Blogbeitrag

Grafik schuldig

Schuldig, aber geachtet, ja geliebt

9. Juni 2022

Sonntagsbotschaft zum 12. Juni 2022, dem 11. Sonntag im Jahreskreis (Lesejahr C), an Stelle des eigentlich vorgesehenen Dreifaltigkeitssonntags. 

Heute mache ich eine Ausnahme: Grundsätzlich ist es mir wichtig, an Hand von vorgegebenen Bibeltexten, die ich nicht selbst ausgesucht habe, mich einer Botschaft zu stellen. Ich traue gerne dem Segen, den ich erst kauen muss.

Aber heute ist das etwas Anderes: Nicht, dass ich der Botschaft des Dreifaltigkeitssonntags ausweichen wollte. (Meine Dreifaltigkeits-Predigt vom 12.06.2022 findet sich hier.) Aber mir ist beim Überblick über die nächsten anstehenden Sonntage etwas aufgefallen, was mich nicht loslässt:

Die Struktur des Kalenders bedingt, dass jedes Jahr zwei oder drei bestimmte „Sonntage im Jahreskreis“ mit den ihnen zugeordneten Bibeltexten unter den Tisch fallen.

Dieses Jahr sehe ich ein Problem darin, dass ein für unsere Zeit besonders wichtiger Text schon wieder wegfällt, der nach 2016 erst wieder zwölf Jahre später zu hören sein wird: 2028. In ihm geht es um die ganz spezielle Art von Jesus, wie er Menschen begegnet, die Schuld auf sich geladen haben und jetzt die Konsequenzen ausbaden müssen.

Also möchte ich hier mit Ihnen gemeinsam hinhören, wozu die Bibeltexte des weggefallenen 11. Sonntags unsereins heute anregen.

Schuld. Ungeliebtes Thema. Wer von Schuld redet, macht damit meistens anderen Vorwürfe. Aber das ist unanständig.

Bis in die Medien schafft es das Reden von „Schuld“ vor allem in der Weise, dass Prominente Anlass bekommen, Schuldvorwürfe von sich zu weisen.

Es ist gefährlich, wenn „Schuld“ im Raum steht; da riskiere ich Sanktionen, Vergeltung, Strafe. Also behalte ich das für mich, solange andere nicht davon reden.

Manchmal kann das aber ziemlich belasten; sich schuldig fühlen tut weh.

So allein gelassen mit eigener Schuld, greifen Menschen zu unterschiedlichsten Mitteln, um sich zu entlasten:

  • nicht dran denken, denn: „da ist ja eh nichts dran“
  • „Hauptsache, keiner kriegt was davon mit“
  • „ach ja, das sind halt die Hormone und die Neuronen“
  • „andere treiben es viel schlimmer“
  • „ich hab meine guten Gründe dafür gehabt“
  • „aus Verantwortung musste ich so handeln!“
  • „ich lasse ich mir da kein schlechtes Gewissen einreden“

Aus Versuchen zur eigenen Rechtfertigung oder auch, um Schuld auf andere abzuwälzen, entstehen oft Konflikte. Mit „falsch verstanden“ fangen sie an. Verschleierte Verachtung für Fremde, für Frauen, für Menschen, die nicht so gut drauf sind, wird dann schnell zur Durchsetzung eigener Interessen. Konflikte eskalieren.

Muss das so sein?

Manchmal können Gerichte zur Klärung von Schuld beitragen.

Aber der Autofahrer in Eile, ausgebremst durch den vor ihm, der bei Grün nicht gleich losgefahren ist, der sich jetzt – mit sich allein im Auto – vor sich selber schämt, weil er dem anderen nämlich den Stinkefinger gezeigt und in seinem Käfig ihn lautstark beschimpft hat – …; und schlechter Laune, wie er jetzt ist, macht er zuhause auch noch seine Frau runter …

Bei Kindern heißt das: „Ich war’s nicht. Die hat angefangen! …“ Bei Politikern: …

Ach, lassen wir die Beispiele … wir kennen das alle.

Blut-Schuld will Blut-Rache. Schulden müssen bezahlt werden. Bei Schuld an Menschenrechten muss die Allgemeinheit einschreiten. Schuld verlangt nach Sanktionen. Genauer gesagt: Menschen verlangen nach Sanktionen, wenn andere sich schuldig gemacht haben. Das gilt als gerecht. Denn: „Wenn alles hingenommen wird“ – so wird die Alternative benannt – „wird sich jeder alles erlauben und wohin kommen wir denn dann!“

Eine Lösung sind aber solche als Gegenmaßnahmen gemeinte Sanktionen meistens nicht, weil, wer mit Sanktionen belegt wurde, verletzt ist und gerne mit Gegensanktionen antwortet – wenn er kann. Wenn er nicht kann, wird er irgendwann die verdeckte Rache spüren lassen.

Dabei gehört es doch derart alltäglich zum Leben, dass ich irgendeiner Verantwortung nicht nachkomme oder mich zu eigenen Wertvorstellungen und Überzeugungen widersprüchlich verhalte, mich also schuldig mache! Gehört das nicht zum Leben?

Wer sich damit nicht versöhnen kann, wird das natürlich einfach in Abrede stellen. Nur ändert das nichts an der Problematik.

Eigentlich steht die Welt ziemlich hilflos da gegenüber allem, was als Schuld gilt. Abschreckung und Strafe lösen Probleme bestenfalls oberflächlich und kurzzeitig und wirken oft kontraproduktiv. Wie viele verurteilte Kriminelle sind nach dem Gefängnis rückfällig geworden und haben noch zugelegt!

Eigentlich haben wir uns – Jahrtausende hindurch – daran gewöhnt, dass wir mit diesem ungelösten Problem der Schuld und ihren Folgen leben müssen – sowohl mit der Schuld der Anderen als auch mit der eigenen. Viele verfolgt ihr Leben lang, was sie sich selber eingebrockt haben oder was andere ihnen zugefügt haben.

Manche meinen, von „Schuld“ reden, bringe nichts; man muss die Probleme, um die es da geht, in anderen Kategorien deuten, verstehen, beschreiben und einer Lösung zuführen …

Mit solchen Erwägungen – mit dieser allgemeinen Problematik – konfrontiert am 11. Sonntag im Jahreskreis die Botschaft aus der Bibel:

Keine Belehrung bringt da das Lukas-Evangelium, aber eine Erzählung als exemplarisches Beispiel (Lukas 7,36-50).

Die Rede ist von einer Frau. Mehr wird über ihre Person nicht gesagt, nur dass sie eine „Sünderin“ ist. Inwiefern, bleibt offen. Was der Leser und die Hörerin sich darunter konkret vorstellen, bleibt einem selbst überlassen.

Mit einem solchen Menschen will man jedenfalls nichts zu tun haben.

„Sünderin“. Schuldig jedenfalls in irgendeiner Weise jenseits aller Diskussion, ob schuldig oder nicht; klar schuldig nach Maßstäben göttlicher Autorität, die nicht zur Debatte steht.

Und hier fängt unsereins heutzutage zu widersprechen an: „Selber schuld, wer mit einem Gott rechnet, der so Maßstäbe setzt!“

Wohl bemerkt: So widersprechen wir, obwohl wir selber alle – mehr oder weniger – solche Maßstäbe setzen, über die wir nicht zu diskutieren bereit sind – jedenfalls wenn es um die Schuld anderer geht; da machen wir’s mit einem Anspruch wie der in der Bibel gemeinte Gott.

Weiterkommen werden wir mit dieser Beispiel-Geschichte im Evangelium nur, wenn wir davon ausgehen: Gemeint sind hier alle Lebenslagen, in denen eine Schuld festgestellt istdurch eine Instanz, die als unanfechtbar geltend Normen setzt; das mag für den einen „Gott“ sein, für den anderen das „Ich“, also eine spezielle Personifizierung „göttlichen“ Anspruchs.

Es geht hier also nicht um die Frage, was als Schuld gilt und was nicht. Hier geht es um die Frage, wie wir mit einer feststehenden Schuld umgehen. Da setzt die eigene, ungewöhnliche „Logik“ der Geschichte an. Was immer auch die Leserin oder der Hörer sich bei der zu meinenden Versündigung gerne vorstellen mag.

Was erzählt Lukas von der „Sünderin“, was sie tut und wie es ihr ergeht?

In jener Zeit
hatte einer der Pharisäer
Jesus zum Essen eingeladen.
Und er ging in das Haus des Pharisäers

und begab sich zu Tisch.
Und siehe, eine Frau, die in der Stadt lebte,
eine Sünderin,
erfuhr, dass er im Haus des Pharisäers zu Tisch war;
da kam sie mit einem Alabastergefäß
voll wohlriechendem Öl
und trat von hinten an ihn heran
zu seinen Füßen.
Dabei weinte sie
und begann mit ihren Tränen seine Füße zu benetzen.
Sie trocknete seine Füße
mit den Haaren ihres Hauptes,
küsste sie und salbte sie mit dem Öl.
Als der Pharisäer, der ihn eingeladen hatte, das sah,
sagte er zu sich selbst:
Wenn dieser wirklich ein Prophet wäre,
müsste er wissen,
was das für eine Frau ist, die ihn berührt:
dass sie eine Sünderin ist.

Ihm steht außer Zweifel: Wenn Jesus wüsste, was für eine das ist, dann hielte er sie sich vom Leibe – so wie alle ernsthaften Leute das machen würden. Im Gegensatz zu der Frau kommt er gar nicht auf die Idee, dass Jesus gegenüber „Sündern“ eine ganz andere Haltung einnimmt!

Was für eine „andere Haltung“ – und was soll das bedeuten?

Jesus versucht feinfühlig, sich mit Hilfe eines Gleichnisses verständlich zu machen:

Da antwortete ihm Jesus und sagte:
Simon, ich möchte dir etwas sagen.
Er erwiderte: Sprich, Meister!
Ein Geldverleiher hatte zwei Schuldner;
der eine war ihm fünfhundert Denare schuldig,
der andere fünfzig.
Als sie ihre Schulden nicht bezahlen konnten,
schenkte er sie beiden.
Wer von ihnen wird ihn nun mehr lieben?
Simon antwortete:
Ich nehme an,
der, dem er mehr geschenkt hat.
Jesus sagte zu ihm:
Du hast recht geurteilt.

Und jetzt versucht Jesus, dem Simon einleuchten zu lassen, – auch uns „einleuchten zu lassen“, wie die Binsenweisheit des Gleichnisses das Wesentliche dessen erhellt, was da geschieht und was hier gemeint ist.

Dann wandte er sich der Frau zu
und sagte zu Simon:
Siehst du diese Frau?
Als ich in dein Haus kam,
hast du mir
kein Wasser zum Waschen der Füße gegeben;
sie aber hat meine Füße mit ihren Tränen benetzt
und sie mit ihrem Haar abgetrocknet.
Du hast mir keinen Kuss gegeben;
sie aber hat, seit ich hier bin,
unaufhörlich meine Füße geküsst.
Du hast mir nicht das Haupt mit Öl gesalbt;
sie aber hat mit Balsam meine Füße gesalbt.
Deshalb sage ich dir:
Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben,
weil sie viel geliebt hat.
Wem aber nur wenig vergeben wird,
der liebt wenig.

An ihrem Verhalten kannst du ja sehen, wie erleichtert sie ist. Sagt Jesus zu Simon. Ihr muss ein wahres Gebirge von Steinen vom Herzen gefallen sein, dass sie mich derartig mit Liebe überschüttet! Und warum? Was habe ich ihr denn getan? Was hat sie denn mit mir erlebt, ohne dass wir einander begegnet sind, was sie aber mir in die Arme treibt?!

Wahrscheinlich leuchtet das dem Simon sehr wohl ein, wenn auch widerwillig:

Diese Frau, die sich irgendwie schwer versündigt hat, so dass sie jede Achtung ihrer Person verloren hat – wahrscheinlich auch die eigene Selbstachtung verloren hat – , die ist von innen her neu aufgeblüht, als sie davon hört, wie dieser Jesus den Menschen begegnet, die unverzeihliche Schuld auf sich geladen haben – und der damit zeigt, wie Gott in Wirklichkeit zum „Sünder“ steht, von dem es immer geheißen hat, dass man erst mal mit „Buße“ bezahlen muss, bevor man dann vielleicht seine Vergebung findet.

Es ist ihre letzte Rettung, seine Nähe aufzusuchen! Und da er sie tatsächlich annimmt, an sich ‘ranlässt, löst sie sich – überglücklich – in Tränen auf.

Das besingt – so schön! –  ein alter Hymnus in der kirchlichen Tagzeitenliturgie (aus: „O ewger Schöpfer aller Welt“, Hymnus der Laudes am Sonntag der 1. Woche):

„Herr, wenn wir fallen, sieh uns an
und heile uns durch deinen Blick.
Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus,
in Tränen löst sich unsre Schuld.“

Ist Ihnen die Geschichte von dieser Frau schon einmal in dieser Weise nahegegangen?

Oder haben Sie die bisher immer anders gehört?

Hier stoßen wir an ein Problem in der üblichen kirchlichen Verkündigung. Da wird meistens die Botschaft dieser Erzählung anders gedeutet.

Wie?

Das wird besonders deutlich in der Benedictus-Antiphon an diesem 11. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr C, also an einem Text an prominenter Stelle der kirchlichen Tagzeitenliturgie: in der Laudes am Morgen. Da wird der Lobgesang aus dem Mund des Zacharias, des Vaters von Johannes dem Täufer, das sogenannte „Benedictus“, sozusagen überschrieben und eingerahmt durch die frohlockende Aussage der Antiphon

„Dieser Frau sind ihre vielen Sünden vergeben,
weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.“

Da wird eine ganz andere Logik verkündet: Angeblich weil die Frau sich ihm so liebevoll nähert, also als Folge davon, entscheidet sich Jesus, ihr ihre vielen Sünden zu vergeben.

Diese Deutung verkennt, dass die Erzählung die dankbar-glücklich-erlöst motivierte Annäherung der Frau in der Reihenfolge bereits vor jeder Jesus möglichen Reaktion beschreibt.

Diese Deutung ignoriert auch die Logik, die Jesus mit dem Gleichnis auf diese Situation parallel überträgt: Darin betont er ja: Wem viel Schuld erlassen worden ist, zeigt dem, dem er das verdankt, überglücklich seine dankbare Liebe!

Die Wortwahl in der deutschen Einheitsübersetzung von 1980 „weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat“ ist in der revidierten Fassung von 2016 ersetzt worden durch „weil sie viel geliebt hat“. Die Fassung von 1980, die der Verständlichkeit des Textes optimal dienen sollte, hatte klar gemacht: Das vage formulierte originale „sie hat viel geliebt“ meint das liebevolle Verhalten der Frau gegenüber Jesus in dieser Begebenheit. Anders weiß sich die revidierte Fassung von 2016 vor allem der Entsprechung mit dem originalen Wortlaut verpflichtet und bringt daher die unbestimmt bleibende wörtliche Übersetzung „weil sie viel geliebt hat“.

Warum aber diese Interpretation, die die Aussage des Textes so peinlich verfremdet? Sollte der Anlass dazu in dogmatischen Grundsätzen liegen, die etwas anderes aussagen über den rechten Umgang mit Schuld und Sünde? Soll der Bibeltext passend gemacht werden mit einer Schrittabfolge, wie sie der kirchlichen Lehre und Praxis des Bußsakramentes entspricht? Etwa im Dienste klerikalen Missbrauchs spiritueller Macht?

In der Tat – wenn man die Worte aus ihren logischen Zusammenhängen löst – rein sprachlich-grammatikalisch betrachtet, ist der geschriebene Text zweideutig:

„Weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat“ – das ist der Grund wofür?

Entweder – wie die Deutung voraussetzt, die der Logik des Gleichnisses widerspricht – entweder ist das der Grund, warum „ihr ihre vielen Sünden vergeben sind“ – also etwa „weil sie mit bußfertiger Liebe für ihre Schuld bezahlt hat“.

Oder aber es ist der Grund dafür, warum „ich dir sage: Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben.“ Im Sinne von: An ihrem Verhalten kannst du ja sehen, dass ihr – in der Sprache des Gleichnisses – nicht nur fünfzig Denare erlassen wurden, sondern – mindestens – fünfhundert! Gerade dass sie nicht ihre Schuld abgelten muss, macht sie so glücklich!

In der gesprochenen Sprache unterscheidet ein unterschiedlicher Tonfall beide Deutungen:

Entweder hier steht geschrieben:

Deshalb sage ich dir: „Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben“,
weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.

Oder hier steht geschrieben:

Deshalb sage ich dir:
„Ihr sind ihre vielen Sünden vergeben, weil sie mir so viel Liebe gezeigt hat.“

Geschrieben, kann man das nur mit Hilfe einer präzise gezielten Zeichensetzung unterscheiden. Die aber ist in den griechischen Handschriften nicht gegeben.

Die in der Bibel gegebene Eindeutigkeit ergibt sich aus der von Jesus ausdrücklich benannten logischen Entsprechung zur Aussage des von ihm dafür gegebenen Gleichnisses.

Letzte Zweifel an der Eindeutigkeit, was Jesus dem Simon sagen will und was der Evangelist Lukas angesichts des kardinalen Problemfelds menschlicher Schuld als befreiende Botschaft für alle Zeiten übermittelt, – letzte Zweifel daran behebt Jesus selbst mit seinem abschließenden Wort an den Pharisäer Simon:

Wem aber nur wenig vergeben wird, der liebt wenig.

Dieser Frau kann man nur gratulieren! Ebenso wie jedem Menschen, der sich auf eine solche Begegnung mit Jesus einlässt.

Mich erinnert das an das Exsultet, an das gesungene Lob auf Christus, den Auferstandenen, der im Zeichen der am Feuer entzündeten Kerze an Ostern alle Nacht erhellt:

„O glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden!“

Ja, schon damals hatte es sich herumgesprochen: die Botschaft von der Befreiung aus allem Festgenagelt-Sein auf Schuld, aus Zwängen und Fängen aller Art. Jesus lebt und bewirkt das tatsächlich. Daran konnten sie an ihm Gott erkennen.

Und diese Frau – voll Vertrauen kommt sie. Eigentlich drängt sie sich unverschämt auf. Egal – überwältigt und erlöst erfährt sie sich bei Jesus.

Und Simon? Begreift er? Der Fortgang der Erzählung verschweigt, wie er antwortet. Der erzählende Lukas überlässt es unsereins, wie wir – in der Situation des Simon – Antwort geben.

Vor den Ohren der Versammelten – so fährt Lukas fort – bestätigt Jesus:

Dann sagte er zu ihr:
Deine Sünden sind dir vergeben.
Da begannen die anderen Gäste
bei sich selbst zu sagen:
Wer ist das,
dass er sogar Sünden vergibt?
Er aber sagte zu der Frau:
Dein Glaube hat dich gerettet.
Geh in Frieden!

Sie verstehen, warum ich nicht noch sechs Jahre warten wollte, bis dieses Evangelium wieder mal sonntags „dran“ ist?

Mich hat auch seit letztem Sonntag – Pfingsten – der Gedanke nicht losgelassen, dass Jesus das Anhauchen der Gemeinschaft seiner Jünger mit seinem Lebensgeist mit einer ausdrücklichen Zielsetzung verbindet:

Wenn sie, seine Christen, seine Kirche sein wollen, dann müssen sie dafür Sorge tragen, dass die Menschheit sich nicht weiterhin kaputt macht, indem sie ihre ungelösten Schuldprobleme ausagiert in Gestalt von „Besser-sein-als-die-anderen“, von Wettbewerb und Gewalt und Krieg und Hass.

Ein Leben ohne Schuld gibt es nicht! Aber wenn wir – gestärkt durch das Vertrauen auf ihn – seinen Geist zu leben suchen, dann können wir einander beistehen, so dass keiner „auf Teufel komm raus“ mit aller Gewalt um seine Selbstachtung kämpfen muss.

  • Beten wir für alle,
    die zum Glauben an Jesus Christus gekommen sind:
    Um die innere Freiheit,
    anderen Menschen so zu begegnen, wie Jesus es uns vorgelebt hat.
  • Für die Menschen, die auf ihren bisherigen Lebensweg
    nur mit dem Bewusstsein schauen können,
    sich schwer schuldig gemacht zu haben:
    Um die freudige Erfahrung, dass ihnen vergeben ist,
    und um den Mut zu einem Neuanfang.
  • Für uns alle, die wir uns bemühen, im Geiste Jesu zu leben:
    Lass uns besser begreifen, wie wir deinen Willen erfüllen
    und deine Liebe weitergeben können.

Der Herr vergibt die Schuld und rettet unser Leben!

(Tonaufnahmen aus dem entsprechenden Gottesdienst in Herz Jesu Frankfurt-Fechenheim im Jahr 2001)

Halleluja!

Hier können Sie meinen Beitrag weiter empfehlen:

Neu: Unterstützung für Predigende →