Blogbeitrag

Erstkommunion-Geschenke

4. Mai 2014

Ansprache von Luzia Goihl am 4.5.2014 in Herz Jesu Fechenheim

Jetzt ist er also da, euer großer Tag. Eingeladen zum Fest. Volle Kirche, das Fest hinterher gut geplant, so hoffe ich doch. Viele Verwandte da, die sonst selten kommen können. Aufregend, so ein Festtag. Hoffentlich klappt alles. Es soll ja schön werden.

Ich habe mich beim Vorbereiten auf diesen Gottesdienst gefragt: Was ist eigentlich das Wichtigste heute? Sind es die schönen Kleider? Oder dass sich keiner verspricht beim Vorlesen? Ist es der Gottesdienst oder die Feier hinterher? Die Verwandten, die zu Besuch sind, oder das gute Essen?

Nun, all das trägt zum Gelingen des Festes bei. Und wenn etwas davon fehlen würde oder schlecht laufen würde, dann wäre die Feier nicht so schön. Bestimmt. Aber das Wichtigste, das Allerwichtigste sind, so finde ich: die Geschenke.

Die Erwachsenen denken jetzt bestimmt, dass das wirklich so ist, aber dass man das eigentlich nicht sagen darf. Weil doch bei der Erstkommunion die Kommunion das Wichtigste sein muss und nicht die Geschenke. Aber ehrlicher wäre es schon, zuzugeben, dass sich Kommunion-Kinder auf die Geschenke freuen.

Denn, was wäre eine Feier ohne Geschenke? Und auch in dieser Gottesdienst-Feier gibt es Geschenke! Jesus schenkt! Nein, kein Fahrrad, kein Smartphon, kein iPod, oder was man sich heute sonst noch so wünscht. Dafür sind Eltern und Freunde zuständig. Jesus schenkt anders. Heute euch zum ersten Mal sich selbst in der heiligen Kommunion. In dem kleinen Stückchen Brot stecken sie drin, die Geschenke. Das sieht man ihm nicht an, zugegeben.

Aber wir wissen ja, dass hinter manchem Ding viel mehr steckt, als man sehen kann. Dass viele Dinge eine ganz wichtige Geschichte haben, eine ganz tolle Botschaft verkün­den. Und wie die Geschenke von Jesus aussehen, das erfahren wir immer aus dem Evangelium. Das ist sein Wort-Geschenk an uns jeden Sonntag.

Heute haben wir aus der Bibel gehört (Johannes-Evangelium 20,19-23): Jesus lebt! Die Jünger freuten sich, als sie den Herrn sahen. Und Jesus hat Geschenke mitgebracht.

Erstes Geschenk: „Friede sei mit euch.“ Frieden steckt also drin in diesem Brot-Geschenk. Wie das? Nun, wir teilen ja schließlich nicht mit jedem. Miteinander essen, das Brot miteinander teilen, aus einem Kelch trinken, das bedeutet, dass wir bereit sind zum Frieden und dass Gott uns den Frieden schenken will.

Zweites Geschenk: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben, und wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ Sünden vergeben oder Vergebung verweigern. Jesus schenkt seinen Jüngern und damit auch uns heute die Entscheidungsfreiheit. Sich entscheiden können ist ein ganz hohes Gut. Da steckt Freiheit drin. Wer sich nicht entscheiden kann, sich nicht frei entscheiden darf, der steckt in einem Zwang. Der wird bevormundet, fremdbestimmt. Und das genau will Jesus nicht. Wir sollen uns frei entscheiden können, ohne Zwang. Unser Glaube braucht diese Freiheit und Jesus bietet sie uns an. Entscheidungsfreiheit steckt in diesem Heiligen Brot.

Drittes Geschenk:  „Empfangt den Heiligen Geist.“ Dazu haucht Jesus seine Jünger an. Der Lebensatem Jesu steckt drin, sein Geist, in diesem Heiligen Brot: Wenn wir das Brot teilen und essen, wenn wir so zu einer Communio werden (italienisch: „communione“ = „miteinander“), dann werden wir miteinander Jesus heute. Dann steckt er selbst in uns drin. Dann kann er in uns lebendig werden. Und dann werden wir uns entscheiden, wie er sich entscheidet: zur Vergebung. Dann werden wir handeln, wie er handelt: Frieden schaffen. Dann lassen wir uns senden, wie er von seinem Vater gesandt wird, damit immer mehr Menschen diese Botschaft zu hören bekommen. Dann lassen wir uns rufen, Gottes Sonnenschein in die Welt zu bringen, als seine Freunde.

Und das alles bekommen wir geschenkt. In diesem kleinen Stückchen Brot. Den Frieden, die Entscheidungsfreiheit, seine Geisteskraft. Geschenkt! Ihr heute hier zum ersten Mal, deshalb machen wir da ein Fest draus. Und wir alle immer wieder in jeder Eucharistiefeier, bei jedem Kommunion-Empfang. Wir bekommen ihn in die Hand gelegt. Wir haben Jesus in der Hand im Zeichen des Brotes. Wir nehmen ihn in uns auf, dann wird er in uns zur Kraft fürs Leben.

Ich hab’s doch gesagt: Das Wichtigste am heutigen Tag sind die Geschenke!!

Habe ich je in einem Erstkommunion-Gottesdienst bei der Predigt die Gesichter der Kommunionkinder so aufgeschlossen zuhörend erlebt wie heute – zugleich verstehend und fröhlich, kommunikativ und aufmerksam?!

Interessant hierzu ist vielleicht auch die Hintergrund-Frage
“Wie können Kinder und Jugendliche in die Kirche hineinwachsen?”

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Rainer Petrak