 dargestellt. (Zu beziehen im Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz)

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Rainer Petrak