Blogbeitrag

Kirche heute? (2011)

7. Februar 2011

Was ist Kirche? Was ist Kirche wert? Für Menschen von heute?!

Viel wird in diesen Tagen über ihre Fehler berichtet und über Strukturen diskutiert. Ja, das muss sein. Aber am wichtigsten ist und bleibt die Mitte: was die Bibel – also Gott! – dazu sagt.

Das kommt auf den Punkt in den Gedanken von Luzia Goihl, Gemeindereferentin in Herz Jesu Frankfurt-Fechenheim, zu Matthäus 5,13-16, dem Evangelium vom 6. Februar 2011 (5. Sonntag im Jahreskreis / Lesejahr A):

„IHR SEID DAS SALZ DER ERDE.“
„IHR SEID DAS LICHT DER WELT.“

Das ist die klare Antwort der Bibel auf die Frage: Wozu gibt es die Kirche, wozu gehören wir zu ihr?

„IHR SEID DAS SALZ DER ERDE.“
„IHR SEID DAS LICHT DER WELT.“

Das sind die beiden Kernsätze dieses Sonntags.

Um an die Frohe Botschaft darin heran zu kommen, möchte ich mit Ihnen heute diese beiden Sätze jeweils unterschiedlich betont hören und bedenken. Was das dann fürs eigene Leben bringt, wie jeder und jede von uns urteilt über die Frage „Wozu ist Kirche da, und wie bin ich als Teil dieser Kirche da?“, das bleibt spannend und wird sich sicher nicht heute endgültig klären und beantworten lassen.

Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr
seid das Licht der Welt.

Wer sind denn diese „IHR“?

Jesus spricht die Jünger an. So steht es im Evangelium. Aber er befindet sich noch an der Stelle, an der er die Seligpreisungen verkündet hat, die wir letzten Sonntag gehört haben; und es steht nirgends, dass die anderen Leute schon weg sind. Also hören es eigentlich alle, die dabei stehen. Und wie so oft, kann jeder sich angesprochen fühlen, damals wie heute. Ich möchte es so hören: ihr, wir, die wir hier heute auf Gottes Wort hören in dieser Sonntagsfeier, wir sind gemeint, wir sind angesprochen, um uns geht es. Wir sind diese „IHR“!

Und der Satz geht weiter:

Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt.

Nicht: ihr sollt es mal werden; nicht: es wäre schön, wenn ihr euch mal überlegen würdet, ob ihr vielleicht wollt, ob ihr euch vorstellen könntet, so etwas mal zu sein – irgendwann, wenn es euch mal gerade einfällt oder wenn es euch in den Kram passt; oder: ihr werdet es, wenn ihr lang genug gebetet habt, oder wenn ihr den richtigen Beruf ergriffen habt, wenn ihr oft genug in der Kirche wart, gebeichtet habt und genug gespendet habt. … All das steht da nicht, sondern es wird ganz einfach festgestellt: Ihr seid es. Punkt.

Ihr seid das Salz der Erde.

Salz sein, was heißt das? – Haben Sie schon mal Reis ohne Salz gekocht? Ich finde ihn schier ungenießbar. Aber zu viel des Guten ist auch nichts. Man kann eben auch einem die Suppe versalzen. Salz in der genau richtigen Menge ist ein Genuss.

Salz hat auch noch andere Qualitäten und hilfreiche Eigenschaften: Früher war es das Mittel, um Fleisch oder Fisch länger haltbar zu machen, zu konservieren. Salziges Meerwasser trägt, Salze können heilsam sein.

Und wie können wir Menschen heilsam und tragend wirken? Wie kann unser Umgang miteinander ein Genuss werden?

Oder finden Sie eher Beispiele, in denen Ihnen jemand die Suppe versalzen hat?

Aber in der richtigen Dosierung untergemischt, ist Salz ein ganz wichtiger Beitrag zum genussvollen Essen/Leben.

Wir können uns „einmischen“, dann wird das Leben genießbar.

Wie ist es mit dem 2. Satz?:

Ihr seid das Licht der Welt.

Licht sein, hell machen, Wärme ausstrahlen, das verbinden wir ja gleich damit. Es gibt so unheimlich viele Assoziationen mit Licht, so viele Lichter, so viele unterschiedliche Lichtquellen:

Scheinwerfer, Blinklicht, Ampel, Kerze, Taschenlampe, Notbeleuchtung,  Warnblinkanlage, Bremslicht, Glühwürmchen, Rotlicht, Positionslampen,  Lichterketten. ….

Und wie sind wir, wenn wir Licht sind?

Im Halleluja hieß es: denen die suchen, macht hell den schweren Weg. Also wenn Licht da ist, wird der Weg nicht anders, aber die Sicht besser und deshalb die Orientierung leichter.

Licht ist nah mit Wärme und Geborgenheit verbunden.

Wenn wir das Licht sind, dann kann es durch uns hell werden und warm, gemütlich und froh.

Wenn wir die anderen Lichtquellen ins Leben übertragen, so können wir auch für mehr Sicherheit sorgen, im Notfall die Richtung zeigen, vor Gefahren warnen etc.

Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt.

Die letzte Betonung gibt jetzt noch die Antwort auf die Frage, wofür, für wen sind wir das alles?: Für die Erde, für die Welt.

Also allumfassend, nicht nur für mich, nicht nur für unsere Gemeinde, nicht nur für die Kirche, sondern für Fechenheim, für den Pastoralen Raum, für Deutschland, für Rom, für Ägypten, für die Welt!

Ihr,
also wir, die wir das Wort gehört haben,
wir sind,
nicht, wir sollen sein, oder wir könnten werden, nein,
wir sind das Salz! und das Licht! der Welt.

Lied:

Mischen wir uns ein. Dazu sind wir bestellt. Wir sollen wichtig sein. Salz der Erde, Licht der Welt.
(Text von Eugen Eckert © Strube, München – Berlin)

Da traut uns Jesus eine ganze Menge zu.
Denn mit dem Licht sein und dem Salz sein ist es nicht getan.

Wenn wir daheim das Licht anmachen, aber alle Rollläden schließen, dann leuchtet nichts nach draußen – so wie bei der Stadt auf dem Berg – und wenn wir das Salz mit geschlossenem Deckel im Salzstreuer aufbewahren, dann ist es absolut nutzlos.
Es geht nicht nach dem Motto: Mein Licht oder mein Salz gehört mir!

Und was macht das jetzt mit uns?

Lassen wir uns jetzt anstacheln uns einzumischen oder sehen wir nur noch mehr Arbeit und Ansprüche, die uns entmutigen?

Ich verstehe diese Botschaft eher als eine Ermutigung zur Bestandsaufnahme und gegebenenfalls zur Kurskorrektur.

Auf meinem Schreibtisch liegt seit letztem Herbst der Spruch: „Was mach ich hier eigentlich?“

Es geht nicht um die Frage „Machen wir genug oder könnten wir noch mehr machen?“, sondern darum, ob das was wir tun mit dem zusammen passt, wozu wir laut Jesus als die Jünger, die sich in seine Nachfolge begeben haben, da sind.

Ist das, was wir tun, Licht für die Welt, bringen wir mit dem, was wir tun, Geschmack ins Leben der Menschen?

Wenn ja, prima. Wenn nein, dann die Frage: Woran liegt es und wie können wir es ändern?

Wir können jetzt alle möglichen Bereiche unserer Gemeindearbeit und alle Aktivitäten von Kirche in Deutschland oder weltweit durchgehen. Vermutlich werden wir oft stutzig werden und erkennen, dass das, was da so toll aussieht oder so viele Kräfte bindet, reine Nabelschau ist und kein bisschen Geschmack auf Reich Gottes macht oder gar erhellend für die Probleme der Welt wirkt.

Aber auf der anderen Seite werden wir auch staunen können, wie viele noch so kleine Ereignisse plötzlich Wege erhellen und Menschen Genuss ins Leben bringen, die so etwas gerade von Kirche nicht erwartet hätten.

Und wir sind die Überbringer! Wir alle, aber jeder nach seinen Fähigkeiten, nach seinen Begabungen und seiner Kraft. Nicht jeder kann demonstrierend lautstark seine Stimme erheben gegen Ungerechtigkeit und Ausbeutung. Und nicht jeder hat die Geduld und das Einfühlungsvermögen, einem Kind Matheformeln oder Englischvokabeln beizubringen. Auch darf und muss jeder auf seine Kräfte schauen und mit seinen Fähigkeiten haushalten. Wir müssen auch füreinander sorgen, Genuss und Wärme, Geschmack und Licht sind nicht nur für die anderen da, wir dürfen und sollen auch einander gut tun.

Feste und Feiern, Spiele und gute Gespräche sind auch Tankstellen, an denen die Batterie zum Leuchten wieder aufgeladen wird. Und wenn wir würzendes Salz bleiben wollen, sollten wir nicht verlernen, selbst zu genießen. Denn – Sie wissen doch: Wer nicht genießt, wird ungenießbar!

All das wird nicht zur Selbstbeweihräucherung oder zur Nabelschau werden, wenn wir die beiden Sätze des Evangeliums uns immer wieder mal ganz bewusst in ihren Einzelheiten betonen:

IHR SEID DAS SALZ DER ERDE.
IHR SEID DAS LICHT DER WELT.

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Rainer Petrak