Blogbeitrag

hr-info? oder Jesus?

23. Februar 2021

Sonntagsbotschaft zum 28. Februar 2021
(2. Fastensonntag im Lesejahr B)

Ich hör hr-info – und du?

hr-info ist mir zu anstrengend. Das hör ich mir nicht an. Ich brauch Musik.  Am liebsten hr3.

Musik ist gut. Aber ich halte es mit dem Spruch von hr-info: „Wer’s hört, hat mehr zu sagen.“ – Und du – was hörst du?

Ich hör Jesus.

Wie? – Ist das ein religiöses Radio-Programm?

Mehr.

Das musst du erklären!

Damals, als Petrus, Jakobus und Johannes mit Jesus auf den Berg raufgegangen waren, sagte Gott: „Ihn sollt ihr hören!“

Da gab’s doch noch gar kein Radio.

Und trotzdem hörten die Leute alle möglichen Programme: Diverse Stimmen warben um ihr Vertrauen. Den drei Männern zum Beispiel hatte ihre innere Stimme gesagt: Ihr könnt unmöglich den Jesus ins offene Messer laufen lassen! Tot kann er niemanden mehr heilen und aufrichten! Andere Stimmen hatten gefordert: Rekrutiert Leute für Jesus und macht ihn zum König, damit er endlich die Römer aus dem Land jagt! Und wieder andere: Der Jesus muss kaltgestellt werden, sonst geht alles den Bach runter! Und manche meinten: Lasst den Jesus mal machen. Das beruhigt sich alles wieder von allein.

Es war schon eine schwierige Lage, in der sie sich befanden. Welcher der vielen Stimmen konnten sie sich überlassen? Sie waren mit Jesus auf dem Weg. In Galiläa hatte er angefangen mit seinem Auftreten in der Öffentlichkeit. Bei den einen hatte er Jubel hervorgerufen, bei den anderen totale Ablehnung. Und jetzt gingen sie nach Jerusalem. In die Höhle des Löwen. Jesus hat ihnen die Augen geöffnet für das Risiko. Was sollten sie davon halten? Die Stimmen, die ihr Ohr und ihr Herz wollten, schwirrten durcheinander.

Aus der ganzen Gruppe nimmt Jesus dann diese drei mit sich auf den Berg. Sie erwägen Sinn und Risiken; die Stimmen von Mose und von Elija aus der Bibel helfen ihnen weiter. Und dann die Stimme, die für sie das stärkste Gewicht gewinnt! Davon erzählt das Evangelium nach Markus an diesem 2. Fastensonntag:

In jener Zeit
nahm Jesus
Petrus, Jakobus und Johannes beiseite
und führte sie auf einen hohen Berg,
aber nur sie allein.
Und er wurde vor ihnen verwandelt;
seine Kleider wurden strahlend weiß,
so weiß, wie sie
auf Erden kein Bleicher machen kann.
Da erschien ihnen Elíja und mit ihm Mose
und sie redeten mit Jesus.
Petrus sagte zu Jesus:
Rabbi, es ist gut, dass wir hier sind.
Wir wollen drei Hütten bauen,
eine für dich, eine für Mose und eine für Elíja.
Er wusste nämlich nicht, was er sagen sollte;
denn sie waren vor Furcht ganz benommen.
Da kam eine Wolke und überschattete sie
und es erscholl eine Stimme aus der Wolke:
Dieser ist mein geliebter Sohn;
auf ihn sollt ihr hören.
Als sie dann um sich blickten,
sahen sie auf einmal niemanden mehr bei sich
außer Jesus.
Während sie den Berg hinabstiegen,
gebot er ihnen,
niemandem zu erzählen,
was sie gesehen hatten,
bis der Menschensohn
von den Toten auferstanden sei.
Dieses Wort beschäftigte sie
und sie fragten einander, was das sei:
von den Toten auferstehen.
(Markus 9,2-10)

„Auf ihn sollt ihr hören.“ Auf ihn! Denn er steht für Gott selber. Das drängt sich ihnen auf. In aller Klarheit. Aber damit müssen sie dann erst mal selber klarkommen. Göttlicher Glanz liegt über ihm und seinem Weg? Aber wie passt das zu all dem, was sie bewegt: ihre Angst um den Meister, … Und was kommt auf sie selber zu? Und wie soll das dann weiter gehen, was er so wunderbar angefangen hat? Die Menschen brauchen ihn doch!

Gott braucht ihn, wenn die Menschen mit ihrer Würde gerettet werden sollen – angesichts all der mächtigen Kräfte, die den Menschen klein halten wollen und unterdrücken!

Mit „Auferstehung“ als Perspektive können sie noch nichts anfangen. Also kriegen sie das alles noch nicht auf die Reihe. Erst mal ist wichtig: In all dem Wirrwarr „auf ihn hören“! Sich von den vielen anderen Stimmen nicht das Vertrauen kaputt machen lassen!

Dieser Tage wollte ich eigentlich eine Sendung in einem anderen Programm hören und sehen. Da ich aber, um der ätzenden Werbung vor der Tagesschau auszuweichen, das Hessen-Fernsehen eingeschaltet hatte, drängte sich mir nach Nachrichten und Wetter die Sendung auf, die dem Jahresgedenken des schrecklichen rassistischen Anschlags von Hanau gewidmet war. Die „Stimme“ dieser Sendung hörte ich und wusste: Das isses, was ich mir jetzt anhöre! Eine Fernsehsendung im Geist von …, nach dem Herzen von Jesus! – Menschen wurden aus Hass umgebracht – und der Staat hat gepennt! – Wenn ich mir dazu Jesus vorstelle, … Da wird alles klar – wie auf dem Berg seiner Verklärung. Und da ist klar, auf wen zu hören ist!

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Rainer Petrak