Blogbeitrag

Botschaft 2. Adventssonntag

Wie kann man in Corona-Zeiten dem Herrn den Weg zur Welt bereiten?

30. November 2020

Ich versuch hier mal eine Trasse mit mehreren Spuren zur Auswahl –  samt Möglichkeit zum Spurwechsel:

  • entweder den geschriebenen Text lesen – im eigenen schnellen oder extra langsamen Tempo
  • oder den Video-Podcast sehen und hören – mit eigener Zeit und Aufmerksamkeit
  • oder den Audio-Podcast hören – zum Beispiel unterwegs und je nach Situation eventuell den Text mitlesen

Also: Advent. Zeit der Erwartung. Der 2. Sonntag auf diesem – ausdrücklich gemeinsamen – Weg des Advent.

Was ich sehe, hängt davon ab, wie ich hinschaue

Die Blickrichtung, die mir auf diesem Weg wichtig ist, benenne ich so:
„Miteinander glauben“ drängt danach, das Leben „in der Welt von heute“ zu gestalten – das persönliche wie auch das öffentliche Leben – also die Politik auf allen Ebenen.

Eine andere Sicht vom Glauben steht dem entgegen:
Der Glaube interessiere sich vor allem für ein „gutes Ende“ – Ende des Lebens oder auch Ende der Welt.

Zu meiner Sichtweise sehe ich mich aus der Bibel immer wieder bestärkt. Zum Beispiel mit einem Abschnitt aus dem 2. Brief an die Thessalonicher: Kapitel 3, Verse 10 bis 13. Das ist für mich schon seit Jahrzehnten das Jahr hindurch alle 4 Wochen montags die Schriftlesung in der morgendlichen Laudes. Schon als montags immer mein freier Tag war, hat mich dieser Abschnitt beschäftigt – und wieder anders seit meiner Pensionierung. Wohl also kein Wunder, dass ich hören und verstehen wollte, was in diesen Worten wirklich Gottes Botschaft an mich und an uns heute ist. Zumal ich immer wieder Politiker mit dem C im Namen ihrer Partei erlebt habe, die hier eine Unterfütterung gesehen haben für ihre Position, dass, „wer nicht arbeiten will“, auch nicht durch „zu hohe Stütze“ für seine „Faulheit“ „belohnt“ werden soll. Die Bibelverse lauten:

als wir bei euch waren, haben wir euch geboten: Wer nicht arbeiten will, soll auch nicht essen. Wir hören aber, dass einige von euch ein unordentliches Leben führen und alles Mögliche treiben, nur nicht arbeiten. Diesen gebieten wir und wir ermahnen sie in Jesus Christus, dem Herrn, in Ruhe ihrer Arbeit nachzugehen und ihr eigenes Brot zu essen. Ihr aber, Brüder und Schwestern, werdet nicht müde, Gutes zu tun!

Zum Wort „arbeiten“: Das hier verwendete griechische Wort εργάζεσθαι meint über das modern verstandene „Arbeiten“ hinaus alles Tätigsein und Wirken. Gemeint ist hier dementsprechend: Wer meint, sich aus allem mühsamen Einwirken auf diese Welt ausklinken zu können, weil er nur an das angeblich unmittelbar bevorstehende Ende denkt und weil „es dann eh nicht auf seine Bemühungen ankommt“, der soll dann auch am eigenen Leib erfahren, wohin solche Entsolidarisierung führt.

Zum geschichtlichen Zusammenhang, in dem diese Aussage steht, schreibt die deutsche Einheitsübersetzung von 2016 in ihrer Einführung in den 2. Brief an die Thessalonicher:

„Der 2. Thessalonicherbrief setzt sich mit Strömungen im paulinisch geprägten Urchristentum auseinander … Ist die Gegenwart als Zeit der Vollendung oder der Bewährung zu verstehen? Es traten Vernachlässigungen des Alltagslebens auf: Einige in der Gemeinde wollten nicht mehr arbeiten und keine soziale Verantwortung mehr übernehmen.“

Bei der Frage, wie ich meine Sicht begründen will, denke ich spontan:

Die „Zukunft“ hat schon begonnen.

Dabei muss ich lachen, denn das erinnert mich an den gleichlautenden, mir aus jungen Jahren vertrauten Titel des Buches aus 1952 von Robert Jungk, und ich entdecke beim Nachschauen den köstlich aktuell klingenden Untertitel „Amerikas Allmacht und Ohnmacht“. – Hier aber meine ich: Die „Zukunft“ hat schon begonnen, die Jesus Christus, der „Herr“, herbeiführt. Sein „Kommen“. Das sogenannte „Reich Gottes“. Es geht um das, was längst angefangen hat, dem aber so viele Steine im Weg liegen!

Schon zur Zeit des Neuen Testaments hat man das offensichtlich so gesehen. Da lese ich im Brief an die Philipper – in 1,6:

„Ich vertraue darauf, dass er, der bei euch das gute Werk begonnen hat, es auch vollenden wird bis zum Tag Christi Jesu.“

Und im Lukas-Evangelium – 11,20 – betont schon Jesus:

„Wenn ich die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“

Zusammengefasst heißt das bei Markus 16,4 von den Frauen, die am Grab von Jesus trauern wollen:

„Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war.“

Der „Stein“, der den Toten im Grab festhält und am Ausbrechen ins Leben hindert, der ist schon weggewälzt. Jetzt muss sich das bereits Geschehene – die Auferstehung von Jesus – „nur“ noch auswirken; was längst begonnen hat, aber eben auch in unsere Zeit hineinwirken will! Wenn auch noch so viele Steine seinem Kommen in den Weg gelegt sind.

Aber – wie soll das geschehen?

Das Evangelium des 2. Adventssonntages sagt:

Bereitet ihm den Weg!

Der Evangelist Markus bezieht das ausdrücklich auf die tröstenden Worte in Jesaja 40, die diesem Sonntag als 1. Lesung zugeordnet sind:

… In der Wüste bahnt den Weg des HERRN, ebnet in der Steppe eine Straße für unseren Gott! Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Warum? Was bringt er denn? – Das Ende ihres „Frondienstes“, also ihrer Unterwerfung – auch wenn sie diese sich selber eingebrockt hatten. Dass ER kommt, – wenn man ihn denn lässt und die Steine aus dem Weg räumt – das ist eine Botschaft der Freude für das ganze Volk, heißt es bei Jesaja: „Seht, da ist euer Gott!“

Und wie soll das heute gehen – in diesem Sinne IHM „den Weg bereiten“?

Da scheint mir doch sehr klar zu sein: Eine Abfolge von 3 Schritten steht an.

Schritt 1:
Macht euch erst mal klar: Welchen Kräften, Personen, Zielen, … bereitet ihr durch euer bisheriges Verhalten und durch eure persönlichen wie politischen Entscheidungen faktisch den Weg?

Schritt 2:
Macht euch klar, was eure Sehnsucht ist: Welche Kräfte sollen nach eurer Sehnsucht und eurem politischen Willen die Zukunft prägen, bestimmen, beherrschen? – Das Reich Gottes – mit Gemeinwohl und Menschenwürde – oder was sonst: die Durchsetzungskraft von Geld oder von Gewalt? der Vorrang der eigenen Nation oder der eigenen Familie? … oder oder oder …?

Schritt 3:
Und dann ergibt sich daraus: Alle, die wollen, dass Christus die Zukunft prägt „der Heil und Leben mit sich bringt“, alle die müssen logischerweise dann IHM auch den Weg bereiten. Daran erinnert das Evangelium. Steine nicht ihm in den Weg legen! Steine, die sein Kommen behindern, nicht mit Panzern oder sonstiger Gewalt an ihrem Platz fixieren! Sondern solche Steine aus dem Weg räumen!
Bei der Frage, was heute mein Beitrag dazu sein kann, habe ich mich – über meine Aktivität in der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung KAB hinaus schließlich zur Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ver.di zum 1. Dezember angemeldet. Die verkünden mindestens so engagiert wie die Kirche den Respekt vor der Würde des Menschen. Aber sie sagen nicht nur, dass im Konfliktfall die Interessen der arbeitenden Menschen Vorrang haben vor dem Interesse der Kapitalinvestoren, sondern sie handeln auch beachtlich und räumen Steine aus dem Weg, die dem entgegenstehen! Und schließlich habe ich vor zwei Wochen, am Christkönigssonntag, mal wieder gelernt, dass es dem „Weltenrichter“ nicht darauf ankommt, sich zu ihm bekannt zu haben, sondern sich eingesetzt zu haben für die, die als die „Geringsten“ gelten.

Er will jetzt kommen! Jetzt!

Am 3. Adventssonntag, in einer Woche, werden wir im Evangelium hören, wie Johannes der Täufer den Zweifelnden und noch nicht Sehenden zuruft (Joh 1,26): „Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt.“ Damals wie heute ist ja der Mensch, der die Wirklichkeit sieht und sich auf sie einstellen will, auf seine Sicht von der Wirklichkeit angewiesen. Und diese Sicht erscheint ihm immer erst einmal als „die Wahrheit“. Allerdings: Was ich sehe, hängt davon ab, wie ich hingeschaut habe. Und wenn ich merke, dass es unterschiedliche Betrachtungsweisen gibt, muss ich mir klar werden, unter welchem Einfluss ich zu meiner komme und für welche Sichtweise ich mich verantwortlich entscheiden will.

Es gibt natürlich viele Kräfte, die die „Wahrheit“ schlechthin verkünden. Aber der Gott, der – wie Christen überzeugt sind – den Menschen nach seinem Bild geschaffen hat, der ruft ihn nicht in blinden Gehorsam, sondern er ruft in die dem Menschen eigene Würde der Verantwortung. Ich darf und soll mich also selbst entscheiden, wer oder was mir „Herr“ der Welt ist, dem ich mich – und die Welt – als „dem Größeren“ anvertraue. Von dessen allein noch größerer Würde der Täufer Johannes dann sagt: „Ich bin nicht würdig, ihm die Riemen der Sandalen zu lösen.“

Ich will also in dem, was geschieht, Seine Spuren erkennen, die er bereits hinterlassen hat. – Und ich will in dem, was geschieht, die Zeichen erkennen, die in dieser Zeit auf die ersehnten Veränderungen hinweisen, die Er herbeiführen will!

Nun geht der Advent weiter. Und die Frage steht im Raum: Wie können wir IHM den Weg bereiten, damit die Zukunft, die ER herbeiführt, also das „Reich Gottes“, nicht allzu lang auf sich warten lässt?

Bestimmt lässt sich diese Frage dann am leichtesten beantworten, wenn Menschen, die eine an der Bibel orientierte Sichtweise der Wirklichkeit anstreben, sich zusammentun und sich darüber austauschen. Das fängt damit an, die reichhaltige bisherige Erfahrung zu sichten. Und es geht dann weiter mit der Frage nach Wegen, wie wir den Austausch darüber pflegen können. Das ist in einer Corona-Zeit der eingeschränkten Kontaktmöglichkeiten auf den gewohnten, den angeblich „normalen“ Wegen schwer.

Aber auf den Wegen des Internet sind die Kontaktmöglichkeiten nicht durch die Pandemie beschränkt. Also könnten wir ja die Wege, die viele von uns in dieser Zeit neu entdecken und bereiten, dafür fruchtbar nutzen.

Ich stelle mir zum Beispiel etwas vor, das ich „Sonntags-Chat“ nenne: Jeden Sonntag um 18 Uhr – möglichst am PC oder Laptop, geht aber auch mit dem Tablet oder Smartphone – eine Stunde „Video-Meeting“ über Zoom – mit Einladung zunächst mal durch mich und moderiert zunächst mal durch mich. Als Austausch über das, was die Teilnehmenden zu der Botschaft des Sonntags denken und fühlen, welche Reaktionen sich da in den Beteiligten regen und was sie dazu endlich mal sagen oder vielleicht auch fragen wollen …..…

Wenn ich Interesse daran mitgeteilt bekomme, werde ich damit beginnen.

Konkret:

Wer mir unter Angabe der email-Adresse mitteilt: Am kommenden Sonntag möchte ich am Sonntags-Chat ab 18 Uhr teilnehmen, – erhält von mir eine Einladungs-mail mit dem entsprechenden Link. Und dann treffen wir uns online.

Ansonsten auch – wie angekündigt – immer montags die „Sonntagsbotschaft“ für den Sonntag danach und zwischendurch unregelmäßig „Geistesblitze“.

Also bis dann.

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Rainer Petrak