Blogbeitrag

Licht

Gründonnerstag 2014 – jetzt kann die neue Welt beginnen

17. April 2014

„Begreift ihr, was ich an euch getan habe?“ (Johannes 13,12)
„Ich habe euch ein Beispiel gegeben.“ (Johannes 13,15)
„Tut dies“ – und werdet euch dabei meiner inne! Ja, esst und trinkt mich – in der Solidarität einer Tischgemeinschaft!   (vgl. 1 Korinther 11,23-26)
„Das vernichtende Unheil wird euch [dann] nicht treffen.“ (Exodus 12,13)

„Change“ ist angesagt. So haben sie damals in den USA sich getraut, vertrauensvoll zu ihrer Sehnsucht zu stehen: „Yes, we can!“

Jesus bringt die neue Welt!

Und dieses Wort „neue Welt“ ist nicht zu groß gewählt. Und es ist nicht wirklichkeitsfremd! Es steht zwar den gegebenen Wirklichkeiten sehr fremd gegenüber. Und es ist nach aller Erfahrung ja eigentlich auch gar nicht zu glauben! Aber Jesus fängt es real an:

Mit dem Zeichen der Fußwaschung fasst er noch einmal die Bedeutung von allem zusammen, was er in den 3 Jahren gesagt und getan hatte und wofür er jetzt von seinen Gegnern ans Kreuz gebracht wird – und was er mit seiner Bereitschaft dazu besiegelt: Er, der Herr und Meister, ist dadurch Herr und Meister, dass er denen selbstlos dient, die das zulassen. Sogar dem Judas und dem Petrus, – wenn die das zulassen.

Damit verwandelt er verbreitet anerkannte „Werte“ in ihr Gegenteil:

  • Er, der Eine, der angeblich nichts tun kann, verändert die ganze Welt!
  • Das Recht des Stärkeren verwandelt er in die Pflicht des Stärkeren, dem Schwächeren zu dienen.
  • „Haste was, dann biste was“ – verwandelt er in: Du bist mir unendlich viel wert – egal wie viel du hast!
  • „Der Schuldige muss bestraft werden“ – verwandelt er in höchste Wertschätzung auch für den schuldig Gewordenen!
  • „Belohnt wirst du, wenn du …“ – verwandelt er in „Du verdienst den Lohn, weil du geliebt bist!“
  • Denen ihr Recht vorenthalten wird, die bekommen jetzt ihr Recht – ganz auf den Spuren der biblischen Botschaft seit eh und je!
  • Und die, die mit einem solchen Gott nichts anfangen können, die ihn unversöhnlich ablehnen, um die wirbt er: „Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (2 Korinther 5,20)

„Change“! Diesen Wandel, der mit Jesus unter die Menschen kommt, kann man nur

  • entweder radikal ablehnen, bestenfalls als unrealistisch oder irrelevant belächeln,
  • oder sich ihm radikal anvertrauen.

Da provoziert Gott uns alle zur Entscheidung.

Allen, die seinem Anruf vertrauen, die sich mit ihrer Sichtweise und ihren Bestrebungen fürs eigene Leben und für die ganze Welt an ihm orientieren wollen, denen sagt er heilvolles Gelingen zu. Gemeinsam mit ihrem Beitrag erneuert er das Antlitz der Erde. Und das möchte er so gerne!

Uns hat er mit unserer Taufe und Firmung auf den Weg gebracht, auf dem er unser Leben und unsere Welt prägen und zum Guten bringen will. Unsere Zustimmung zu dieser Weichenstellung durchläuft zur Zeit den jährlichen Aktualisierungs-Check. Unser 40-Tage-Weg vom Aschenkreuz her durch die Österliche Bußzeit strebt gewaltig auf das Osterfeuer zu. Unsere Entschiedenheit will klar werden: Auferstehung soll werden, Auferstehung für alle aus allen Toden – neues Leben, das den Tod weder tot schweigt noch verharmlost, sondern überwindet – durch Jesus Christus!

Als allererster war Jesus selber in diese Entscheidung gerufen:

Das Großartige, Herrliche, das Gott da mit seinem Dienst vorhat – wird es ihm gelingen, sich ganz und gar darauf einzulassen?

Jesus war ja nicht nur Sohn Gottes, er war ja auch ein Kind seiner Zeit. Also kennt er die Erfahrungen mit den Realitäten dieser Welt. Skepsis wie Neugierde, Ablehnung und Aufhorchen, … das alles machte auch bei ihm seine guten Gründe geltend. Auch in seiner damaligen Umgebung. Und das wirkte auch auf ihn ein: Einflüsse aus dem religiösen Mainstream, andere aus Erziehung und Kultur, … die eigenen Lebenserfahrungen, Meinungen von Freunden und Kollegen, … Leistungsdruck und Konkurrenzkampf … die Beschwernisse einer Krankheit im eigenen Leben oder in der Familie … Jede Menge Einflüsse, die auf ihn genauso einwirken wollten wie auf uns heute. Einflüsse, die ihn davon abhalten wollten, sich unter Einsatz seines Lebens für die Menschen einzusetzen – der Macht der Mächtigen entgegen:

  • Seine Angehörigen wollten ihn für verrückt erklären! (vgl. Markus 3,21)
  • Und Petrus stellte sich ihm entgegen: Um Gottes willen, du wirst doch nicht nach Jerusalem gehen, wo sie dich umbringen wollen! (vgl. Markus 8,33) …

Einflüsse, die ihn von dem abbringen wollten, was doch sein Lebensweg war, sein Selbstverständnis, seine Lebenserfüllung! Solche Einflüsse können zu starken Versuchungen werden. Und Jesus kannte das eben auch. Er wich dieser und anderen Versuchungen nicht aus, sondern nahm sich Zeit – in der Wüste – (vgl. Matthäus 4,1-11), sich ihrer bewusst zu werden, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, seine Orientierung im Vater und im Wort der Bibel neu zu verwurzeln und dann – wissend warum – sich klar zu entscheiden – und alle entgegengesetzten Einflüsse von sich zu weisen, von seinem Innersten fern zu halten.

Das wollte uns am 1. Fastensonntag zum Evangelium werden:

zur Ermutigung für alle, denen die Knie schlottern, wenn sie eigentlich ihren Glauben an Christus leben und bezeugen wollen, sich dann aber mit entgegengesetzten, entfremdenden Einflüssen und Kräften konfrontiert sehen. Da wurde uns für einen profiliert christlichen Lebens- und Glaubensweg ein notwendiger erster Schritt werbend nahe gelegt: uns der eigenen „Versuchungen“ bewusst zu werden und uns ihnen zu stellen.

Am 2. Sonntag auf unserm Weg zum Osterfest

(vgl. Matthäus 17,1-9) ging es um den Konflikt der Jünger mit sich selbst und mit Jesus, der sie aufmerksam gemacht hatte: Sie waren auf dem Weg von Galiläa nach Jerusalem auf dem Weg in die „Höhle des Löwen“ und müssen seinem Tod ins Auge schauen. Dem dagegen protestierenden Petrus hatte Jesus nur noch sagen können: „Weg mit dir, Satan!“ (vgl. Markus 8,33) – In dieser Situation musste Jesus ihnen einfach helfen! Also nahm er Petrus, Jakobus und Johannes beiseite. Er sprach mit ihnen über sein Ende, das in Jerusalem auf ihn wartete (vgl. Lukas 9,31). Im Licht der biblischen Botschaft, wie sie von Mose und Elija in der Bibel steht, sollten diese drei Männer den beängstigenden Weg nach Jerusalem neu sehen. Und dabei ging ihnen ein Licht auf: Herrlich! Göttlich! Dieser Weg führt ja zur wunderbaren Erneuerung der ganzen Welt, wenn Jesus ihn bis ans entsetzliche Ende geht! – Und dann war das wieder weg. Die irdischen Niederungen mit dem in Aussicht stehenden Leid traten ganz schnell wieder in den Vordergrund. Aber jetzt gingen sie anders weiter, nachdem ihnen in der biblischen Verklärung ihres Entsetzens Gottes Herrlichkeit aufgeblitzt war. Johannes, dem das 4. Evangelium zugeschrieben wird, wird später die Kreuzigung von Jesus
seine „Verherrlichung“ nennen (vgl. z.B. Johannes 13,31).

Wenn das auch für uns der Weg sein soll, dann stellt sich natürlich die Frage, wie so etwas bei uns aussehen kann. Diese Frage ist von zentraler Wichtigkeit und braucht Zeit für ihre Klärung. Eine vorschnelle Beantwortung könnte nicht tragfähig genug sein.

Am 3. Fastensonntag ging dann das Evangelium genau auf diese Frage ein:

Die Situation, die die Erzählung (Johannes 4,5-42) voraussetzt, ist alltäglich. Aber eben darum so leicht als typisch für uns alle und als zeitlos zutreffend erkennbar. Es geht um einen Menschen, der an seiner Lebenssituation zu leiden hat:

Eine Frau mit schlechtem Ruf braucht frisches Wasser. Der Brunnen ist außerhalb des Ortes. Um unangenehmen Begegnungen aus dem Weg zu gehen, macht sie diese Schlepperei in der Mittagshitze, zur damals so genannten 6. Stunde. Und dann trifft sie am Brunnen auf Jesus, der sich da gerade ausruht. Von ihm sieht sie sich im Gespräch veranlasst zu sagen, was mit ihr los ist. Im Unterschied zu den Leuten im Ort macht ER ihr allerdings keine Vorhaltungen, sondern vermittelt ihr die Erfahrung ungeschmälerter Wertschätzung für sie. Diese Begegnung krempelt ihr Leben um: Den Wasserkrug, symbolischer Inbegriff ihrer Maloche und Belastung, den braucht sie jetzt nicht mehr; sie lässt ihn einfach stehen. Aus dem Häuschen, wie sie ist, rennt sie in den Ort und trommelt die Leute zusammen. Und die lassen sich jetzt sogar von ihr was sagen und in Bewegung setzen. Durch das Zeugnis dieser Frau neugierig geworden, suchen sie nun selber die Begegnung mit Jesus und sehen als Ergebnis in ihm den „Retter der Welt“, wie sie sagen. Die Frau sehen sie jetzt auch mit anderen Augen; sie hat ihr verloren gegangenes Ansehen wieder gefunden.

Menschen, die in Jesus den Christus, den Messias, den Retter, …  zu sehen bekommen haben, erkannt haben, sehen nun die ganze Welt mit neuen Augen. Und das wurde dann

am 4. Sonntag auf dem Weg zum Osterfest

im Evangelium aufgegriffen: In der Begegnung mit Jesus erfährt der von Natur aus „blinde“ Mensch, wenn er sich auf Jesus einlässt, seine Blindheit neu und wird damit ein Sehender. (vgl. Johannes 9,1-41) Wer sich nicht auf Jesus einlässt, kann nur sehen, dass gerade Sabbat ist und dass da Jesus eine verbotene Arbeit tut und für solche Verletzung des Gesetzes bestraft werden muss.

Und am 5. Sonntag wurde es noch krasser:

Der Mensch wird aus seinen Gräbern herausgerufen, weil es Jesus tatsächlich gelingt, Menschen dazu zu bewegen, dass sie den Stein vom Grab des Lazarus wegwälzen. Das Wunder des Glaubens!

Wer sich auf dem Weg

durch die Vorbereitungszeit auf Ostern für diese immer stärker werdende Botschaft des Retters Jesus Christus hat neu aufschließen lassen, der brennt jetzt darauf, dem Auferstandenen zu begegnen und IHN zu feiern. Seine Jünger – damals wie heute – begreifen da neu, wie Er zu ihnen steht und lassen sich – verkehrte Welt! – von Ihm den Dienst der „Fußwaschung“ antun (Johannes 13,1-15). Ihr Entsetzen über die grausame Kreuzigung verwandelt sich in Bewunderung für Seine liebende Hingabebereitschaft und in verehrende Anbetung. Um dann in der Osternacht neu anzufangen, von ganzem Herzen das unfassbare Ereignis Seiner Auferstehung zu preisen und sich in Seine Bewegung zur Erneuerung der Welt zu integrieren. So dass alle bedrängten und nach Heilung dürstenden Menschen in diese Bewegung hinein wachsen können.

Da kommen Elend und Herrlichkeit von Gott und Mensch von neuem zusammen und werden eins.

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Rainer Petrak