Blogbeitrag

Trauer in der Gemeinde (1989)

3. Oktober 2010

Häufig fanden Menschen aus der Kirchengemeinde, die Trauerfeiern auf dem Friedhof seien unbefriedigend. Immer wieder wurde gesagt, da sei doch mehr Hilfe möglich für die Trauernden. Eine Arbeitsgruppe nahm sich der Anregungen an und verbreitete sie in der Gemeinde durch eine Serie von Gesprächen mit verschiedenen Gruppen. Der Pfarrgemeinderat griff das Anliegen auf und machte einen Vorschlag schriftlich publik (1989):

Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. (Matthäus 11,28-30)

Wenn ein Verwandter oder Bekannter stirbt, sind wir betroffen und werden nachdenklich. Mitten in der Hektik und Unruhe unseres Alltags halten wir inne. Wir sind angerührt vom Tod.

Fragen kommen auf nach dem Sinn und Ziel unseres Lebens, nach unserem eigenen Sterben, nach dem, was dem Tod folgt. Wir hoffen darauf, dass es nach dem Tod weitergeht. Wir vertrauen auf Gott, dass er uns in ein neues Leben holt!?

„… da lebt und stirbt man nicht allein“

Manchen ängstigt die Vorstellung, dass er vielleicht nach seinem Tod unbeachtet aus der Welt „beseitigt“ werden könnte, dass niemand hinter seinem Sarg hergeht.

Wenn wir in Zukunft – wenn möglich immer – ein Foto des Verstorbenen mit der Bekanntmachung in den Schaukasten hängen, hilft das vielleicht, sich zu erinnern: Den/die kenn ich doch, die/den hab’ ich oft im Gottesdienst gesehen. Und vielleicht animiert das, dann auch mit zur Beerdigung zu gehen.

Trauer lähmt, Trauer behindert. Den Gottesdienst (!) in der Trauerhalle können die am nächsten Betroffenen oft kaum mitvollziehen. Sie brauchen Hilfe, Menschen, die ihnen ihre Sprachlosigkeit überwinden helfen, indem sie den Trauergottesdienst aktiv mitfeiern: Antworten geben, mitsingen, zum Gebet aufstehen usw.

„… denn sie werden getröstet werden“ (Matthäus 5,4)

Es kommt in der christlichen Gemeinde auch darauf an, dass wir Trauer und Klage nicht unterdrücken. Menschen trauern sehr unterschiedlich. Wir können ihnen „Ruhe verschaffen“. Das braucht unser Verständnis, unsere Geduld und unsere Zuwendung.

Dann könnten Trauernde in unserer Gemeinde den Mut entwickeln, über ihre Gefühle nach einem belastenden Tod zu sprechen – vor allem auch in Gruppen, in denen man einander kennt.

Das heißt dann: Trauer gemeinsam tragen, die Trauer des anderen mit-tragen, sie ihm er-trag-bar machen.

(Aus dem Buch „Den Retter-Gott ranlassen. Damit Kirche wirklich Kirche ist“ Kapitel 15 „Wenn andere trauern“)

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Rainer Petrak