Blogbeitrag

So handelt man sich Ärger ein (1981)

3. Oktober 2010

„Kommt jetzt der Ärger mit den Landfahrern?“

Mit diesem Titel hatte das Lokalblatt im Jahr 1981 „Zigeuner“, die im Stadtteil lebten, pauschal als kriminell diffamiert. Am Sonntag danach – vor dem Hintergrund des Wortes von Jesus aus dem Evangelium „Liebt eure Feinde!“, sagte ich in der Predigt:

Wenn wir den Feind lieben sollen – als Zielrichtung, in die hin wir uns entwickeln sollen, dann liegt doch sicher sogar noch weit vor diesem Ziel, dass wir andere Menschengruppen, Minderheiten nicht hassen und nicht gegen sie hetzen. Das Lokalblatt hat schon in der Vergangenheit – häufig in schmerzlicher Weise – gehetzt: gegen Einzelne und gegen Gruppen, die in unserm Stadtteil wohnen. Er hat es wieder getan, diesmal gegen „Zigeuner“.

Hetzen hat zur Wirkung, dass Bevölkerungsteile gegeneinander aufgestachelt werden. Das ist Hass. Das muss man beim Namen nennen. Jesus will aber, dass wir solches Einander-Hassen beenden. Sonst eskaliert es, schaukelt sich in einer Spirale auf.

Zum Kern des Evangeliums gehört es, die Wahrheit beim Namen zu nennen und nicht feige zu kneifen. Jeder, der dieses Lokalblatt unterstützt – dadurch dass er es kauft oder Anzeigen in ihm aufgibt oder sich an seinen Preisausschreiben beteiligt – , wird sich nach diesem gestrigen Artikel erneut fragen müssen, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, jemanden zu unterstützen, der gegen Minderheiten unseres Stadtteils hetzt. Jesus selbst hat für sich und für andere Gewalt und Hass erlitten, aber er hat nie feige geschwiegen. Das ist seine Art gewesen, das Reich Gottes in dieser Welt anbrechen zu lassen.

Daraufhin ließ mich das Lokalblatt durch einen Rechtsanwalt auffordern, „derartige diskriminierende Äußerungen in Zukunft zu unterlassen und eine entsprechende Unterlassungserklärung abzugeben“ – mit Frist von fünf Tagen; ansonsten wurde mir eine Unterlassungsklage angedroht. Die Angelegenheit hat mich belastet. Aber in der Gewissheit kräftigen Rückhalts in der Gemeinde weigerte ich mich ausdrücklich. Dabei blieb es.

(Aus dem Buch „Den Retter-Gott ranlassen. Damit Kirche wirklich Kirche ist“ Kapitel 24 „Wenn’s drauf ankommt: Zivilcourage“)

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Rainer Petrak