Blogbeitrag

Osterkerze 2022 vor Kruzifix

Habt keine Angst, steht auf!

12. Mai 2022

Sonntagsbotschaft zum 15. Mai 2022, dem 5. Ostersonntag (Lesejahr C). 

„Sonntagsbotschaft“. Botschaft von der neuen Welt auf Grund von Ostern? Wie geht’s der Botschaft? Was sagt die Bibel selber dazu an diesem Sonntag?

In jenen Tagen
kehrten Paulus und Barnabas
nach Lystra, Ikonion und Antiochia zurück.
Sie stärkten die Seelen der Jünger
und ermahnten sie, treu am Glauben festzuhalten;
sie sagten:
„Durch viele Drangsale
müssen wir in das Reich Gottes gelangen.“

Ermutigung und Bestärkung durch die Apostel konnten sie in den noch jungen Christen-Gemeinden in Pisidien gut brauchen. Die sahen sich in Konflikte gebracht und bedrängt, wenn sie am Glauben an Jesus Christus festhielten. Sie machten die Erfahrung, dass es kein einfacher Weg ist aus den gegebenen Machtverhältnissen in Politik und Wirtschaft hin zu einer Menschlichkeit, wie Gottes Herrschaft im Stil von Jesus Christus sie nahelegt.

Sie setzten für sie in jeder Gemeinde Älteste ein
und empfahlen sie unter Gebet und Fasten dem Herrn,
an den sie nun glaubten.

Diese sogenannten „Ältesten“ sollten dann darauf achten, dass der Geist von Jesus Christus allen hilfreich zur Seite steht und dass ihr Miteinander auf dem Weg durch die Tage sich an ihm orientiert und nicht in unverhofft auftretenden neuen Situationen die alten Machtspiele wieder die Oberhand gewinnen.

Nachdem sie durch Pisidien gezogen waren,
kamen sie nach Pamphylien,
verkündeten in Perge das Wort
und gingen dann nach Attalia hinab.
Von dort segelten sie nach Antiochia,
wo man sie für das Werk, das sie nun vollbracht hatten,
der Gnade Gottes übereignet hatte.

Antiochia in Syrien war ja ihre Ausgangsbasis gewesen. In der dortigen Gemeinde war in gemeinsamer Beratung klar geworden (siehe Apg 13,1-4), dass es Gottes Auftrag an sie war, die Botschaft vom Leben im Glauben an Jesus Christus nach Zypern und in die südliche Türkei zu tragen. Jetzt war ihre Reise zu Ende und sie kamen zurück.

Als sie dort angekommen waren,
riefen sie die Gemeinde zusammen
und berichteten alles, was Gott mit ihnen zusammen getan
und dass er den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte.
(Apostelgeschichte 14,21b-27)

Was für eine bestärkende Freude muss das für die Christen in Antiochia gewesen sein, als sie das hörten! Gott selber sorgte offensichtlich dafür, dass der Auftrag von Jesus an seine Jünger, seine Botschaft in alle Welt zu tragen, Früchte trägt.

Ich kann mir vorstellen, dass der Psalm, den die liturgische Ordnung als heutige Antwort auf diesen Bericht vorsieht, damals im syrischen Antiochia voller unbändiger Freude die ganze Versammlung erfüllte:

Ich will dich rühmen, mein Gott und König,
und deinen Namen preisen immer und ewig;
ich will dich preisen Tag für Tag
und deinen Namen loben immer und ewig.
Der Herr ist gnädig und barmherzig,
langmütig und reich an Gnade.
Der Herr ist gütig zu allen,
sein Erbarmen waltet über all seinen Werken. …
Der Herr ist treu in all seinen Worten,
voll Huld in all seinen Taten.
Der Herr stützt alle, die fallen,
und richtet alle Gebeugten auf.
(Psalm 145, 1-2.8-9.13c-14)

Kann man das eigentlich mit Heute vergleichen?

An diesem Sonntag vor 77 Jahren, am 8. Mai 1945, schwiegen endlich die Waffen des 2. Weltkriegs. Botschaft der Befreiung für viele Millionen. Ein wahres Evangelium für die Menschheit, wenn auch viele zähneknirschend noch lange von „Zusammenbruch“ sprachen.

Und an diesem Sonntag vor 68 Jahren, dem 8. Mai 1954, wurde zum ersten Mal im deutschen Fernsehen das „Wort zum Sonntag“ ausgestrahlt. Jeden Sonntag seither. Mit knapp 2 Millionen Zuschauern pro Sendung durchaus beachtlich. „Glück, Licht, Hoffnung, …“, wie sie das Intro zur Sendung in Aussicht stellen, kommen da wahrscheinlich bei mehr Menschen an, als man es sich so vorstellt. Aber eine öffentlich wahrgenommene Art von Befreiung zu einer menschlicheren Welt davon zu erwarten, wäre einfach unrealistisch. Wenn auch die Grundlage für die darin übermittelten Anregungen das biblische Evangelium ist.

Noch bescheidener nimmt sich meine Freude darüber aus, dass meine „Sonntagsbotschaft“ zum diesjährigen Osterfest 260mal angeklickt wurde …

Ganz im Unterschied dazu die weltweit milliardenfach gedruckte Bibel. Sie lässt am Ende die Botschaft des Glaubens in einen monumental visionären Film münden. Daraus ist ein kurzer Abschnitt für diesen Sonntag vorgesehen, der darstellt, worum es sowohl damals ging – auf der ersten Missionsreise des Paulus – als auch heute in unserer Zeit bei der elementaren Frage nach Leben, nach Zukunft, nach zuverlässiger Orientierung, nach Gott:

Ich, Johannes, sah einen neuen Himmel und eine neue Erde;
denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen,
auch das Meer ist nicht mehr.
Ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,
von Gott her aus dem Himmel herabkommen;
sie war bereit wie eine Braut,
die sich für ihren Mann geschmückt hat.
Da hörte ich eine laute Stimme vom Thron her rufen:
„Seht, die Wohnung Gottes unter den Menschen!
Er wird in ihrer Mitte wohnen,
und sie werden sein Volk sein;
und er, Gott, wird bei ihnen sein.
Er wird alle Tränen von ihren Augen abwischen:
Der Tod wird nicht mehr sein,
keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal.
Denn was früher war, ist vergangen.“
Er, der auf dem Thron saß, sprach:
„Seht, ich mache alles neu.“
(Offenbarung 21, 1-5a)

Gottes Vision von einer neuen Welt! Auch wenn das jede menschliche Vorstellungskraft sprengt, deutlich wird gerade dadurch: Alle den Menschen und seine Lebenserfüllung bezwingenden Ketten werden da gesprengt! Jedenfalls geht es darum, dass Träume wahr werden sollen, die sich der moderne Mensch schon längst nicht mehr zu träumen traut.

Natürlich kann man sich die Provokationen, die in dieser Vision stecken, ganz einfach vom Leibe halten mit der Festlegung, gemeint sei hier ein göttliches Bild in menschlicher Sprache für eine Welt nach dem Ende unserer Zeit.

Eine solche Deutung verkennt aber, dass dieses Buch der Offenbarung des Johannes für seine Aussagen Bilder und Motive aufgreift, die den damaligen Menschen aus der Überlieferung der Bibel vertraut waren. Bilder und Motive, die – häufig als Trost für die Menschen in übermäßigen Belastungen – durchaus in der Zeit ablaufende Veränderungen in Aussicht stellten. Bilder und Motive, die überliefert wurden, bevor die apokalyptische Vorstellung von einem bevorstehenden Ende jeder Zeit aufkam. Bilder und Motive, die zu verwirklichen Jesus innerhalb von dieser Zeit und in der Menschheitsgeschichte begonnen hat – so dass die verheißene Zeit, „das Ende der Tage“ mit ihm längst angebrochen ist und seither der Vollendung entgegenstrebt!

Mit dem einen wichtigen Unterschied, dass die Botschaft dieser Vision, die solche alten Bilder und Motive aufgreift, alles, was da zugesagt wird an Ersehntem und Tröstlichem, an Wunderbarem und Herrlichem, dem einen Retter und Befreier und Erlöser Jesus Christus zugeschreibt! Weil er der Mensch ist, in dem Gott selber handelt, sich selber total opfert aus Liebe zum Menschen. Weil er so alle vom Tod beherrschte menschliche Geschichte in eine neue Geschichte des Lebens wandelt, wo immer Menschen sich ihm anvertrauen und auf ihn hören; in eine neue Geschichte zu seiner Verherrlichung, zur Anerkennung seiner alles übersteigenden Herrlichkeit – wo immer Menschen sich anstecken lassen von seiner Art zu lieben und dann in der Freude des Glaubens an ihn beitragen zur Ausbreitung seiner Liebe in Zeit und Geschichte.

Denen, die noch herzlich wenig davon begriffen haben, lässt Jesus das mit krassen Worten anklingen – nach seinem letzten Mahl mit ihnen, das zur Henkersmahlzeit wird, zum Sieg der Liebe über den Tod:

Als Judas vom Mahl hinausgegangen war, sagte Jesus:
„Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht,
und Gott ist in ihm verherrlicht.
Wenn Gott in ihm verherrlicht ist,
wird auch Gott ihn in sich verherrlichen,
und er wird ihn bald verherrlichen.
Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch.
Ein neues Gebot gebe ich euch:
Liebt einander!
Wie ich euch geliebt habe,
so sollt auch ihr einander lieben.
Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid:
wenn ihr einander liebt.
(Johannes 13, 31-33a.34-35)

Die Liebe, in der Christen alle Beziehungen pflegen und ausbauen, ist die neue Quelle, aus der die Welt lebt. Sie ist die Alternative zu dem alten Gesellschaftsspiel „Mal sehen, wer sich durchsetzen wird!“ Diese Vision ist das „Leitbild“ von einer neuen Welt, die sich mit allen ihren Realitäten nach ihr richtet und von ihr richten lässt.

Die alten unter uns haben es schon immer gerne mit dem Herz-Jesu-Lied aus dem Jahr 1935 gesungen – und hoffentlich auch so gemeint:

„Mach unser Herz zu deinem:
Lass uns den Hass, das bitt‘re Leid
fortlieben aus der dunklen Zeit:
Lass uns dein Reich erscheinen!“

Und – wenn Sie sich hier jetzt noch einen provokativen Abschluss zumuten wollen – :

Der Versuch, das in Beziehung zu setzen zur offenen Frage der Waffenlieferung an die Ukraine:

  • Entweder:
    Habt keine Angst,
    der Ukraine die Waffen in die Hand zu geben,
    die sie brauchen,
    um sich erfolgreich zu wehren!
  • Oder:
    Habt keine Angst,
    euch in gemeinsamer Stärke ohne jegliche Waffengewalt
    gegen die Gewalt des Krieges zu wehren!
  • Oder
    beides?
  • Oder
    ganz anders?

Hauptsache: Gemeinsam in Liebe und Solidarität sich austauschen, beraten und ergänzen! Traut den neuen Entdeckungen, die sich daraus ergeben werden! Und die an Gott glauben – vor allem auf die Weise von Jesus an Gott glauben: Traut ihm und schließt euch ihm auf, der euch mit seinem Geist den Ausweg finden lässt und führt!

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